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Patrik Sinkewitz begann seine Radsportkarriere beim RC07 Fulda © getty

Weil er durch sein Schweigen die Doping-Szene erschüttert hat, ist der frühere T-Mobile-Profi isoliert - und findet kein Team.

Fulda - Erst ausgepackt, jetzt arbeitslos:

Wenn sich am Samstag in Frankfurt am Main die Weltelite zu einem der letzten deutschen Traditionsrennen trifft, bleibt Patrik Sinkewitz wieder nur die Zuschauerrolle.

So läuft es nun schon seit Monaten für den Sieger von 2007. Die Räder drehen sich weiter, aber nicht für den einstigen Doping-Kronzeugen.

Für Sinkewitz, der ein umfangreiches Doping-Geständnis ablegte, Kollegen, Ärzte und Teamchefs belastete, ist in der Radsport-Welt kein Platz mehr.

"Ich wäre in Frankfurt gerne dabei gewesen. Die Situation ist aber wie sie ist. Das muss ich hinnehmen", sagt Sinkewitz.

Sinkewitz steht bereit

Der frühere T-Mobile-Profi, der im Jahr 2007 mit seinem während der Tour de France publik gewordenen Dopingfall den Radsport ein Stück weit näher an den Abgrund gebracht hatte, klingt enttäuscht, frustriert und niedergeschlagen.

Dabei hätte er noch allemal das Zeug dazu, im Peloton mitzumischen. (DATENCENTER: Alle Termine und Ergebnisse)

Mit 29 Jahren ist er im besten Radsport-Alter, von der Fitness her könnte er "sofort wieder Rennen fahren", die Ergebnisse haben im letzten Jahr auch gestimmt.

"Hoffe, dass alles zum guten Ende kommt"

Damals hat ihm das zweitklassige PSK-Team eine Chance gegeben. Doch den Tschechen ging das Geld aus, und Sinkewitz stand auf der Straße. Dort steht er auch heute noch.

Während etwa der 36-jährige Danilo Hondo, der ebenfalls wegen Dopings gesperrt war, noch beim ProTour-Team Lampre unterkam, enden bei Sinkewitz Vertragsgespräche meist mit einer Absage.

"Ich habe die Hoffnung auf ein neues Team noch längst nicht aufgegeben. Es gibt noch Gespräche. Ich hoffe, dass alles noch zu einem guten Ende kommt", sagt der frühere Deutschland-Tour-Gewinner.

Anfeindungen bei Sachsen-Tour

Doch Sinkewitz gilt vielerorts als Nestbeschmutzer, als einer, der das Schweigen gebrochen hat.

Das bekam er etwa von seinen Fahrerkollegen bei der Sachsen-Tour 2009 zu spüren, als er nach einem frühen Ausreißversuch im Alleingang gewann.

Die Verfolgergruppe verzichtete aus Missachtung auf einen Sprint und klatschte ironisch Beifall.

"Ich habe auch eine gewisse Missachtung anderen Fahrern gegenüber, es gibt allerdings auch Freunde im Feld. Das ist wie in jedem anderen Beruf", sagt Sinkewitz und ist um Normalität bemüht.

"Ich werde überleben"

Ob er seine Enthüllungen inzwischen bereut, will er nicht sagen: "Es bringt nichts zurückzublicken. Hätte ich es nicht gemacht, wäre ich bis Ende April dieses Jahres gesperrt gewesen."

Besser gestaltet sich die Situation nun aber auch nicht. Finanziell musste Sinkewitz bluten, erst im März endete der Prozess gegen seinen früheren Sponsor (Förstina).

Sinkewitz muss seinem alten Geldgeber eine hohe fünfstellige Summe Schadenersatz zahlen. "Ich schwimme nicht im Geld, aber ich werde überleben", sagt der einstige deutsche Hoffnungsträger trotzig.

Plan B in der Schublade

An ein Karriereende denkt Sinkewitz noch nicht. "Natürlich" gibt es einen Plan B, doch der liegt noch in der Schublade. Wenn es nicht dieses Jahr klappt mit einem neuen Team, dann vielleicht 2011.

Bis dahin will er weiter hart trainieren. Meistens alleine.

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