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Lance Armstrong gewann die Tour von 1999 bis 2005 in jedem Jahr © imago

Der US-Star fühlt sich nach dem starken Auftritt bei der Flandern-Rundfahrt für eine besondere Tücke bei der Tour gerüstet.

Meerbeke - Als der Sieger Fabian Cancellara über die Ziellinie der 94. Flandern-Rundfahrt rollte und stolz die Schweizer Flagge schwenkte, strampelte sich Lance Armstrong noch auf dem tückischen Kopfsteinpflaster ab.

Der Superstar erreichte mehr als zwei Minuten nach Cancellara als 27. das Ziel, doch die nackten Zahlen täuschen: Armstrong lieferte auf den ungeliebten Katzenköpfen eine beeindruckende Vorstellung ab.

"Das war viel besser, als ich es erwartet hatte, obwohl ich mich auf dem Kopfsteinpflaster manchmal wie ein Fisch an Land gefühlt habe", sagte Armstrong und wischte sich den Matsch aus dem Gesicht:

"Ich habe mich besser gefühlt als das ganze bisherige Jahr. Das gibt mir viel Selbstvertrauen für den Sommer."

Hondo wird Neunter

Auf den Sprint um Platz fünf hinter Cancellara (Saxo Bank), dem zweitplatzierten Tom Boonen (Quick Step), Philippe Gilbert (Omega Pharma-Lotto) und Björn Leukemans (Vacansoleil) verzichtete Armstrong.

Zeitgleich mit dem RadioShack-Kapitän erreichten Danilo Hondo (Cottbus/Lampre) als Neunter, Marcus Burghardt (Auenstein/BMC) als 20. und Marcel Sieberg (Hürth/Columbia) als 23. das Ziel.

Armstrongs Leistung auf den von Windböen, Schauern und 15 harten Anstiegen geprägten 262 km zwischen Brügge und Meerbeke war auf jeden Fall eine Kampfansage an den amtierenden Tour-Sieger Alberto Contador.

"Wollte Gefühl bekommen"

Die Frankreich-Rundfahrt führt in der ersten Woche über Kopfsteinpflasterpassagen, und der Perfektionist Armstrong will darauf vorbereitet sein.

"Ich habe das Rennen vor allem genutzt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Peloton auf dem Kopfsteinpflaster reagiert, und um mein Material zu testen", sagte Armstrong.

Das sei ihm lieber, als im Juli eine böse Überraschung zu erleben. Eine herbe Enttäuschung gab es für die Flamen unter den mehr als eine Million Zuschauern an der Strecke.

Cancellara hängte ihren Liebling Boonen an der berüchtigten Mauer von Geraardsbergen etwa 15 km vor dem Ziel endgültig ab.

"Ich habe gar nicht geplant, an der Mauer anzugreifen. Ich habe gemerkt, dass ich alleine bin, und habe dann einfach versucht, so schnell wie möglich zu fahren", sagte der Zeitfahr-Olympiasieger.

Cancellara fährt davon

Boonen verpasste den dritten Sieg nach 2005 und 2006 und war am Ende seiner Kräfte: "Wenn man Fabian ein paar Meter weg lässt, sieht man ihn nicht wieder. Ich habe ihn mit 55 km/h verfolgt und dennoch eine Minute verloren."

Cancellara ließ es hingegen schon auf dem letzten Kilometer ruhig angehen. Mit einem breiten Grinsen hielt er seinen goldenen Glücksbringer in die TV-Kameras.

Mit dem Sieg in Flandern und den Erfolgen bei Mailand-San Remo (2008) und Paris-Roubaix (2006) hat das Schweizer Kraftpaket - Spitzname Spartacus - bereits drei der fünf Radsport-Monumente gewonnen.

Traum dennoch weit entfernt

Siege bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt dürften aufgrund des Streckenprofils aber wohl immer ein Traum für Cancellara bleiben. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

Bisher gelang es lediglich den drei Belgiern Rik van Looy, Eddy Merckx und Roger de Vlaeminck, jedes dieser Rennen mindestens einmal zu gewinnen.

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