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Kim Kirchen fährt seit Beginn 2010 für das Katjusha-Team © getty

Kim Kirchen erleidet während der Tour de Suisse einen Herzstillstand und muss reanimiert werden. Ein Portugiese siegt in Liestal.

Liestal - Der frühere luxemburgische Meister Kim Kirchen hat während der Tour de Suisse offenbar einen Herzstillstand erlitten.

Sein Zimmerkollege Joaquin Rodriguez schlug am Freitagabend im Landhaus Sonne in Dürrten kurz vor Mitternacht Alarm. Kirchen wurde von einem Arzt seines Teams Katjuscha und seinem Freund Marc Joseph reanimiert. Joseph und Kirchens Vater Erny hatten den Radprofi auf der Rundfahrt besucht.

Der Siebtplatzierte der Tour de France von 2007 wurde dann in ein Züricher Krankenhaus eingeliefert.

Der behandelnde Arzt in Zürich versetzte Kirchen am Samstagabend in ein Koma, um ihn besser medizinisch überwachen zu können. Für mindestens 24 Stunden sollte der Profi im Koma verbleiben, erst dann könnten weitere Rückschlüsse gezogen werden.

Dürftige Informationspolitik

Der russische Rennstall Katjuscha betrieb nach Kirchens Kollaps eine fragwürdige Informationspolitik. Sportdirektor Serge Parsani sprach zunächst nur davon, dass Kirchen sich schlecht gefühlt habe und vom Teamarzt ins Krankenhaus gebracht worden sei.

Wie sich Kirchens Gesundheitszustand entwickeln werde, mochte keiner prognostizieren. (Alle Radsport-News)

Genesungswünsche über Twitter

Sein Rennstall hatte den Vorfall zunächst kleingeredet: "Er hat sich schlecht gefühlt und der Mannschaftsarzt hat ihn daraufhin ins Hospital gebracht", sagte Sportdirektor Serge Parsani vom Katjuscha-Team.

"Er hatte bereits vor zwei oder drei Monaten ähnliche Probleme. Wir wissen nicht genau, was es ist." Der Zustand des 31-jährigen sei aber stabil.

"Ich hoffe, Kim Kirchen geht es bald besser", schrieb sein Teamkollege Robbie McEwen via Twitter. "Er ist in der Nacht zusammengebrochen und brauchte medizinische Behandlung", teilte der Australier mit.

Aldag wusste von Problemen

""Das ist bedrückend und relativiert alle Dinge im Sport. Wenn es um Leben und Tod geht, sind Siege oder die Frage, ob er als Rennfahrer weitermachen kann, sekundär", sagte Columbia-Teamchef Rolf Aldag. Der Ex-Profi war in den Teams T-Mobile und Columbia vier Jahre lang Sportlicher Leiter von Kirchen und ist gut mit dem Luxemburger befreundet.

Aldag und das Team Columbia waren bereits nach dem Fleche Wallonne Ende April in Kirchens Probleme eingeweiht. "Unser Arzt hat damals alle Unterlagen weitergegeben. Bei solchen Dingen ist es wichtig, alles über die medizinische Vergangenheit zu wissen", sagte Aldag.

Zwei Jahre bei T-Mobile

Kirchen sollte die am 3. Juli in Rotterdam beginnende Tour de France als einer der Kapitäne des Teams Katjuscha bestreiten. Eine Teilnahme an der Großen Schleife ist nun nahezu ausgeschlossen.

Der Luxemburger Zeitfahrmeister war 2006 und 2007 für das T-Mobile-Team gefahren und im Anschluss bis 2009 für den Nachfolger Columbia. Bei der Tour de France 2007 hatte Kirchen Stefan Schumacher das Gelbe Trikot auf der sechsten Etappe abgenommen und anschließend vier Etappen getragen. Die Rundfahrt hatte er als Siebter beendet.

Tagessieg nach Portugal

Die achte und damit vorletzte Etappe der 74. Tour de Suisse hat unterdessen der Portugiese Rui Faria da Costa gewonnen.

Auf dem 172,4 Kilometer langen Teilstück von Wetzikon nach Liestal landete 23-Jährige vom Team Caisse d'Epargne als Mitglied einer Ausreißergruppe neun Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke.

Er setzte sich vor seinem Mannschaftskollegen und Landsmann Joaquin Rojas Gil sowie dem Belgier Maxime Monfort (Columbia) durch.

Gesink bleibt knapp in Front

Der niederländische Spitzenreiter Robert Gesink kam mit dem Hauptfeld ins Ziel und verteidigte damit sein Polster von 29 Sekunden auf den Kolumbianer Rigoberto Uran erfolgreich. Deutsche Fahrer hatten am vorletzten Tag nichts mit dem Rennausgang zu tun.

Die Tour de Suisse endet am Sonntag mit einem 26,9 Kilometer langen Einzelzeitfahren mit Start und Ziel in Liesttal.

Der sportliche Aspekt ist aber an diesem Tag reine Nebensache.

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