vergrößernverkleinern
Kristina Vogel gab mit 18 Jahren ihr WM-Debüt © getty

Kristina Vogel wäre bei einem Horror-Unfall mit einem Kleinbus fast gestorben. Nun will sie bei der Bahnrad-WM angreifen.

Kopenhagen - Sie lag zwei Tage lang im Koma, hatte unzählige Knochenbrüche und nur der Helm verhinderte womöglich den Tod der größten deutschen Hoffnung im Bahnradsport.

Zehn Monate später dreht Kristina Vogel wieder auf dem Holzoval ihre Runden und sprintet bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften in Kopenhagen um Medaillen, doch so oder so hat sie den Kampf ihres Lebens schon gewonnen.

"Ich bin stolz und froh, wieder auf dem Rad zu sitzen. Es ist wie ein kleines Wunder, dass ich mich so schnell erholt habe", sagte die sechsmalige Junioren-Weltmeisterin über den Horror-Unfall, der ihr Leben in Sekunden-Bruchteilen komplett veränderte.

"Ohne Helm wäre ich wohl tot"

"Ohne Helm wäre ich wohl tot und ohne meine gute Rückenmuskulatur querschnittsgelähmt gewesen", so Vogel weiter.

Es war der 20. Mai 2009, als ein Kleinbus ihr bei einer Trainingsfahrt die Vorfahrt nahm. Vogel flog mit 50 Sachen durch die Heckscheibe.

Erinnern kann sich die 19-Jährige daran nicht mehr, erst zwei Tage später wird sie aus dem künstlichen Koma geholt und erfährt das ganze Ausmaß ihres Unfalls: Brüche am fünften Brustwirbel, an der Hand, am Arm, im Kiefer, der Verlust nahezu aller Zähne.

Narben im Gesicht

Außerdem trug sie durch die Glasplitter Narben im Gesicht davon, was für die kesse Erfurterin nicht einfach war.

"Als Frau will man immer hübsch sein. Wenn ich in den Spiegel schaue, erkenne ich mich manchmal nicht. An anderen Tagen fallen mir die Narben kaum mehr auf. Durch die Operationen ist es aber schon besser geworden."

Nach der WM muss sie wieder auf den OP-Tisch. Eine Laser- und eine Zahn-Operation stehen an.

"Dass sie überhaupt hier ist, ist der größte Erfolg"

Doch vorher will sie in Kopenhagen in den Sattel steigen. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

Das allein ist schon bewundernswert genug. "Dass sie überhaupt hier ist, ist der größte Erfolg", sagt BDR-Vizepräsident Udo Sprenger.

Auf Anhieb wieder gewonnen

Ehrgeizig hatte Vogel in der schweren Rehabilitationszeit ihre Comeback-Pläne vorangetrieben.

"Als ich aus dem Koma aufgewacht bin, wollte ich direkt wieder aufs Fahrrad. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich an den Unfall nicht mehr erinnern kann", erklärte sie.

Mitte März war es dann soweit. Beim Grand Prix in Pruszkow - in der polnischen Kleinstadt hatte sie vor einem Jahr im Alter von 18 Jahren auch ihr WM-Debüt gegeben - war Vogel wieder im Einsatz, gewann auf Anhieb im Sprint und im Keirin und fuhr über 500 m persönliche Bestzeit.

"Eine Medaille wäre wunderschön"

"Eine Medaille wäre wunderschön", sagt Vogel und rechnet sich am Donnerstag im Teamsprint mit Miriam Welte etwas aus: "Mein Formaufbau war aber extrem kurz. Die Trainer lassen mir freien Lauf. Ich habe keinen Druck."

Den macht sie sich in erster Linie selbst. Mit dem gleichen Ehrgeiz, mit dem sie ihr Comeback vorangetrieben hatte, war sie vor einem Jahr in die Frauen-Elite eingestiegen.

Zuvor hatte sie im Junioren-Bereich alles gewonnen, was es für eine Sprinterin zu gewinnen gibt. 2007 und 2008 gewann sie bei der Nachwuchs-WM jeweils die WM-Titel im Sprint, Keirin und im Zeitfahren.

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel