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Floyd Landis' Geständnis vom Mai brachte die UCI in Korruptionsverdacht © getty

Weltverband, WADA und die AFLD sollen den Betrügern bei der Tour auf die Schliche kommen. Das birgt gewaltiges Streitpotenzial.

Berlin - Vorhang auf für die dunkle Seite des Radsports: Wenn am Samstag die 97. Tour de France in Rotterdam startet, liegt das Thema Doping wie ein Schatten auf dem Gelben Trikot.

Organisatoren und Weltverband werden mal wieder die Effizienz der Kontrollen preisen, Ex-Profis mal wieder aus dem Nähkästchen plaudern. (Alle Radsport-News)

Dass es während der Tour 2009 keinen Dopingfall gab, hat am Image des Radsports wenig geändert.

Bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt soll nun die geballte Kraft eines Antidoping-Triumvirats den Betrügern auf die Schliche kommen.

Vorwürfe gegen die UCI

Der Weltverband UCI führt die Kontrollen durch, die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA schaut den Testern auf die Finger, und die französischen Dopingjäger der AFLD sollen mit ihren Verbindungen zu Polizei und Zoll helfen.

Die Einigkeit der Institutionen ist allerdings nur ein Kompromiss. "Ich habe die WADA gebeten, unabhängige Beobachter zur Tour zu entsenden", sagt UCI-Präsident Pat McQuaid.

Der Ire hat sich aber wohl eher dem Druck der Öffentlichkeit gebeugt, als dass er aus freien Stücken aktiv geworden ist. Im vergangenen Jahr hatte die AFLD der UCI vorgeworfen, ineffektive Dopingkontrollen durchgeführt und insbesondere das Astana-Team um Alberto Contador und Lance Armstrong bevorzugt zu haben. ("Killer" Contador setzt auf Kuschel-Klima)

Sollbruchstelle Bordry - McQuaid

Daraufhin war das Tischtuch zwischen UCI und AFLD zerschnitten, McQuaid hatte erst vor drei Wochen gesagt, dass die Franzosen keine Kontrollen durchführen dürften. In der vergangenen Woche folgte dann die Rolle rückwärts, offenbar auf Druck der WADA.

Drei Kontrollteams der UCI werden in diesem Jahr Tests durchführen, dazu kommen die Mitarbeiter der AFLD.

Die Zusammenarbeit zwischen AFLD und UCI birgt jedoch ein gewaltiges Streitpotenzial. AFLD-Präsident Pierre Bordry, der seinen Namen ohnehin gerne in der Zeitung liest, wird keine Gelegenheit auslassen, die Tester der UCI an den Pranger zu stellen. Den Franzosen verbindet mit McQuaid mittlerweile eine innige Feindschaft.

Biologischer Pass eine scharfe Waffe

Dabei kann man der UCI das Bemühen um einen sauberen Sport nicht generell absprechen. Durch den Biologischen Pass wurden bereits etliche Fahrer überführt und suspendiert, auch wenn der letztjährige Tour-Bergkönig Franco Pellizotti der bekannteste unter ihnen ist.

Zudem wurde Ende Mai Alejandro Valverde nach jahrelangem Hin und Her wegen seiner Verwicklung in die spanische Dopingaffäre gesperrt.

Die Schatten der Vergangenheit wird der Weltverband aber nicht los. Das umfassende Geständnis von Floyd Landis im Mai sollte eigentlich ein gutes Zeichen sein.

Wenn da nicht dieses pikante Detail wäre, dass die UCI einen positiven Dopingtest von Lance Armstrong vertuscht haben soll.

Spekulationen über Motor-Doping

Beide Beschuldigte bestritten die Vorwürfe vehement, doch eine 100.000-Dollar-Spende von Armstrong an den Verband trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei.

Da müssen der UCI die Spekulationen über vermeintliches Motor-Doping schon fast wie ein Segen vorkommen. Fabian Cancellara, glaubt man den Gerüchten, soll seinen famosen Solosieg bei Paris-Roubaix nur dank eines eingebauten Elektromotors errungen haben.

Der Schweizer tat das als schlechten Scherz ab, doch so ganz wollen sich McQuaid und Co. nicht auf die Ehrlichkeit der Fahrer verlassen. Vor dem Tour-Start werden jedenfalls alle Räder erstmal zum Röntgen geschickt.

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