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Linus Gerdemann gewann 2007 in Le Grand-Bornand die 7. Etappe der Tour de France © getty

Milram droht das Aus. Der Teamchef setzt potenziellen Sponsoren eine Frist im Juli, die Fahrer gucken nach Alternativen.

Köln - Letzte Ausfahrt Pau oder doch der Beginn einer neuen Ära: Wenn am Samstag in Rotterdam der Startschuss zur 97. Tour de France fällt, beginnt für Milram-Kapitän Linus Gerdemann und Co. eine Fahrt ins Ungewisse.

Die Zukunft des letzten verbliebenen deutschen ProTour-Rennstalls steht weiter in den Sternen. (Alle Radsport-News)

Am zweiten Ruhetag (21. Juli) in Pau will Teamchef Gerry van Gerwen bekannt geben, ob er für den scheidenden Geldgeber Nordmilch einen Nachfolger auftreiben konnte.

"D-Day" kurz nach dem Prolog?

"Wir sind in vielen guten Gesprächen, aber solange ich keinen Vertrag in der Hand habe, ist das alles nichts wert", sagte van Gerwen und will auf weitere Wasserstandsmeldungen verzichten.

Vieles erinnert in diesen Tagen an die vergebliche Suche des damaligen Gerolsteiner-Chefs Hans-Michael Holczer nach einem neuen Geldgeber.

Und viel Hoffnung kann Holczer dem Niederländer nicht machen: "D-Day ist ein, zwei Tage nach dem Tour-Auftakt. Wenn man bis dahin keinen Sponsor gefunden hat, verliert man die Fahrer an andere Teams."

Knees macht sich keine Sorgen

Ex-Toursieger Bjarne Riis, ebenfalls händeringend auf der Suche nach einem neuen Geldgeber für seinen Saxo-Bank-Rennstall, kann davon ein Lied singen.

Am Wochenende musste der Däne verkünden, dass zwei seiner Stars, die Schleck-Brüder Andy und Frank, das Team verlassen und sich einem neuen Rennstall aus ihrer Heimat Luxemburg anschließen werden.

Noch regiert bei Riis und van Gerwen das Prinzip Hoffnung. Doch auch bei Milram treiben die Fahrer ihre Zukunftsplanung voran. "Ich mache mir keine Sorgen um meine Zukunft. Man fängt halt nicht erst auf den letzten Drücker an, sich zu bewerben", sagte der neue deutsche Straßenradmeister Christian Knees.

"Ich kann den Fahrern nichts bieten"

Um Sprintkapitän Gerald Ciolek gab es zuletzt Gerüchte um einen Wechsel zu Omega-Pharma Lotto, was schnell von allen Seiten dementiert wurde.

Gerdemann will sich indes ganz auf die Tour konzentrieren und erst nach Paris seine Zukunft klären.

Van Gerwen ("Ich kann den Fahrern momentan nichts bieten") hat mit den Wechselgedanken seiner Profis kein Problem, nur aus der Zeitung möchte er bitteschön einen Abgang nicht erfahren.

Grünes Trikot keine Utopie

Möglicherweise greift bei Milram aber auch Plan B, der da hieße, dass das Team in abgespeckter Form eine Klasse tiefer weiterfährt. Dafür wäre dann etwas weniger als die Hälfte des aktuell veranschlagten Jahresetats von rund acht Millionen Euro notwendig.

Wie die Sponsorensuche auch immer endet, bei der Tour wollen die "Milchmänner" diesmal ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Ein Etappensieg ist das Ziel, die Eroberung des Gelben Trikots der Traum und das Grüne Trikot im Bereich des Möglichen.

Gerdemann muss Abstriche machen

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr wird Gerdemann nicht mehr aufs Gesamtklassement fahren. "Ein 15. oder 17. Platz hat keine Bedeutung", sagt van Gerwen.

Mit der neuen Rolle könne er leben, sagt Gerdemann, wenngleich er nicht kategorisch ausschließen will, im Gesamtklassement doch mitzumischen. ("Killer" Contador setzt auf Kuschel-Klima)

Seine Form sei schließlich gut, auch wenn er seit dem Giro d'Italia keine Standortbestimmung mehr hatte.

Angriff auf Cavendish und Hushovd

Das Gelbe oder auch das gepunktete Trikot dürfte aber in den Milram-Planungen keine große Rolle spielen, das grüne indes schon.

Da soll Ciolek in den programmierten Zweikampf zwischen Columbia-Ass Mark Cavendish und dem letztjährigen Punktbesten Thor Hushovd eingreifen.

Das Sprinttrikot kostet Kraft, aber Gerald hat auf jeden Fall Chancen. Im Prinzip ist Cavendish schneller, aber gerade die letzte Woche wird sehr hart", sagt van Gerwen.

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