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Lance Armstrong kündigte im September 2008 sein erneutes Comeback an © getty

Beim Criterium International fährt Lance Armstrong hinterher und klagt über seinen Körper. Sein Teamchef mahnt Routine an.

Porto Vecchio - Lance Armstrong in Not: 97 Tage vor dem Startschuss der Tour de France in Rotterdam fährt der siebenmalige Champion seinem großen Widersacher Alberto Contador und seinen eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher.

Nach der schwachen Vorstellung beim Criterium International auf Korsika schrillen im Armstrong-Lager allmählich die Alarmglocken. (DATENCENTER: Alle Termine und Ergebnisse)

"Es ist noch viel Zeit, es ist aber auch noch viel Arbeit", mahnte Teamchef Johan Bruyneel.

Knapp fünf Minuten hinter Fedrigo

Die Bergankunft auf dem Col de l'Ospedale hatte dem Belgier die Sorgenfalten ins Gesicht getrieben wie selten zuvor.

Auf dem 14,2 km langen Schlussanstieg verlor Armstrong 4:52 Minuten auf den französischen Tagessieger Pierrick Fedrigo, der sich auch den Gesamtsieg vor dem Australier Michael Rogers sicherte. Dass der von einer Pollenallergie geplagte Contador ebenfalls eine knappe Minute einbüßte, war nur ein schwacher Trost.

"Ich hatte nicht das Gefühl, dass mein Körper gut gearbeitet hat. Aber das geht vorbei", sagte Armstrong und verwies auf seine Magen-Darm-Grippe, die ihn schon die Teilnahme am Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo gekostet hatte.

"Er braucht Routine"

Enttäuscht sei er nicht, betonte der Texaner: "Ich bin noch nicht viele Rennen gefahren. Es ist erst März. Hätten wir jetzt Juli, wäre ich enttäuscht."

Bruyneel fand indes deutlichere Worte. "Er trainiert immer nur für sich, aber was er braucht, sind Rundfahrten. Er muss jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen, zur gleichen Zeit essen und sich erholen und Routine reinbekommen", sagte der Teamchef.

Das sagte er auch mit Blick auf den vollen Terminkalender seines Superstars, der am Montag noch zum Essen bei Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy war und einen Tag später den an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Ex-Toursieger Laurent Fignon besuchte.

Auch beim Zeitfahren weit zurück

Auf die Frage, wann Armstrong diese Routine denn bekäme, meinte der Belgier: "Das ist eine gute Frage."

Sicher ist, dass Armstrong, der auch am Sonntag mit 19 Sekunden Rückstand nur 15. im Zeitfahren wurde, mehr Nachholbedarf hat als ihm lieb ist.

Bereits bei der Murcia-Rundfahrt hatte der frühere Straßenrad-Weltmeister in seiner einstigen Spezialdisziplin Zeitfahren auf 22 km einen Rückstand von 1:18 Minuten kassiert.

Contador kämpft mit den Pollen

Alles keine guten Voraussetzungen, um einen Contador bei der diesmal für Kletterer ausgerichteten Tour zu schlagen.

Dabei war auch Contador nicht frei von Problemen. Drei Kilometer vor dem Ziel musste er abreißen lassen.

"Ich hatte auf schlechtes Wetter gehofft, aber leider hat der Wind die Pollen in die Luft geblasen. Damit muss ich leben. Keiner ist unschlagbar. Das ist das Schöne am Sport", ergänzte Contador, der im Frühjahr meist über Heuschnupfen klagt.

Prall gefüllter Rennkalender

Die Form sei aber gut, ergänzte der Kletterkönig und verweist auf seinen Sieg bei Paris-Nizza vor zwei Wochen.

Siege hat Armstrong noch nicht vorzuweisen, dafür aber einen gut gefüllten Rennkalender, der ihm zur nötigen Tour-Form verhelfen soll.

Nächste Woche steht er bei der Flandern-Rundfahrt (4. April) am Start, für das Amstel Gold Race (18. April) hat er ebenfalls zugesagt.

Danach stehen die Kalifornien-Rundfahrt (16. bis 23. Mai) und als letzter Härtetest entweder die Dauphine Libere (6. bis 13. Juni) oder die Tour de Suisse (12. bis 20. Juni) an.

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