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Lance Armstrong gewann sieben Mal in Folge die Tour de France © imago

Der Weltverband steht in der Kritik, denn die Geldspende von Lance Armstrong an die UCI wirft Fragen nach dem Grund der Zahlung auf.

München - Schweigegeld oder Spende, Vertuschung oder Verleumdung:

Eine unmoralische 100.000-Dollar-Zahlung von Lance Armstrong aus dem Jahr 2005 hat den Radsport-Weltverband UCI in große Erklärungsnot gebracht und den Dopinggerüchten um den siebenmaligen Toursieger neue Nahrung gegeben.

Für Chefankläger Werner Franke ist die Sache jedenfalls klar.

"Die UCI hat so viel Dreck am Stecken, da kann man Blumen drauf pflanzen. Es darf niemals Geldbeziehungen zwischen einem Kontrollorgan und zu kontrollierenden Personen geben. Das ist ein unmöglicher Zustand. Die UCI hat alle Glaubwürdigkeit verloren", sagte der Heidelberger Molekularbiologe.

Ermittlungen in den USA

Unterdessen wollen die amerikanischen Behörden ihre Ermittlungen gegen Armstrong und weitere Fahrer des früheren US-Postal-Teams offenbar ausweiten.

Wie die "New York Times" berichtet, soll dabei wegen möglichen Betrugs oder Verschwörung ermittelt werden. Dabei geht es in erster Linie um die Frage, inwieweit Sponsorengelder zwischen 1996 bis 2004 für Dopingmittel ausgegeben wurden.

Spende fließt 2005

Am Dienstag hatte UCI-Präsident Pat McQuaid eingestanden, in 2005 eine drei Jahre zuvor vereinbarte Spende Armstrongs in Höhe von 100.000 Dollar erhalten zu haben und dabei von einer bedauerlichen Entscheidung gesprochen.

Es habe aber keinen Interessenskonflikt gegeben: "2002 hat es keine Anschuldigungen gegen Armstrong gegeben. Diese wurden erst danach erhoben. Wir haben die Spende akzeptiert, um die Entwicklung des Radsports zu fördern. Meines Wissens hat es nur eine Spende von Armstrong gegeben, nicht zwei oder drei", ergänzte McQuaid.

Für das Geld sei eine Maschine zur Analyse von Blutproben angeschafft worden. (Alle Radsport-News)

Anschuldigungen von Landis

Das Bekanntwerden der Spende Armstrongs birgt Brisanz:

In der Vorwoche hatte der Amerikaner Floyd Landis bei seinem umfassenden Dopinggeständnis behauptet, Armstrong habe ihm erzählt, er sei bei der Tour de Suisse 2002 "positiv auf Epo" getestet worden und habe dann ein "finanzielles Abkommen" mit dem damaligen UCI-Chef Hein Verbruggen getroffen, um den Test verschwinden zu lassen.

"Unmöglich Bestechungsgeld"

Dies wies McQuaid entschieden zurück. "Es ist unmöglich, dass die UCI oder ihr früherer Präsident Hein Verbruggen Bestechungsgeld erhalten haben", sagte der Ire.

Meldungen über positive Dopingproben seien nicht nur an die UCI, sondern auch an das Internationale Olympische Komitee gegangen.

IOC-Präsident Jacques Rogge sprang seinem unter Beschuss geratenen Kollegen zur Seite. Es sei nicht möglich, einen positiven Test zu vertuschen. Eine Person könne nicht "entscheiden, eine solche Angelegenheit unter den Teppich zu kehren", sagte Rogge dem US-Sportsender "ESPN".

Schänzer: Manipulation ist möglich

Ein entsprechendes Vorgehen bestätigte auch Professor Wilhelm Schänzer: "Bis 2004 sind die Meldungen an den jeweiligen Dachverband und das IOC gegangen, danach hat die WADA die Aufgabe übernommen. Die bei uns eingehenden Proben sind generell anonym. Wir wissen die Sportart und ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Athleten handelt."

Grundsätzlich hält es Schänzer aber nicht für ausgeschlossen, dass Manipulation durch Bestechung von Kontrolleuren möglich ist.

"Dummheit oder Korruption"

Franke traut der UCI jedenfalls nicht über den Weg. "Die UCI hat schon viel gemacht. Das ist durch viele Vorfälle bewiesen. Beispielsweise wusste sie genau, dass Michael Rasmussen 2007 nicht in Mexiko war."

Der Däne war 2007 bei der Tour in Führung liegend aus dem Rennen genommen worden, nachdem er im Vorfeld falsche Aufenthaltsorte angegeben hatte.

Und auch im Fall Armstrong sieht Franke einen klaren Fall von Parteilichkeit: "Es gibt sechs positive Proben von Armstrong, und trotzdem darf er fahren. Entweder ist das Dummheit oder Korruption."

Schenk übt Kritik

Soweit will die frühere BDR-Präsidentin Sylvia Schenk nicht gehen, trotzdem übt sie harsche Kritik am Weltverband.

"Es ist der Fehler der UCI, dass Spekulationen nun aufkommen. Die UCI muss transparenter werden. Solche Zahlungen sollten nicht gemacht werden, und wenn doch, dann mit absoluter Transparenz. Es besteht immer die Gefahr, dass es wie ein Deal aussieht", sagte Schenk dem Internetportal "Cyclingnews".

Armstrong droht neues Ungemach

So oder so droht Armstrong, der mit Hochdruck an seiner Tour-Form arbeitet, in den nächsten Wochen neues Ungemach. Die US-Ermittler wollen demnach auch den Vertrag zwischen Armstrong und der Firma SCA Promotions untersuchen.

Das Unternehmen hatte die Bonuszahlung von fünf Millionen Dollar an den Texaner verweigert, nachdem das Buch "L.A. Confidential" von David Walsh und Pierre Ballester mit Doping-Anschuldigungen gegen Armstrong auf den Markt gekommen war.

Der heute 38-Jährige gewann schließlich den Prozess, SCA musste fünf Millionen Euro und zuzüglich 2,5 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Auch die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA hat angekündigt, Landis' Anschuldigungen nachzugehen.

Die UCI hielt inzwischen mehrere nationale Verbände um die Einleitung von Untersuchungsverfahren gegen von Landis beschuldigte Personen an.

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