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Andre Greipel wechselte 2005 von Wiesenhof zu T-Mobile © getty

Im Zweikampf mit Cavendish punktet Greipel in der Türkei kräftig. Dennoch hat er das Tour-Ticket nicht in der Tasche.

München - Gestoppt wurde Andre Greipel erst durch die Naturgewalten.

War der derzeit erfolgreichste Radprofi der Welt bei der Türkei-Rundfahrt noch mit spielerischer Leichtigkeit zu fünf Siegen geflogen, wurde er am Montag bei seiner geplanten Abreise vor unlösbare Probleme gestellt. Durch das Flugchaos in Europa im Zuge des Vulkanausbruchs auf Island ging auch für Greipel nichts mehr.

"Ich komme aus Istanbul nicht weg. Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Urlaub wollte ich hier eigentlich nicht machen. Es sollen noch ein paar Flüge nach Wien gehen. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit", sagte Greipel, nachdem er im Gegensatz zu seinem sportlichen Leiter Jan Schaffrath immerhin noch einen Flug von Antalya an den Bosporus erwischt hatte.

Aldag vertagt Entscheidung

So endete der Türkei-Trip doch noch mit einem Ärgernis, was der Freude über die sportliche Leistung aber keinen Abbruch tat. "Das ist schon positiv gelaufen. Jeden Tag Sonne, fünf Siege, und über die Berge bin ich auch gut rübergekommen. Das stimmt mich alles positiv", sagte der gebürtige Rostocker.

11:1 nach Siegen steht es nun im teaminternen Vergleich mit Mark Cavendish. Gleichbedeutend mit der Teilnahme-Garantie für die Tour de France ist das aber keineswegs, wie Rolf Aldag klarstellt. (DATENCENTER: Alle Termine und Ergebnisse)

"Der Stand ist der gleiche wie Anfang des Jahres. Bis Juni wird sich nichts tun. Momentan ist die Tour nicht relevant", sagt der langjährige T-Mobile-Profi.

Heftiger Disput mit Cavendish

Aldag ist um Ruhe bemüht, nachdem es in den letzten Wochen zwischen Cavendish und Greipel heftig geknallt hat.

Der deutsche Seriensieger war sauer über seine Nichtnominierung für den Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo.

"Großmaul" Cavendish ließ anschließend seinen teaminternen Rivalen wissen, was er von ihm hält und dass er in schlechter Form immer noch besser sei als Greipel. Außerdem habe Greipel seine Siege nur bei "beschissenen kleinen Rennen" geholt.

Bewährungschance in Frankfurt

Dass er auch große Rennen gewinnen kann, darf Greipel nun in den nächsten Wochen zeigen.

Am 1. Mai steht zunächst der deutsche Rad-Klassiker mit dem ungewöhnlichen Namen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" (besser bekannt unter Rund um den Henninger Turm) an, danach startet der 27-Jährige beim Giro d'Italia.

"Da hat er die Möglichkeit, sich zu zeigen", sagt Erik Zabel, Mitglied der Sportlichen Leitung bei Columbia. Cavendish ist zeitgleich bei der Kalifornien-Rundfahrt im Einsatz.

Andere Teams interessiert

Egal, ob Tour-Teilnahme oder nicht - einen guten Namen hat sich Greipel aber in der Radsport-Welt schon gemacht.

Mehrere Teams, darunter auch die belgische Mannschaft Omega Pharma-Lotto, haben bereits Interesse an einer Verpflichtung Greipels bekundet, dessen Vertrag bei Columbia ausläuft.

"Ich habe bislang mit keinem gesprochen. Mit Vertragsverhandlungen beschäftige ich mich noch nicht", sagt der Sprinter, wohlwissend, dass sich das Transferkarussell ohnehin erst nach der Tour dreht.

Leistung statt Worte

Damit er mit dann 28 Jahren endlich seine Premiere in Frankreich geben kann, will er in den nächsten Wochen eher mit Leistungen als mit starken Worten punkten.

Das dürfte Aldag freuen: "Der Streit war bislang ein schönes Thema für die Medien. Wenn es aber so weit ist, werden wir die Tour-Nominierung intern besprechen. Das sollte in Gesprächen unter Männern geklärt werden."

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