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Nach 16 Jahren Profisport ist Schluss: Erik Zabel sagt auf Wiedersehen © getty

Erik Zabel hat sich beim Herbst-Klassiker Paris-Tours 16 Jahre nach seinem Profi-Debüt von der großen Radsportbühne verabschiedet.

Tours - Der letzte Triumph ist Erik Zabel verwehrt geblieben.

Unspektakulär, fast unbeachtet, verabschiedete sich Deutschlands bester Sprinter der letzten beiden Jahrzehnte beim Herbst-Klassiker Paris-Tours 16 Jahre nach seinem Profi-Debüt von der großen Radsportbühne.

Kampfstark wie gewohnt, aber letztlich chancenlos musste Zabel wie in den vergangenen Monaten so oft mit einer für seine Ansprüche enttäuschenden "Top 10"-Platzierung vorlieb nehmen.

Gilbert gibt Zabel das Nachsehen

Am Schauplatz alter Triumphe musste der Milram-Kapitän den Sieg dem Belgier Philippe Gilbert überlassen, der nach 252 km in 5:47:45 Stunden ein Spitzen-Quartett dominierte.

Selbst beim Sprint der Verfolger fuhr Zabel hinterher, der 38 Jahre alte Wahl-Westfale aus Unna wurde Siebter, ließ immerhin in dem zehntplatzierten Ex-Weltmeister Tom Boonen (Belgien) einen langjährigen Rivalen hinter sich.

Feld in hohem Tempo

Zabels Abschied von der internationalen Bühne fand am Sonntag bei "Kaiser-Wetter" statt. Unter besten Bedingungen war schon kurz nach dem Start in Saint-Arnoult-en-Yvelines hohes Tempo gefahren worden, bei dem sich eine Fluchtgruppe um knapp fünf Minuten vom Peloton abgesetzt hatte.

Erst im Finale kamen die Sprinter nach vorn, vier Sekunden hinter Gilbert war der US-Profi Tyler Farrar bester Verfolger vor dem Australier Robbie McEwen.

Abschiedsgeschenk bleibt verwehrt

14 Jahre nach seinem ersten von insgesamt drei Siegen in Tours hatte Zabel vergeblich auf ein "Abschiedsgeschenk" gehofft. Dem langjährigen Teamkollegen von Jan Ullrich im zuletzt von zahlreichen Dopingeklats überschatteten T-Mobile-Team fehlte die Spritzigkeit vergangener Zeiten.

Vor drei Jahren hatte Zabel letztmals in der Festungsstadt triumphiert, wo er auch 2003 gewonnen hatte. 2002 und 2001 war er jeweils Dritter geworden, im vergangenen Jahr hatte sein damaliger Milram-Teamkollege Alessandro Petacchi das Rennen gewonnen.

Der Italiener hatte Milram wegen Dopings verlassen müssen, Zabel war dieses Schicksal erspart geblieben.

Doping-Outing 2007

Der gebürtige Berliner hatte sich im vergangenen Jahr als Dopingsünder bei der Tour 1996 geoutet, aber seine schnelle Abkehr vom Doping beteuert. Damals war Zabels erfolgreichste Zeit bei den Sprintfinals der großen Rennen.

Zabel, der seine Karriere 1989 in der DDR-Nationalmannschaft begann, durfte sich in seiner Karriere über 200 Mal als Sieger feiern lassen.

Große Erfolge in langer Karriere

Der zweimalige Vize-Weltmeister (2004/2006) war Weltcupsieger (2000) und deutscher Straßenmeister (1998/2003), doch seine größten Triumphe feierte er bei der Tour de France.

Zwischen 1995 und 2002 gewann er zwölf Tour-Etappen, stand sechs Mal als Gewinner des Grünen Trikots auf den Champs-Elysees in Paris auf dem Podest.

Zudem gingen neun Erfolge bei den Klassikern auf sein Konto. Allein bei Mailand-San Remo kam er viermal in "meinem Wohnzimmer" an der Cote d'Azur als Sieger an.

Von Fans gefeiert

Vom heimischen Publikum hatte sich Zabel schon in der vergangenen Woche verabschiedet. Bejubelt und von Autogrammjägern umlagert hatte er sich am Tag der Deutschen Einheit nach 204 km von Bocholt nach Münster nur dem Rostocker Andre Greipel geschlagen geben müssen.

Zum Ausklang seiner Laufbahn bleibt Zabel aber den Freunden der Winterbahn-Saison erhalten.

Für die Sixdays in Dortmund, Bremen, München und Berlin hat er gemeldet, in das Management seines Milram-Teams will er nicht sofort einsteigen.

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