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Das Podium des Vorjahres: di Luca, Mentschow und Pellizotti (v.l.n.r.) © imago

Die Italien-Rundfahrt kämpft um ihre Glaubwürdigkeit. Bereits überführte Dopingsünder sind Anwärter auf den Gesamtsieg.

Amsterdam - Die alte Garde der Betrüger kämpft um den Gesamtsieg, der deutsche Topsprinter Andre Greipel um Tageserfolge und der Giro d'Italia um die Glaubwürdigkeit:

Wenn am Samstag in Amsterdam der Startschuss zur 93. Italien-Rundfahrt fällt, ist das Dauer-Thema Doping wieder ständiger Begleiter im Peloton. (DATENCENTER: Alle Termine und Ergebnisse)

Nachdem der Radsport-Weltverband UCI Anfang der Woche Disziplinarverfahren gegen den Tour-Bergkönig und letztjährigen Giro-Dritten Franco Pellizotti sowie zwei weitere vermeintliche Dopingsünder eingeleitet hat, ist es vorbei mit der trügerischen Ruhe.

"Es gibt zwei Betrüger weniger in der Giro-Starterliste, was eine gute Nachricht für die anderen Fahrer ist", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid, der den Radsport trotzdem auf dem richtigen Weg sieht:

"Es ist zwar ein Jammer, dass immer noch Dopingfälle passieren, aber die Fahrer werden daraus lernen."

"Es wird weitere Fälle geben"

Der Lernprozess verläuft allerdings schleppend.

Das altbekannte Übel holt den Radsport in schöner Regelmäßigkeit wieder ein und die UCI-Anti-Doping-Beauftragte Francesca Rossi kündigt bereits die Enttarnung der nächsten schwarzen Schafe an:

"Es wird weitere Fälle geben. Den Zeitpunkt kann ich nicht sagen. Man weiß nie, wann."

So könnte die ein oder andere Negativ-Schlagzeile den Giro noch überschatten.

Basso und Winokurow als Favoriten

Dass in Fuentes-Kunde Ivan Basso und Fremdblut-Doper Alexander Winokurow zwei Fahrer mit einschlägiger Vergangenheit als heiße Anwärter auf den Gesamtsieg ins Rennen gehen, fördert auch nicht gerade den ohnehin etwas ramponierten Ruf des Giro.

Denn die Protagonisten der letzten Jahre waren nur allzu oft wenig später in Doping-Skandale verstrickt.

Allein das Podium von 2009 hatte es faustdick hinter den Ohren.

Der Name von Titelverteidiger Dennis Mentschow (Russland) wird mit dem Humanplasma-Skandal in Österreich in Verbindung gebracht, der Giro-Zweite Danilo Di Luca (Italien) ist als Wiederholungstäter inzwischen gesperrt und den Vorjahresdritten Pellizotti hat es bekanntlich Anfang der Woche erwischt.

Basso und Winokurow beteuern sauber zu sein

So spricht McQuaid insbesondere den Italienern eindringlich ins Gewissen.

"Die italienischen Fahrer müssen lernen, dass Doping nichts bringt. Vor ein paar Jahren hatte Italien noch sieben oder acht Top-Teams, inzwischen sind es nur noch zwei", sagte der Ire und verwies auf Basso:

"Er hat mir gesagt, dass es für ihn schwierig war, seinen Kindern in die Augen zu schauen. Seine Welt habe sich nun geändert."

Genauso wie Basso beteuert auch Winokurow, sauber unterwegs zu sein.

Auch Evans und Sastre gehören zum Favoritenkreis

Doch beim Kasachen fährt der Verdacht mit, wie jüngst bei dessen Sieg beim Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Dass er kurz vor seinem Triumph noch im Trainingslager auf Teneriffa war, wo "Dottore EPO" Michele Ferrari und Dopingarzt Eufemiano Fuentes weiter ihr Unwesen treiben, warf Fragen auf.

Neben Basso und Winokurow gehören noch Weltmeister Cadel Evans (Australien) und Ex-Toursieger Carlos Sastre (Spanien) zu den Mitfavoriten.

Toursieger Alberto Contador (Spanien), Altmeister Lance Armstrong (USA) und der Tour-Zweite Andy Schleck (Luxemburg) verzichten indes auf eine Teilnahme.

Absagen musste am Donnerstag der dreimalige Weltmeister Oscar Freire (Spanien/Rabobank) wegen einer Entzündung der Nasennebenhöhlen.

Greipel fiebert Giro-Premiere entgegen

Dagegen fiebert der deutsche Sprinter Greipel seiner Giro-Premiere entgegen, will er doch mit weiteren Siegen dem Ticket für die Frankreich-Rundfahrt näher kommen.

"Es ist an der Zeit, die großen Rennen zu fahren. Mindestens eine Etappe will ich schon gewinnen", sagt der mit elf Saisonsiegen erfolgreichste Radprofi des Jahres, der im teaminternen Zweikampf mit Superstar Mark Cavendish um die Tour-Kapitänsrolle streitet.

Ein namhaftes Aufgebot schickt auch das deutsche Milram-Team an den Start. So stehen unter anderem Kapitän Linus Gerdemann und Frankfurt-Sieger Fabian Wegmann in Amsterdam am Start.

Aus den Niederlanden in die italienischen Berge

Drei Etappen wird der Giro auf niederländischem Boden absolvieren, bevor es zurück nach Italien geht.

Dort warten dann die großen Schwierigkeiten.

Auf den 3485,3 km stehen unter anderem der 2618 m hohe Gavia-Pass, der Monte Zoncolan, der Mortirolo und ein Bergzeitfahren in den Dolomiten hinauf zum Kronplatz auf dem Programm.

Der Sieger wird am 30. Mai in Verona gekrönt.

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