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BDR-Chef Rudolf Scharping muss sich mächtig wehren © imago

Nach den Doping-Skandalen der letzten Wochen fliegen zwischen Sportausschuss und Bund Deutscher Radfahrer (BDR) die Giftpfeile.

Frankfurt - Nach den Doping-Skandalen der letzten Wochen fliegen zwischen Sportausschuss und Bund Deutscher Radfahrer (BDR) die Giftpfeile.

Den Antrag auf einen Stopp der Fördergelder verurteilte BDR-Präsident Rudolf Scharping als "völlig unverantwortlichen Populismus" und ergänzte: "Ich habe ja schon einiges erlebt, aber auf dem Rücken von unbeteiligten Dritten Schlagzeilen und Propaganda zu machen, ist nicht akzeptabel."

Zugleich malte Scharping nach dem Ausstieg von "ARD" und "ZDF" aus der Live-Berichterstattung ein düsteres Bild auf: "Mit dieser Entscheidung wird der Existenzkampf des Radsports bis an die Todesgrenze verschärft."

Zuvor hatte Winfried Hermann, Sportpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, nochmals den klaren Wunsch nach einer Streichung der finanziellen Mittel für den Radsport bekräftigt.

Jährlich mit 2,5 Millionen Steuergeldern unterstützt

"Ich freue mich, dass der Sportausschuss jetzt ernst macht, wenn er wirklich die Mittel sperrt. Eine andere Sprache verstehen die Radsportler nicht", sagte Hermann dem "Deutschland-Funk".

Der BDR wird vom Bund jährlich mit 2,5 Millionen Euro an Steuergeldern unterstützt. Scharping, dem die Chance zur Stellungnahme vor der nächsten Sitzung des Sportausschusses am 12. November eingeräumt wird, warnte bei einer Kürzung oder Komplett-Streichung vor den Folgen, schließlich gingen gerade einmal 24.000 Euro jährlich in den Profi-Radsport.

"Damit werden Leute bestraft, die mit dem Profi-Radsport nichts zu tun haben", sagte Scharping.

"Gehe gern nach Berlin"

Am 12. November werde er gerne nach Berlin gehen und Stellung beziehen, so Scharping weiter, der zuletzt sowohl von Hermann als auch Dr. Peter Danckert, dem Vorsitzenden des Bundestags-Sportausschusses, scharf angegriffen worden war.

"Er hat vor eineinhalb Jahren vieles angekündigt, was den Sport sauber machen sollte, aber er ist gescheitert. Er hat viel versprochen, was er nicht gehalten hat", sagte Hermann und Danckert ergänzte: "Was der Verband bietet mit seinen merkwürdigen Personalentscheidungen und Verrenkungen, bedarf einer Reaktion des Parlaments."

Wird alles noch schlimmer?

Möglicherweise kommt es für den BDR noch schlimmer. So könnte der Bund öffentliche Mittel aus dem laufenden Jahr zurückfordern.

Hintergrund war die Tatsache, dass bei der Mountainbike-DM im Marathon vor wenigen Wochen in Singen keine Dopingkontrollen vorgenommen worden waren.

"Das ist ein klarer Verstoß gegen den NADA-Code. Dessen Einhaltung wird bei der Ausgabe von Fördermitteln vorausgesetzt", sagte Staatssekretär Christoph Bergner vom BMI. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) prüfe in Absprache mit dem BMI den Fall.

Schwere Zeiten für den Radsport

Scharping sieht auf den Radsport insbesondere in Deutschland schwere Zeiten zukommen, nachdem die öffentlich-rechtlichen TV-Sender am Donnerstag den Ausstieg aus der Live-Berichterstattung der Tour de France bekanntgegeben hatten.

Verständnis für den Beschluss habe er nicht. "Wir werden dafür abgestraft, dass wir die Maßnahmen umgesetzt haben, die in der Öffentlichkeit gefordert worden waren."

Auch wenn bei "ARD" und "ZDF" im Sommer der Bildschirm schwarz bleibt, aus dem Vertrag mit der Tour-Organisation scheinen die öffentlich-rechtlichen TV-Sender nur schwer rauszukommen.

Tour-Organisatoren ärgern sich über "ARD" und "ZDF"

"Es gibt einen Vertrag zwischen EBU und dem Tour-Veranstalter ASO. Und dieser bindet ARD und ZDF. Denn die Zuständigen bei den Sendern haben die EBU zur Vertragsverhandlung beauftragt und zwar schriftlich. Das ist juristisch eindeutig", sagte "ZDF"-Chefredakteur Nikolaus Brender der "Sport-Bild".

Die Tour-Organisation ASO bedauerte unterdessen den Ausstieg des deutschen Fernsehens. "Es soll gesucht, aber nichts gefunden werden. Die ARD hat einen Anti-Doping-Kampf verlangt und empört sich, wenn gedopte Fahrer entlarvt werden", heißt es in einer Stellungnahme der ASO.

Stefan Schumacher, der genauso wie sein österreichischer Teamkollege Bernhard Kohl bei den nachträglich durchgeführten Analysen positiv auf das Blutdopingmittel EPO-CERA getestet worden war und die Krise verschärft hatte, muss mit scharfen Sanktionen durch den BDR rechnen.

"Wir haben das klare Ziel"

"Wir haben das klare Ziel, ihn zu sperren, solange wie möglich", sagte der frühere Verteidigungsminister Scharping und will gegen den WM-Dritten von 2007 eine Geldstrafe und Schadensersatz-Forderungen stellen.

Angesichts der nicht enden wollenden Skandale im Radsport will sich Hermann für schärfere Gesetze stark machen.

"Wir brauchen den Straftatbestand des Sportbetruges. Wer Gegner, Wettbewerber oder Sponsoren betrügt, muss auch strafrechtlich verfolgt werden können, nicht nur sportgerichtlich", so der Politiker.

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