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Nur ein Jahr fuhren sie zusammen: Bernhard Kohl (l.) und Stefan Schumacher © getty

Der überführte Bernhard Kohl greift seinen Ex-Zimmerkollegen Stefan Schumacher wegen des Umgangs mit dessen positiver A-Probe an.

Wien/Madrid - Bernhard Kohl gegen Stefan Schumacher, Alberto Contador gegen Alexander Winokurow:

Nach Geständnissen und Rücktrittsankündigungen fliegen im Radsport nun zwischen überführten Sündern und dopingverdächtigen Fahrern die Fetzen.

Kohl kritisiert nach seinem Geständnis Schumachers Haltung, Contador fürchtet bei einer Rückkehr Winokurows gar große Probleme auf den Radsport zukommen.

Kohl will auspacken, Schumacher schweigt

"Er sagt, er ist unschuldig. Ich kann nur sagen: Ich gehe meinen Weg. Und die Menschen erkennen das an, da bin ich froh drüber", sagte Kohl der österreichischen Tageszeitung "Kurier".

Der Tour-Dritte hatte seine Verfehlungen tränenreich gestanden und will noch umfassender über die Hintermänner auspacken.

Sein Tour-Zimmerkollege Schumacher, der bei der Tour beide Zeitfahren gewonnen und das Gelbe Trikot getragen hatte, schweigt nach seinen zwei positiven A-Proben beharrlich. Ob der WM-Dritte von 2007 die B-Probe öffnen lässt, ist ebenfalls noch unklar.

Ohne Doping keine Chance?

Kohl hatte sich vor der Frankreich-Rundfahrt zweimal den EPO-Nachfolger CERA gespritzt. Nun zweifelt er selbst, ob Spitzenleistungen auch ohne Doping möglich sind.

"Es gibt sicherlich Fälle, wo es ohne auch geht. Ich kann nur von mir reden, aber ich weiß: Ich kann sehr weit kommen. Über drei Wochen ist es schon schwierig - denn in der letzten Woche zehrt die Belastung", sagte der gelernte Schornsteinfeger.

"Du wirst ausgenutzt"

Als einen der Schuldigen an der Dopingmisere im Radsport sieht der Wiener auch die Pharmaindustrie.

"Warum etwa stecken die Pharmakonzerne einen Haufen Geld in einen Nachfolger für das Medikament EPO, das ohnehin wirkt?", fragte Kohl und antwortete gleich selbst: "Weil die Geld verdienen wollen mit dem Sport. Der Athlet ist immer das letzte Glied. Du wirst ausgenutzt. Nicht direkt, aber indirekt."

Verdächtiger Contador klagt an

Weitere Probleme sieht der Spanier Alberto Contador auf die gebeutelte Velo-Szene zukommen, wenn Winokurow 2009 zurückkehren sollte.

"Das birgt die Möglichkeit für viele Kontroversen. Aber wir müssen die Entscheidung der UCI abwarten und dieser dann folgen", sagte der Giro- und Vuelta-Sieger vom Astana-Rennstall.

Aus dem Mund des Spaniers klingen diese Bedenken eher scheinheilig. Schließlich steht auch er im Verdacht, Kunde des Dopingarztes Eufemiano Fuentes gewesen zu sein. Die Initialen AC standen auf der Kundenliste des Madrider Arztes, und Contador war zum Zeitpunkt der Affäre im Sommer 2006 Fahrer beim Team Liberty Seguros.

Dessen Chef Manolo Saiz wurde später als einer der Schlüsselfiguren des Blutdopingskandals identifiziert. Aus Liberty Seguros wurde das Team Astana.

Starts von Armstrong und Winokurow fraglich

Contador scheint vielmehr um seine Kapitänsrolle bei der Frankreich-Rundfahrt zu fürchten, die er im kommenden Jahr zum zweiten Mal gewinnen will. Da ist ihm der zweite Rückkehrer, Lance Armstrong, deutlich lieber. Es sei kein Problem, wenn der die Tour fahre, meinte Contador.

Wohlwissend, dass der siebenmalige Champion wegen Problemen mit Fans und Medien eher einen Bogen um Frankreich machen wird.

Auch im Fall Winokurow kann sich der Kletterkönig zurzeit sicher fühlen, denn der Weltverband UCI hat noch keine Entscheidung gefällt, ob er einen Start des Kasachen zulässt. Zudem hatte der zweimalige Sieger von Paris-Nizza in einem Interview den Giro und die WM-Teilnahme als Ziel ausgegeben.

UCI entscheidet

Der frühere Teamkollege von Jan Ullrich war während der Tour 2007 des Fremdblutdopings überführt worden. Der kasachische Verband sperrte ihn allerdings nur für ein Jahr und sorgte für einen Eklat.

Winokurow hatte nach dem Verhängen der Sperre seinen Rücktritt erklärt, seine Meinung aber vor zwei Wochen wieder geändert. Ob er wieder aufs Rad steigen darf, muss nun die UCI entscheiden.

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