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Flüsterer: Stefan Schumacher (l.), Teamchef Hans-Michael Holczer © imago

Hans-Michael Holczer kommt nach Tagen des Schweigens aus der Deckung. Der Gerolsteiner-Teamchef attackiert Schumacher massiv.

Von Wolfgang Kleine

München - Der Wirbel um die Dopingfälle seiner Profis Bernhard Kohl und Stefan Schumacher hatte auch Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer überrollt.

Nach ersten Statements des Herrenbergers zog er sich ins Schneckenhaus zurück ("Ich will mit solch kriminellen Energien nichts zu tun haben").

In der Folge geriet auch Holczer in den Verdacht, von den Dopingfällen in seinem Rennstall schon zuvor gewusst zu haben. Dabei hatte er jahrelang den Anti-Doping-Kampf gepredigt: "Mir wäre es ein innerer Vorbeimarsch, wenn ich einen Fahrer in unserem Team erwische, der mit Dr. Fuentes zu tun gehabt hat", erklärte Holczer gegenüber Sport1.de.

Doch nach den Anschuldigungen der vergangenen Tage hat sich der Gerolsteiner-Teamchef wieder an die Öffentlichkeit gewagt.

Holczer weist alle Vorwürfe zurück

Holczer weist in der "Bild am Sonntag" alle Vorwürfe zurück und betont, dass er von Stefan Schumacher schon während der Tour de France belogen worden sei. Der zweimalige Zeitfahr-Sieger Schumacher wurde wie Kohl - er hat inzwischen gestanden - nachträglich des Dopings mit CERA überführt

"Als bekannt wurde, dass CERA nachweisbar ist, gab's in unserem Mannschaftsbus einen Jubelschrei wie bei einem Tor. Nur Schumacher wirkte bedröppelt", erklärt Holczer.

Das sei auch den Teamkollegen aufgefallen. Holczer stellte Schumacher zur Rede: "Wir haben Stefan am Abend fast eine Stunde lang befragt. Er wies Doping und ausdrücklich CERA weit von sich. Er hat mich belogen."

Von Vater Sinkewitz durch E-Mails "genötigt"

Nur wegen seines eigenartigen Benehmens wollte Holczer seinen Fahrer aber nicht nach Hause schicken. "Sein Rechtsanwalt hätte uns verklagt - und wir wären chancenlos gewesen."

Ein Riesentheater bekam Holczer auch mit dem geständigen Dopingsünder Patrik Sinkewitz. Der hatte den Gerolsteiner-Teamchef als "betriebsblind" erklärt. Schließlich wurde Holczer von Sinkewitz' Vater mit E-Mails attackiert. "Sein Vater versuchte mich zu nötigen, weil Patrik wieder fahren wollte. Jetzt hat er eine Strafbewährte Unterlassung unterschrieben."

Holczer selbst hat vom Profi-Radsport erst einmal die Nase voll. "Ich gebe mir ein halbes Jahr zur Neuorientierung", erklärte der gelernte Mathematik-Lehrer.

Jaksche kritisiert alte Elite in den Teams

Kritik am System im internationalen Profi-Radsport äußerte erneut Jörg Jaksche. Im "ZDF" erklärte der geständige Dopingsünder: "Solange die alte Elite in den Rennställen am Ruder ist, wird sich im Anti-Doping-Kampf nichts ändern. Wir benötige da völlig neue Strukturen - erst national und dann natürlich auch international."

Dagegen glaubt Topsprinter Gerald Ciolek, dass man auch ohne Manipulationen im Radsport erfolgreich sein kann: "Ich will das selbst den Kritikern beweisen. Ich habe mit Doping nichts am Hut."

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