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Andre Greipel führ in dieser Saison elf Etappensiege ein © imago

Nach dem verlorenen Zielspurt geht Andre Greipel auf den Sieger los. Alexander Winokurow erobert die Gesamtführung.

Middelburg - Als die nächste Chance auf einen Etappensieg beim Giro d'Italia vertan war, schäumte Andre Greipel vor Wut.

Der deutsche Topsprinter wollte wenige hundert Meter nach dem Zielstrich dem belgischen Sieger Wouter Weylandt an den Kragen.

"Du hast überhaupt nichts gemacht, du mieser Blödmann", schimpfte der Columbia-Sprinter nach der dritten Etappe über 224 km von Amsterdam nach Middelburg auf den Quick-Step-Profi ein und hob bedrohlich die Faust.

Vorwurf fehlender Führungsarbeit

Greipel rastete im Ziel der mittelalterlichen Stadt an der Nordsee regelrecht aus, wie man es eigentlich nur von seinem Teamkollegen Mark Cavendish gewohnt ist, und zeigte nach den Pleite-Tagen in Holland offensichtlich Nerven.

Greipel erzürnte es, dass sich Weylandt nicht ein einziges Mal an der Führungarbeit der Spitzengruppe beteiligt hatte, was freilich dessen gutes Recht war.

"Er hat mir ein paar üble Worte gesagt, aber er darf mir keinen Vorwurf machen", sagte Weylandt, der vor dem Australier Graeme Brown und den beiden Deutschen Robert Förster und Danilo Hondo gewann.

Für Greipel langte es nur zu Platz sechs.

Winokurow setzt Triumphzug fort

Während im Sprinter-Lager noch heftig gestritten wurde, war ausgerechnet Dopingsünder Alexander Winokurow auf dem Weg zum Podium.

Der Kasache, der erst vor einem Jahr nach einer zweijährigen Sperre zurückgekehrt war, eroberte das Rosa Trikot und setzt damit seinen Triumphzug in diesem Jahr fort.

Erst im April hatte er den Giro del Trentino und wenige Tage später den Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen.

Feld von Windkante zerteilt

Winokurow hatte im richtigen Moment die richtige Gruppe erwischt, als das Feld nach einer von unzähligen Windkantenattacken geteilt wurde.

Der bisher führende Weltmeister Cadel Evans (Australien) verlor dagegen wertvolle 46 Sekunden. .

In der Gesamtwertung liegt Winokurow nun vor dem zeitgleichen Richie Porte (Australien) und drei Sekunden vor David Millar (Großbritannien). Bester Deutscher ist Marcel Sieberg (Hürth) sieben Sekunden zurück auf Platz fünf, Greipel (+0:10) ist Siebter.

Greipel verpasst Historisches

Das wird den Hünen aus Rostock aber kaum trösten. Mit einem Sieg hätte er als siebter Deutscher und erstmals seit Olaf Pollack vor vier Jahren sogar das Rosa Trikot erobern können.

Doch noch schwerer wiegt, eine weitere Chance auf den Etappensieg verspielt zu haben.

Zumal Greipel derzeit einen erbitterten Zweikampf mit Mark Cavendish um das Tour-Ticket austrägt.

Perfekte Vorarbeit nutzt nichts

"Es ist alles perfekt gelaufen. Wir haben den Sprint perfekt vorbereitet, auch die letzte Kurve, aber so geht Radrennen", sagte Columbia-Sportdirektor Jan Schaffrath und ergänzte.

"Es hat sich aber gezeigt, dass das Team funktioniert. Ich bin optimistisch, dass wir Andre auch noch auf Platz eins bekommen."

In der Tat hatte das Columbia-Team alles getan. Bereits 60 km vor dem Ziel hatte sich der gefürchtete Columbia-Zug vor das Feld gespannt und mächtig aufs Tempo gedrückt. Dabei kam es sogar zur Teilung des Hauptfeldes, was dazu führte, dass viele Favoriten einiges an Zeit verloren.

Vulkan-Chaos bleibt aus

Winokurow aber nicht. Der Kasache war stets Herr der Lage und darf das Trikot nun nach Italien tragen. Am Montag setzte sich der Tross bereits per Flugzeug vom Militärflughafen Ostende nach Italien in Bewegung. .

Obwohl zahlreiche Flughäfen in Norditalien wegen des Vulkanausbruchs auf Island erneut geschlossen wurden, war der Flughafen in Bergamo davon nicht betroffen. So blieb den Fahrern eine 1000 km lange Anreise per Auto erspart.

Nach dem folgenden Ruhetag wird der Giro am Mittwoch mit dem Mannschaftszeitfahren über 33 km von Savigliano nach Cuneo fortgesetzt.

Voss verteidigt Bergtrikot

Dann gilt es auch für Milram-Kapitän Linus Gerdemann, die gute Ausgangsposition zu verteidigen.

Der gebürtige Münsteraner erreichte mit der Spitzengruppe das Ziel und liegt zwölf Sekunden hinter Winokurow auf Platz acht. Gerdemanns Teamkollege Paul Voss ist weiter Träger des Bergtrikots.

Auch am letzten Tag des Giro-Abstechers in den Niederlanden herrschte wieder Volksfeststimmung. In Middelburg herrschte quasi der Ausnahmezustand, erneut sorgten weit über 100.000 Zuschauer für eine rosa Party.

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