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Lance Armstrong gewann 2001 die Schweiz-Rundfahrt © imago

Der Amerikaner nimmt die Tour de Suisse als Generalprobe für die Frankreich-Rundfahrt. Deutsche Fahrer spielen eine untergeordnete Rolle.

München/Lugano - Das Frühjahr war durchwachsen, doch rechtzeitig vor der Tour de France zeigt Tony Martins Formkurve nach oben.

Bei der Tour de Suisse war er im Vorjahr Gesamtzweiter, dort ging sein Stern auf, und dort will Martin ab Samstag wieder die besten Radprofis der Welt um Superstar Lance Armstrong ärgern (ab Montag 17.30 Uhr live im TV auf SPORT1).

Auf den 1353 km von Lugano nach Liestal soll der 25-Jährige aber nicht auf die Gesamtwertung schauen.

"Letztes Jahr ist er Vollgas gefahren. Dieses Jahr soll er sich auf ein oder zwei Etappen konzentrieren", sagt Columbia-Sportchef Rolf Aldag: "Wenn er natürlich bei den Besten dabei ist, haben wir damit auch kein Problem."

Im Vordergrund steht jedoch die Abstimmung des Teams für die Tour de France, weshalb für die Generalprobe in der Schweiz laut Aldag auch für den gebürtigen Cottbuser Martin gilt: "Wir fahren dort ohne Ambitionen auf den Gesamtsieg hin." (DATENCENTER: Tour de Suisse)

Edelhelfer als Siegfahrer

Die Besten fahren bei der 74. Schweiz-Rundfahrt im Team RadioShack.

An der Seite von Kapitän Armstrong verdingen sich in Landsmann Levi Leipheimer und Andreas Klöden (Cottbus) zwei Fahrer als Edelhelfer, die das Rennen ebenfalls gewinnen können.

Zum engen Favoritenkreis zählen zudem die Brüder Andy und Frank Schleck aus Luxemburg (Saxo Bank) sowie der Niederländer Robert Gesink (Rabobank).

Vorentscheidung am Albulapass

Sowohl Vorjahressieger Fabian Cancellara (Schweiz) als auch Martin dürften angesichts des Profils keine große Chance auf einen Podiumsplatz haben.

Eine Vorentscheidung wird wohl auf der sechsten der neun Etappen fallen, wenn kurz vor dem Ziel der 2315 m hohe Albulapass zu bewältigen ist.

Schleck und Gesink als Gradmesser

Die Kletterpartie wird vor allem für Armstrong zum Gradmesser seiner Ambitionen auf einen achten Tour-Sieg im Juli (Armstrong auf dem Weg zu alter Stärke).

Der Amerikaner muss zumindest andeuten, dass er an den steilen Anstiegen mit den Jungstars Andy Schleck und Gesink mithalten kann, sonst dürfte sich der Triumph in Frankreich schon vor dem Start erledigt haben (Alle Radsport-News) .

Der Texaner gibt sich gewohnt selbstbewusst und werkelt neben dem Training fleißig an seinem Image als Anti-Krebs-Kämpfer. Nach einem fünfstündigen Lunch mit U2-Sänger Bono ließ er kurz verlauten: "Mit meiner Form geht es bergauf."

Anschuldigungen von Landis

Bis vor wenigen Wochen hatte Armstrong vermutlich nur gute Erinnerungen an die Tour de Suisse, die er 2001 gewann. Wenn der 38-Jährige am Samstag in Lugano eintrifft, wird er sich vermutlich auch Fragen zum Thema Doping stellen müssen, nachdem Floyd Landis behauptet hat, Armstrong sei bei der Tour de Suisse einst positiv gestestet worden.

Armstrong, der nie des Dopings überführt wurde, bestritt die Aussagen seines früheren Teamkollegen in gewohnter Manier. Dass Landis, der zugab, keine Beweise für die Anschuldigungen zu haben, sich offenbar im Jahr irrte, gab Armstrong zusätzlich Auftrieb.

Laut Landis wurde Armstrong 2002 in der Schweiz überführt. In jenem Jahr nahm er bei der Tour de Suisse jedoch gar nicht teil.

Deutsche als Nebendarsteller

Ob nun kritisch hinterfragt oder umjubelt, Armstrong wird auch in der Schweiz die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Für die deutschen Fahrer um Martin, Heinrich Haussler (Freiburg), Jens Voigt (Berlin) und Linus Gerdemann (Münster) bleibt bei der Armstrong-Show wohl nur die Rolle des Nebendarstellers.

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