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Bernhard Kohl gewann bei der Tour de France überraschend die Bergwertung © getty

Unter Tränen gesteht der überführte Tour-Bergkönig, zu CERA gegriffen zu haben. Er entschuldigt sich dabei beim Ex-Teamchef.

Wien - Der gefallene "Bergkönig" Bernhard Kohl hat unter Tränen reinen Tisch gemacht und ein Doping-Geständnis abgelegt.

"Ich bin der Versuchung erlegen, weil der auf mir lastende Erfolgsdruck unglaublich groß gewesen ist. Ich bin nur ein Mensch und wie viele Menschen in einer Ausnahmesituation schwach geworden", sagte der Tour-Dritte auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz auf dem Wiener Flughafen Schwechat.

Kohl war bei den nachträglich analysierten Blutkontrollen der Tour de France zweimal (3. und 15. Juli) positiv auf das Blutdopingmittel Cera getestet worden. Der 26-Jährige verzichtet auf die Öffnung der B-Probe und muss nun mit einer zweijährigen Sperre durch die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) rechnen.

Kohl will Hintermänner "bekanntgeben"

Das Strafmaß könnte sich aber auch verkürzen, sollte Kohl bei der Aufklärung helfen - und dazu ist der gelernte Schornsteinfeger offenbar bereit.

Die Hintermänner wolle er zwar jetzt noch nicht nennen. "Ich werde sie zur gegebenen Zeit bekanntgeben", sagte Kohl.

Erklärung der Gerolsteiner-Profis

Zuvor hatten schon Fahrer und Verantwortliche von Gerolsteiner den Österreicher genauso wie den ebenfalls positiv getesteten Stefan Schumacher aufgefordert, einen Geständnis abzulegen und die Drahtzieher zu nennen.

In dem von 29 Personen unterzeichneten Schreiben hieß es: "Wir fordern hiermit Stefan Schumacher und Bernhard Kohl auf, vorbehaltlos die Wahrheit zu sagen und sich nicht mit anderen notorischen Dopingbetrügern gemein zu tun, nur um vom eigenen mangelnden Fair-Play-Verständnis abzulenken. Nennt eure Mitwisser, Lieferanten, Ratgeber und deckt die Hintergründe und Hintermänner auf."

Entschuldigung an Holczer

Kohl zeigte sich bedrückt und entschuldigte sich insbesondere bei seinem Teamchef Hans-Michael Holczer.

"Im Gerolsteiner-Team hat es zu meiner Zeit kein systematisches Doping gegeben, Manager Holczer wusste von gar nichts. Er kämpfte vehement gegen Doping. Deshalb tut es mir besonders leid, ausgerechnet ihn enttäuscht haben."

Angst wegen katastrophaler Form

Nach eigenen Angaben habe Kohl im Sommer zum ersten Mal gedopt. "Aber wer glaubt schon einem überführten Sportler", sagte das Leichtgewicht.

Er habe ein schlechtes Jahr gehabt, seine Form bei der Dauphine Libere im Juni sei katastrophal gewesen. In der Angst, für die kommende Saison keinen neuen Vertrag zu erhalten, habe er zu dem Dopingmittel gegriffen.

Neuer Vertrag hinfällig

Nach der starken Tour und dem Ende des Teams Gerolsteiner hatte Kohl jüngst einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Silence-Lotto, wo er mit dem Tour-Zweiten Cadel Evans (Australien) die Doppelspitze bilden sollte, unterschrieben. Dieser ist nun hinfällig.

Der belgische Rennstall hatte bereits bekanntgegeben, bei positiver B-Probe den Vertrag aufzulösen.

Die mentale Belastung seit Bekanntwerden der Nachweisbarkeit von CERA sei für ihn unerträglich geworden. "Ich will nun endlich wieder der Bernhard Kohl sein, der ich davor war, als den mich meine Freunde und Fans kennen", erklärte er.

Zweifel bestätigen sich

Bei den nachträglich von der französischen Antidoping-Agentur AFLD durchgeführten Blutkontrollen waren neben Kohl auch dessen Teamkollege Stefan Schumacher und Leonardo Piepoli ertappt worden. Schumacher hat bislang die Öffnung der B-Probe nicht beantragt, die Frist läuft am Freitag ab.

Kohl gehörte genauso wie Schumacher zu den Shooting-Stars der Tour 2008. Quasi aus dem Nichts fuhr er auf den dritten Gesamtrang und ließ mit seinen Kletterqualitäten schon im Sommer Zweifel aufkommen. Nicht ganz unbegründet, wie sich herausstellte.

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