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Francesco Pellizotti wurde 2009 auch der kämpferischste Fahrer der Tour © imago

Die vorläufige Sperre von Franco Pellizotti nehmen dessen Team Liquigas und der italienische Verband gelassen auf. Viel lieber attackieren sie die Spanier.

München/Rom - Nach der vorläufigen Sperre von Franco Pellizotti steht Italiens Radsport ein weiterer prominenter Dopingfall ins Haus.

Von Reue oder Einsicht fehlt wenige Tage vor dem Start des Giro d'Italia allerdings jede Spur. (DATENCENTER: Alle Termine und Ergebnisse)

Pellizottis Team Liquigas will erstmal die Untersuchungen abwarten, und der Präsident des italienischen Radsport-Verbandes FCI schießt lieber gegen die Spanier und den Weltverband UCI.

Di Rocco attackiert Valverde

"Es ist skandalös, dass Alejandro Valverde immer noch Rennen gewinnt, obwohl er schon längst hätte gesperrt werden müssen", schimpfte FCI-Chef Renato Di Rocco und lenkte lieber von den Problemen im eigenen Haus ab.

Pellizotti, Dritter des Giro 2009 und Bergkönig der Tour de France, war am Montag wegen auffälliger Blutwerte vorläufig gesperrt worden und soll sich am 17. Mai vor dem Nationalen Olympischen Komitee (CONI) erklären.

Noch keine weltweite Sperre

Valverde ist in Italien bereits für zwei Jahre gesperrt, weil ihm Blutbeutel aus der Operacion Puerto zugeordnet wurden.

Der Weltverband UCI will vor einer weltweiten Ausdehnung der Sperre das Urteil des internationalen Sportgerichtshof CAS abwarten.

Di Rocco forderte nachdrücklich, den Fall in den kommenden Wochen abzuschließen.

"Wir haben sie erwischt"

Bei der UCI sonnt man sich zunächst in den jüngsten Erfolgen im Kampf gegen Doping. "Das sind wieder ein paar Typen, von denen wir glaubten, dass sie dopen, und wir haben sie erwischt", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid.

Es sei schade, dass es immer noch Fälle gebe, aber letztlich würden die Fahrer daraus lernen.

Liquigas gibt sich gelassen

Während die am Montag ebenfalls vorläufig gesperrten Tadej Valjavec (Slowenien/AG2R) und Jesus Rosendo (Spanien/Andalucia) von ihren Teams sofort suspendiert wurden, gibt man sich bei Liquigas gelassener.

"Die vorliegenden Beweise stellen wissenschaftlich nicht dar, dass der Athlet etwas falsch gemacht hat. Liquigas hat volles Vertrauen in Franco Pellizotti", teilte das Team mit.

Team beauftragt eigenen Arzt

Vorsorglich hat Liquigas den eigenen Arzt beauftragt, die Daten der UCI genauer unter die Lupe zu nehmen. Sollte wirklich ein Verstoß des Athleten vorliegen, werde man natürlich unverzüglich handeln.

Allerdings, so berichtete die "Gazzetta dello Sport", wurde das Team bereits vor zwei Monaten von den auffälligen Werten Pellizottis unterrichtet. Dennoch plante man mit dem 32-Jährigen als Kapitän für den am Samstag in Amsterdam beginnenden Giro.

Basso könnte profitieren

In Pellizotti ist offenbar nach Danilo Di Luca bereits der zweite Fahrer in die Doping-Falle getappt, der im vergangenen Jahr auf dem Podium des Giro stand. Wird Pellizotti auch aus den Ergebnislisten gestrichen, fände sich sein Teamkollege Ivan Basso plötzlich auf Platz drei wieder.

Italiens früherer Liebling musste bereits eine Sperre wegen der Verwicklung in die Operacion Puerto absitzen. In Fahrerkreisen wird gemunkelt, dass die Italiener gerade deshalb so vehement auf eine Sperre Valverdes hinarbeiten, weil Bassos Karriere kurz vor ihrem Höhepunkt unterbrochen wurde.

Umso schmerzhafter dürfte jetzt Pellizottis mutmaßliche Überführung sein.

Doping-Fälle keine Seltenheit

Was die Dopingfälle betrifft, nimmt man sich in Italien und Spanien allerdings wenig. Im vergangenen Jahr waren in Spanien knapp 20 und in Italien über 30 Fahrer, Betreuer oder Ärzte direkt in Dopingmachenschaften verwickelt oder es wurden Untersuchungen eingeleitet.

Kürzlich wurde bekannt, dass der Name Valverde auch in den Unterlagen der Operacion Grial in Spanien aufgetaucht ist. Dabei geht es um einen Dopingskandal, der im vergangenen Jahr in Valencia aufgedeckt worden war.

Auf der anderen Seite des Mittelmeeres wurden Anfang April Razzien bei Fahrern und Betreuern das Lampre-Teams durchgeführt.

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