Deutschland sollte nicht päpstlicher als Italien, Kasachstan oder die USA sein und dem gefallenen Idol eine Chance geben.

Noch ist völlig unklar, wie ernst es Jan Ullrich mit seinem Training und seinen Comeback-Absichten ist.

Und schon mehren sich die Stimmen, das eine Rückkehr des gefallenen deutschen Rad-Idols ein verheerendes Signal für die am Boden liegende Sportart sei.

Doch warum sollte dem Dopingsünder Ullrich verwehrt bleiben, wozu anderen - allen voran dem von italienischen Verband nur ein Jahr gesperrten Ivan Basso - der rote Teppich ausgerollt wird?

Der Kasache Alexander Winokurow, die Amerikaner Floyd Landis und der mindestens zwielichtige Lance Armstrong stehen kurz vor ihrem Comeback. Die überführten Tyler Hamilton (USA), Santiago Botero (Kolumbien) und Oscar Sevilla (Spanien) sind nach abgesessener Sperre längst wieder voll im Geschäft.

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Doch die Deutschen sind nachtragender: Das Team Milram gab dem nicht mehr gesperrten Jörg Jaksche keinen Vertrag, der warf das Handtuch. Auch Patrick Sinkewitz steht seine Vergangenheit auf der Suche nach einem Arbeitgeber im Weg.

Ullrich hat, seitdem er vor der Frankreich-Rundfahrt 2006 wegen des dringenden Dopingverdachts aus dem Verkehr gezogen wurde, kein Rennen mehr bestritten.

Zwar hat er nie Schuldbewusstsein oder gar Reue gezeigt, auch als alle Zweifel ausgeräumt waren, dass er Kunde des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes war.

Doch sind die über zwei Jahre ohne Wettkampf und der gründlich ramponierte Ruf Strafe genug.

Wenn er zurück will, dann bitte! Das Interesse daran, wie sich die alten, sagenumwobenen und gerüchteumwitterten Recken nun im reifen Alter präsentieren, überwiegt doch das an "Saubermännern", an die ohnehin keiner mehr uneingeschränkt glaubt.

Und sollte Ullrich es tatsächlich schaffen, Spitzenleistungen abzuliefern, ohne bei den verschärften Tests positiv aufzufallen, wäre vielen bei den Erinnerungen an seine alten Tage zumindest ein bisschen wohler.

Und andernfalls könnten die Fans deren Verklärung endlich offen erkennen.

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