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Stefan Schumacher begann seine Profikarriere im Jahr 2002 beim Team Telekom © imago

Für den Anwalt und den Berater des positiv getesteten Stefan Schumacher gibt es genug Anlass zu Nachfragen und Zweifeln.

München - Im Dopingfall Stefan Schumacher geht die Verteidigung des deutschen Radstars in die Offensive.

Schumachers Anwalt Michael Lehner kündigte in Kürze eine Erklärung seines Klienten an, gegen den inzwischen ein Betrugsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft eingeleitet wurde.

"Diese Vorgehensweise ist normal. Die Staatsanwaltschaft hat die Unterlagen der französischen Anti-Doping-Agentur erhalten und wird jetzt aktiv. Am Dienstagmittag hat es bereits eine Hausdurchsuchung bei Stefan Schumacher gegeben. Bis jetzt gibt es aber davon keine weiteren Informationen. Wir werden entsprechend reagieren", sagte Lehner.

Geständnis ausgeschlossen

Gemeinsam mit Schumachers Manager Heinz Betz veröffentlichte Lehner am Donnerstag zudem eine schriftliche Stellungsnahme, in der er ein Geständnis oder die Anspruchnahme der Kronzeugenregelung ausschließt.

"Darum geht es nicht, sondern um die Aufklärung von Vorgängen, die begründete Zweifel an der Richtigkeit der gegen Stefan Schumacher erhobenen Vorwürfe aufkommen lassen", sagt Lehner.

Den Heidelberger Juristen befremdet die Vorgehensweise der französischen Dopingkontrolleure.

Geöffneter Brief sorgt für Zweifel

So sei sein Mandant der Letzte gewesen, der offiziell von den Vorwürfen erfahren habe, als ihm der Staatsanwalt bei der Hausdurchsuchung einen an ihn persönlich gerichteten Brief der AFLD überreichte.

Der sei bereits geöffnet und ohne die deutsche Übersetzung gewesen, die der Umschlag angeblich enthalten sollte. Zudem sollen die die angeblichen Befundwerte Anlass zu berechtigten Nachfragen und Zweifeln.

Blutwerte absolut unauffällig

"Entgegen einiger Verlautbarungen in den Medien waren die Blutwerte von Stefan Schumacher bei der Eingangskontrolle der Tour de France am 3. Juli und bei der Kontrolle am Ruhetag am 15. Juli nicht nur ohne jede Beanstandung, sondern im absolut unauffälligen Bereich", sagte Lehner.

Die unmittelbar nach beiden Dopingkontrollen analysierten A-Proben seien negativ gewesen.

Unter welchen Umständen welche Blutproben drei Monate später im Labor in Chatenay-Malabry angeblich positiv auf Cera getestet worden seien, sei nach den bisher vorliegenden Unterlagen völlig unklar.

Manager steht zu Schumi

Zweifel an den Vorwürfen hat auch "Schumis" Manager Betz, der deshalb zu seinem Klienten steht. Einen Brief, in dem Schumacher in der ersten Tour-Woche angeblich gebeten wurde, seine Blutwerte mit dem Teamarzt zu diskutieren, habe er nie erhalten.

"Seine Blutwerte während der Tour waren nachweislich völlig unauffällig," erklärt Betz: "Stefan ist am Boden zerstört und hat sich erst einmal zurückgezogen. Er wird sich zu gegebener Zeit zu Wort melden."

Trennung bei Überführung

Der Manager betont aber auch, absolut gegen jede Art von Doping und Betrug im Sport zu sein: "Sollte bewiesen werden, dass Stefan gedopt hat, werde ich die Zusammenarbeit beenden."

Diesen Schritt hat Schumachers bisheriges Team Gerolsteiner bereits vollzogen.

Kein Voraussetzungen für Vertrag

Eine wohl erwartete Hiobsbotschaft erreichte Schumacher am Donnerstag aus Belgien, wo er eigentlich in der kommenden Saison für den Elite-Rennstall Quick Step fahren sollte.

Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevre erklärte in der belgischen Presse, keine Voraussetzungen mehr für den vereinbarten Vertrag zu sehen.

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