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Macht er's wirklich wieder? Angeblich steht Jan Ullrich vorm Comeback © imago

Es wäre eine Sensation: Ein Freund behauptet, Jan Ullrich arbeite am Comeback. Und auch sein Manager schließt nichts aus.

Von Wolfgang Kleine

München - Eine Ente, oder ist tatsächlich was dran? Zumindest das ist gewiss: Wenn es so kommt, dann wäre es eine Sensation. Denn: Jan Ullrich bastelt angeblich an seinem Comeback.

Die Online-Ausgabe des "Kölner Express" zitierte am Donnerstag Michael Stehle, einen Freund des Tour-de-France-Siegers von 1997: "Er liebäugelt damit, trainiert schon fleißiger und ist richtig fit."

Von Ullrich selbst gab es zu dem Gerücht bisher noch keine Aussage. Bemerkenswert allerdings: Ullrichs Manager Wolfgang Strohband erklärte auf Nachfrage von Sport1.de nach anfänglicher Zurückhaltung: "Es müssten noch einige rechtliche Dinge geklärt werden, bevor daran gedacht werden kann, ein Comeback zu starten."

Was im Umkehrschluss hieße: Die Planspiele sind offenbar schon weiter gediehen als eine bloße Idee.

Zwei Rennen schon im Oktober

Und: Anfang Oktober fuhr der in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelte Ullrich zwei Rennen. Neben einem Wohltätigkeit-Event startete der 34-Jährige beim Abschied für Steffen Wesemann, wo auch Wolfgang Strohband ("Ullrich hat mal zu mir gesagt: Man sollte niemals nie sagen") anwesend war.

Was Ullrich hinterher süffisant mit den Worten kommentierte: "Das war ja schon fast wieder eine kleine Rundfahrt für mich."

Und: Beim Abschied des früheren Wegefährten Wesemann absolvierte der einstige Team-Telekom-Fahrer 48 Kilometer mit einem Schnitt von 41 km/h - ein Wert, mit dem er sich selbst von gestandenen Profis nicht abschütteln ließ und eine erstaunlich gute Form zeigte.

Ist es wegen Armstrong?

Es stellt sich die Frage, was Ullrich nun dazu antreiben könnte, wieder in den Sattel zu steigen, nachdem er hierzulande wegen massiver Doping-Vorwürfe fast alle Sympathien eingebüßt hat.

Eine Erklärung vielleicht: Die Comebacks seiner alten Konkurrenten Lance Armstrong, Alexander Winokurow (des Blutdopings überführt) und Ivan Basso (Fuentes-Kunde). Hintergrund: Armstrong und Winokurow wollen 2009 für das Team Astana beim Giro d'Italia starten.

Auch Basso legt wieder los

Basso wiederum legt mit dem Liquigas-Team nach seiner zweijährigen Sperre beim Japan-Cup am 26. Oktober von Neuem los.

Pikant: Ullrich, der nach seiner Kündigung durch seinen Arbeitgeber Team T-Mobile am 20. Juli 2006 stets betont hatte, als Privatier ohne Leistungssport glücklich zu sein, meinte unlängst: "Ich finde es richtig, dass Winokurow zurückkommt, da jeder eine zweite Chance verdient hat."

Ein eigenes Comeback schließt er inzwischen nicht mehr aus: "Es macht riesig Spaß, wieder auf dem Rad zu sitzen."

Stehle: "Es wurmt ihn"

Stehle formulierte es dem "Express" zufolge deutlicher: "Als Sportler wurmt ihn das sehr, wie seine Karriere zu Ende gegangen ist. Jan bleibt einfach ein Radsportler durch und durch. Wir reden momentan sehr viel über die aktuellen Geschehnisse im Radsport."

Ullrich bestreitet bis heute öffentlich, jemals andere Rennfahrer betrogen zu haben.

Was ihm bei einem tatsächlichen Comeback-Versuch zupass kommen könnte: Die Operation Puerto um Doktor Fuentes ist zu den Akten gelegt, Ullrichs Verfahren in der Schweiz steht vor dem Ende - und wird wohl auf einen Freispruch hinauslaufen.

Österreichs Verband interessiert?

Stehle weiter: "Wenn Jan zurückkehren will, müssten die Verbände mitspielen. Sein Ziel ist eine Lizenz in der Schweiz. Aber auch die Österreicher haben signalisiert, dass sie ihm eine geben würden. Ein Team aus Österreich hat schon angefragt. In der Szene gibt es viele, die ein Comeback von Jan gerne sehen wollen."

Der zögert laut Stehle noch: "Er selber will sich noch nicht vollkommen festlegen, weil er nicht weiß, wie die Öffentlichkeit reagiert."

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