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2002 feierte Andre Greipel sein Profidebüt. Seit 2006 fährt er für Columbia © getty

Der beste deutsche Radprofi 2010 bezeichnet seine Nichtberücksichtigung als einen "Tiefschlag". Er bangt auch um die Tour.

San Remo - Den dritten Triumph von Oscar Freire beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo hatte sich Andre Greipel erst gar nicht im Fernsehen angesehen.

Der erfolgreichste Radprofi im Jahr 2010 war zum Frustabbau mit der Familie im Kölner Zoo.

"Solche Tage muss man nutzen, wenn man schon nicht nominiert wird", sagte Greipel und hatte seine Nichtberücksichtigung für die 101. Auflage der "Classicissima" immer noch nicht verdaut: "Das ist schon ein Tiefschlag für mich. Meine Leistung war nicht so schlecht, dass ich es nicht verdient gehabt hätte, am Start zu stehen."

Boonen und Petacchi auf den Plätzen

Dass sein teaminterner Rivale Mark Cavendish, der trotz eines bislang enttäuschenden Frühjahrs den Vorzug vor Greipel erhalten hatte, mit sechs Minuten Rückstand auf Platz 89 das Ziel erreichte, dürfte den Ärger des Weltranglistenzweiten zusätzlich verstärkt haben. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

"Cavendish hat momentan seine Probleme. Ich bin gute Rennen gefahren. Wenn es zum Sprint kommt, ist mit mir zu rechnen", drückte Greipel, der bereits sechs Siege im Jahr 2010 auf dem Konto hat, sein Unverständnis aus.

Oscar Freire vor Tom Boonen und Alessandro Petacchi - so lautete der Einlauf nach 298 km an der Strandpromenade Lungomare Italo Calvino. Alles namhafte Sprinter, aber auch alles Fahrer, die Greipel in jüngster Vergangenheit schon hinter sich gelassen hatte.

Reifendefekt bei Cavendish

Von einer Fehlentscheidung wollte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag nach dem "enttäuschenden Rennverlauf" aber nicht sprechen und verweist auf das unglaubliche Pech von Cavendish.

Den sechsmaligen Etappensieger der Tour 2009 hatte erst ein Reifendefekt, dann ein Sturz im Tunnel aufgehalten.

Das Katjuscha-Team nutzte die Pannen des unbeliebten "Großmauls" von der Isle of Man eiskalt aus und drückte aufs Tempo, was Cavendish ärgerte: "Das hat nichts mit Fairplay zu tun."

In dieser Phase hätte Columbia Greipel zum Helfer degradieren müssen. "Das wäre völlig falsch gewesen. Das Rennen zeigt, dass die Mannschaft für einen Kapitän da sein muss."

Und der Kapitän heißt Cavendish, was Greipel Schlimmes für die Tour de France im Sommer befürchten lässt: "Ich war bislang mit dem Team zufrieden, aber wenn ich bei Mailand-San-Remo nicht am Start stehe, muss ich damit rechnen, dass ich im Sommer Urlaub an der Ostsee mache."

Gerdemann überzeugt

Eine Debatte über den Tour-Kader will Aldag noch nicht führen: "Wir sollten uns jetzt noch nicht damit beschäftigen, was im Juli ist. Erstmal fährt Andre den Giro d'Italia." Vorher ist der gebürtige Rostocker noch bei Rund um Köln (5. April) und Rund um den Finanzplatz Frankfurt (1. Mai) am Start.

Dort dürfte er auch Milram-Kapitän Linus Gerdemann wiedersehen, der bei Mailand-San Remo eine starke Vorstellung ablieferte.

Trotz eines Magen-Darm-Infekts in der Vorwoche war der Deutschland-Toursieger von 2008 bis zum Schluss in der Spitzengruppe vertreten. Im Schlussspurt hatte er freilich keine Chance und wurde 19.

"Unser Team ist super gefahren und es ist alles nach Plan gelaufen. Auch wenn am Ende keine Top-10-Platzierung herausgekommen ist, so haben wir doch das Rennen im Finale mitbestimmt", lobte Teamchef Gerry van Gerwen die Mannschaftsleistung und sieht das Team trotz aller Verletzungsprobleme in einer deutlich besseren Verfassung als im Vorjahr.

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