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Der Italiener Ivan Basso fährt seit 2008 für das Team Liquigas © getty

Auf der letzten Etappe reicht Ivan Basso ein 15. Platz für den Giro-Gesamtsieg. Doch sein Triumph wirft wieder Fragen auf.

Verona - Der selbsternannte Saubermann Ivan Basso ist zum zweiten Mal in seiner Karriere auf den Giro-Thron gefahren und hat mit Spitzenleistungen wie zu seiner dunklen Fuentes-Zeit die Glaubwürdigkeit des Radsport auf die nächste Probe gestellt.

Gut drei Jahre nach seinem tränenreichen Doping-Geständnis holte sich der frühere Ullrich-Rivale den Gesamtsieg bei der 93. Italien-Rundfahrt und war wie bei seinem ersten Giro-Triumph 2006 eine Klasse für sich.

Basso, der das abschließende Einzelzeitfahren über 15 km in Verona auf dem 15. Platz beendete, lag nach 3485,3 km von Rotterdam nach Verona in der Endabrechnung 1:51 Minuten vor dem Spanier David Arroyo und 2:37 vor seinem Liquigas-Teamkollegen Vincenzo Nibali.

Den letzten Tagessieg sicherte sich der Schwede Gustav Erik Larsson mit zwei Skunden Vorsprung vor dem Italiener Marco Pinotti.

McQuaid: "Basso ist sauber"

Auch wenn die Experten die Leistungen Bassos teilweise am obersten Limit der menschlichen Leistungsfähigkeit einstuften, sprachen die Gutgläubigen um UCI-Präsident Pat McQuaid von einem Sieg des sauberen Radsports.

"Basso und auch Cadel Evans sind herausragende Fahrer, die zu 100 Prozent sauber sind und unserem Sport ein großartiges Image geben. Seine Blutwerte sind völlig in Ordnung", sagte McQuaid.

Ein Volksheld in Italien

Vergeben und vergessen also - die Sünden der Vergangenheit, als Signore Basso als Kunde des spanischen Blutdopingarztes Eufemiano Fuentes aufgeflogen war, will beim Weltverband und in Italien erst recht keiner mehr hören.

Die Tifosi feierten den Liquigas-Kapitän auf den Rampen in den Alpen wie einen Volkshelden, der in der Form auch Alberto Contador bei der Tour de France gefährlich werden könnte.

Bassos strikte Linie

Und der Liquigas-Kapitän gefällt sich in seiner neuen Rolle als Anti-Doping-Kämpfer und gläserner Athlet.

"Ich bin sauber. Alle Blutwerte, alle Trainingsfahrten und alle Berge, die ich fahre, können auf meiner Internetseite eingesehen werden. Seit ich im Oktober 2008 in den Radsport zurückgekehrt bin, habe ich eine strikte Linie verfolgt", beteuert der einst unter dem Codenamen Birillo in den Unterlagen der Operacion Puerto geführte Radprofi.

Nach 2006 folgte "ein böser Teil"

Doch das Kapitel gehört laut Basso ja nun der Vergangenheit an. (Alle Radsport-News)

"2006 war ein schöner Abschnitt meiner Karriere, danach folgte ein böser Teil. Das Schönste ist aber, wie ich zurückgekommen bin und alles, was seit dem Tag passiert ist, als ich mich wieder auf das Rad gesetzt habe", sagte der 32-Jährige und betont, dass mit den Dopingfragen nun Schluss sein müsse.

Armstrong ist beeindruckt

Wie dem auch sei, Basso ist anno 2010 so stark wie vor vier Jahren. Den Passo del Mortirolo ist er beispielsweise gar acht Sekunden schneller hochgefahren als 2006 bei einer Leistung von rund 420 Watt, was bei Basso sechs Watt pro Kilogramm entspricht.

Werte, die Experten als Maximum der physischen Leistungsstärke einschätzen. Da war sogar Lance Armstrong ("Eine großartige Leistung") schwer beeindruckt.

Starke Konkurrenz

Leistungen, die aber auch nötig waren, um das Rosa Trikot des Gesamtersten zu erobern. Denn die Konkurrenz war bärenstark.

Straßen-Weltmeister Evans bot dem Italiener lange Zeit Paroli, Dopingsünder Alexander Winokurow meldete sich wiedererstarkt zurück und aus dem eigenen Team setzte Nibali den Kapitän mit starken Leistungen unter Druck.

Hinzu kam der Fauxpas, als die Favoriten auf der Etappe nach L'Aquila 13 Minuten einbüßten und so dem Spanier Arroyo eine Woche lang den Traum vom Giro-Triumph ermöglichten.

Gerdemann geschwächt

Deutsche Fahrer spielten im Gesamtklassement erwartungsgemäß keine Rolle, auch weil eine Bronchitis Milram-Kapitän Linus Gerdemann um eine Top-Ten-Platzierung brachte.

Immerhin schaffte es der gebürtige Münsteraner, der zwischenzeitlich in Schlagdistanz zum Rosa Triko lag, noch bis nach Verona.

Am Ende reichte es immerhin zu einer Platzierung unter den besten 20.

Greipel und Hondo zeigen sich

Im Sprint sah es da schon anders aus. Da sorgte Andre Greipel auf der 18. Etappe für den ersten deutschen Tagessieg seit 2008 und für ein persönliches Happy End, nachdem der mit zwölf Saisonsiegen erfolgreichste Radprofi des Jahres insbesondere in der ersten Woche einige Chancen - auch krankheitsbedingt - liegen gelassen hatte.

Auch der 35-jährige Danilo Hondo, der einen zweiten und einen dritten Platz belegte, wusste zu überzeugen und erwies sich als starker Vertreter seines erkrankten Lampre-Kapitäns Alessandro Petacchi.

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