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Die Bahnrad-WM findet nächstes Jahr in Frankreich statt
Der Bahnrad-Vierer sorgte in der Vergangenheit reglemäßig für Medaillen © getty

Das einstige Aushängeschild sorgt bei der Bahnrad-WM für ein echtes Debakel. Auch Stefan Nimke fährt den Erwartungen hinterher.

Kopenhagen - Der Bahn-Vierer erlebte ein historisches Debakel, und auch "Mr. Zuverlässig" Stefan Nimke fuhr knapp an einer Medaille vorbei.

Am dritten Tag der Bahnrad-Weltmeisterschaften in Kopenhagen ist im deutschen Lager Ernüchterung eingekehrt. Nicht nur, dass es keine Medaille gab, insbesondere das Desaster des Vierers sorgte für lange Gesichter.

Das jahrzehntelange Aushängeschild, kassierte mit dem zehnten Platz in der Mannschaftsverfolgung die größte Pleite seit der Wiedervereinigung.

Auch der erhoffte Stimmungsaufschwung durch Nimke blieb am Abend aus. In 1:01,086 Minuten musste sich der Titelverteidiger aus Schwerin, der am Mittwoch noch Gold im Teamsprint gewonnen hatte, diesmal im 1000-m-Zeitfahren mit dem vierten Platz begnügen.

Holzstäbchen nerven Nimke

Der Sieg ging an den Niederländer Teun Mulder (1:00,341) vor den beiden Franzosen Michael d'Almeida (Frankreich) 1:00,844 und Francois Pervis (Frankreich) 1:01,024.

Allerdings gab es unmittelbar vor dem Rennen mächtig Ärger um den Nimkes Lenker, der nach Ansicht der Kommissare nicht regelkonform gewesen sei.

So mussten kurzerhand noch Holzstäbchen draufmontiert werden.

"Das hat meine Marschroute durcheinander gebracht und die entscheidenden Hundertstel gekostet", sagte Nimke.

Medaille "verbummelt"

Von einer Medaille, geschweige denn Gold, war der Bahn-Vierer Lichtjahre entfernt. Mit mehr als zehn Sekunden Rückstand "bummelte" das einstige Flaggschiff den Top-Nationen hinterher und steht wieder einmal vor einem Scherbenhaufen.

"Das ist ein schwerer Schlag ins Kontor. Das Rennen spiegelt aber nicht unserer wahres Leistungsvermögen wieder", sagte Bundestrainer Andreas Petermann und hielt allen Ernstes an dem Ziel Olympia-Medaille fest.

"Der Trainer muss das Ergebnis verantworten"

Ob er auf dem Weg Richtung London 2012 aber weiter in der Verantwortung bleiben wird, ist nach dem Desaster fraglicher denn je. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

"Der Bundestrainer muss das Ergebnis verantworten. Es ist kein Fortschritt erkennbar. Im April machen wir die WM-Analyse. Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schlüsse daraus zieht und dem BDR ein schlüssiges Konzept vorlegt", sagte ein schwer bedienter BDR-Vizepräsident Udo Sprenger.

4:07,265 Minuten zeigte die Anzeigetafel an, als Robert Bartko (Potsdam), Robert Bengsch, Henning Bommel (beide Berlin) und Patrick Gretsch (Erfurt) nach 4000 m gestoppt wurden.

Australien unerreichbar

Damit blieb Deutschland fast zwölf Sekunden hinter dem neuen Weltmeister Australien zurück - eine halbe Ewigkeit auf dem Holzoval.

Die Aussies gewannen in 3:55,654 hauchdünn das Finale gegen Olympiasieger Großbritannien. Dabei verpassten die Deutschen auf der superschnellen Bahn in der Ballerup Super Arena sogar die eigene Zielvorgabe von 4:03 Minuten um vier Sekunden.

Zum Vergleich: Der Weltrekord steht bei 3:53 Minuten. Wie Petermann in den nächsten zwei Jahren einen konkurrenzfähigen Vierer zusammenstellen will, bleibt sein Geheimnis.

Bartko bleibt im Team

"Petermann ist angetreten für vier Jahre mit dem Ziel Olympia-Medaille. Man sollte ihm auch die Chance geben, Fehler zu korrigieren", ergänzte Sprenger.

Mit "Fehler" dürfte der BDR-Vize den Einsatz älterer Fahrer wie Sydney-Olympiasieger Bartko meinen. Doch Petermann denkt gar nicht daran, den Altstar auszusortieren:

"In meinen Planungen spielt Robert Bartko immer eine Rolle. Es wäre falsch, jetzt über einzelne Fahrer zu urteilen."

Vogel macht Hoffnung

Ein uneingeschränkt positives Urteil erhielt dafür Kristina Vogel. Zehn Monate nach ihrem Horrorunfall schaffte die sechsmalige Junioren-Weltmeisterin den Sprung ins Sprint-Viertelfinale.

Die 19-Jährige hatte im Mai 2009 nach einem schweren Trainingssturz zwei Tage lang im Koma gelegen. Ein Kleinbus hatte ihr die Vorfahrt genommen. Vogel erlitt mehrere Knochenbrüche und verlor fast alle Zähne.

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