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Mark Cavendish gelangen bei der Tour 2009 sechs Etappensiege © getty

Columbia-Sprintstar Mark Cavendish geht auf seinen deutschen Kollegen Andre Greipel los. Gerry van Gerwen lobt "Rund um Köln".

München/Köln - Andre Greipel gab beim Rad-Klassiker "Rund um Köln" die unfreiwillige Vorlageund sein Columbia-Teamkollege Mark Cavendish nahm sie dankbar an.

Greipel hatte bei dem deutschen Traditions-Rennen am Ostermontag im Zielsprint das Nachsehen gegen den Argentinier Juan-Jose Haedo gehabt und war Zweiter geworden.

Tags darauf folgte Cavendishs Attacke. "Ich bin schneller als Greipel, sogar wenn ich außer Form bin", lederte der britische Sprint-Star gegenüber dem "Guardian" los: "Greipel wird nie ein großes Rennen gewinnen."

6:1 für Greipel

Dann spielte der zehmalige Tour-de-France-Etappensieger auf die Erfolgsbilanz der noch jungen Rad-Saison an, die derzeit mit 6:1 klar für den Deutschen spricht. "Wenn ich unbedingt Siege bei beschissenen, kleinen Rennen wollte, dann würde ich irgendwelche beschissenen kleinen Rennen bestreiten."

Der Sprinter-Zoff im US-Team, das 2007 aus den Trümmern des T-Mobile-Rennstalls hervorgegangen war, hat eine Vorgeschichte. Greipel hatte im Frühjahr eine hervorragende Form bewiesen, war aber von seinem Rennstall nicht für den Klassiker Mailand-San Remo nominiert worden. An seiner Stelle durfte, obwohl völlig außer Form, Vorjahressieger Cavendish antreten - und beendete den ersten Frühjahrsklassiker der Saison als 89. (DATENCENTER: Ergebnis Mailand-San Remo)

"Bin sowieso besser"

Greipel beklagte sich bitterlich, nun darf er beim Giro ran, während Cavendish in Kalifornien starten soll. Cavendish nimmt das zähneknirschend hin: "Ich liebe Italien, ich liebe den Giro. Aber Columbia bezahlt mich, deshalb muss ich tun, was sie sagen."

Wer beim wichtigsten Rennen des Jahres, der Frankreich-Rundfahrt starten darf, lässt die Teamleitung um Milliardär Bob Stapleton offen.

Für Cavendish ist der Fall aber ohnehin längst klar. "Ich bin sowieso besser, Greipel wird definitiv in keinem Rennen am Start stehen, an dem ich teilnehme", tönte der schnelle Engländer.

Nun hat das Columbia-Team definitiv ein Problem, den Freunde werden die beiden Sprint-Stars nach Cavendishs Tirade gewiss nicht mehr. Und egal, ob nun Greipel oder Cavendish zur Tour mitfahren - der Ärger mit dem anderen ist programmiert.

Gerwen: Super-Tag für deutschen Radsport

Unterdessen sah Milram-Manager Gerry van Gerwen am Ostermontag nicht nur den zehnten Platz seines Sprinters Robert Förster, sondern in erster Linie einen "Super-Tag" für den deutschen Radsport.

"Man hat gesehen, wie der Radsport in Deutschland lebt. Es gab ein Problem in Deutschland, doch man hat daran sehr hart gearbeitet", sagte der Niederländer. Gemeint ist natürlich das Thema Doping, das in den vergangenen Jahren auch in Deutschland für Negativ-Schlagzeilen sorgte. Sponsoren und Fernsehen zogen sich nach zahlreichen Fällen, die vor allem bei der Tour de France weitweit für Aufsehen gesorgt hatten, verschreckt zurück.

Köln auf der Sonnenseite

Milram, genauer gesagt die Nordmilch AG, wird das Engagement in diesem Jahr beenden. Das hatte das Unternehmen anlässlich der Präsentation des Teams im Januar erklärt. Für Gerry van Gerwen ist die Talsohle durchschritten, das Beispiel Köln habe das ganz klar gezeigt. Der Wetter-Gott ließ alles auch in einem anderen Licht erscheinen. Die Sonne strahlte, die Bedingungen für die 175 Profis und rund 3000 Freizeit-Fahrer waren geradezu ideal.

Ciolek als Jedermann

Der WDR übertrug sechs Stunden live von der 94. Auflage des Rennens, bearbeitete unter anderem das Thema Doping, nahm aber auch Zuschauer - etwa 800.000 sollen auf den 197,9 km zwischen Gummersbach und Köln an der Strecke gewesen sein - und die Hobby-Radler ins Bild.

"Das war eine Promotion für Vitalität. Jeder Mensch möchte doch gesund leben und Sport machen", erklärte van Gerwen.

Hier käme zum Beispiel auch die ganze Familie auf ihre Kosten. Und: der Hobbysportler müsse auch nicht mit Idealgewicht auf's Rad steigen und fährt auch noch an der Seite ehemaliger und aktueller Stars. Milram-Profi und Lokalmatador Gerald Ciolek, der nach einer Schulter-OP noch nicht ganz fit war, setzte sich beim Jedermann-Rennen mit in den Sattel. Diese Art Veranstaltung, so van Gerwen, finde man nur in Deutschland.

"Deutschland ist primus"

"Deutschland organisiert super. Deutschland ist Primus. Warum ist man darauf nicht stolz? Hier ist ein junges Produkt, das Zukunft hat. Das muss weiterentwickelt werden", erklärte der 57-Jährige.

Ob der Begeisterung der Menschen für Radsport trotz der Dopingfälle hat Gerry van Gerwen auch keine Bedenken bei der Suche nach Sponsoren. (DATENCENTER: Radsport-Ergebnisse auf einen Blick)

Van Gerwen optimistisch

Ein Platz auf dem Siegerpodest blieb dem Rennstall zwar verwehrt.

Sprint-Spezialist Robert Förster bekam im Finale auf der Zielgeraden im Rheinauhafen eine "Welle" und konnte einen Sturz gerade noch vermeiden. Die "Präsentation" des Teams war nach Meinung des Managers aber gut. "Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab", sagte van Gerwen zur Suche nach Geldgebern, aber: "Ich bin optimistisch in Bezug auf die Zukunft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht weitergehen sollte."

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