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Alexander Winokurow gewann im April 2010 den Klassiker Lüttich?Bastogne?Lüttich © imago

Die berühmten Doping-Betrüger sind zurück: Edelhelfer Winokurow gebärdet sich wie ein König, Ivan Bassos Ziel heißt Gesamtsieg.

Rotterdam - Alexander Winokurow fühlt sich wie zu Hause. Wie ein kleiner König rollte der Kasache bei der Team-Präsentation der 97. Tour de France die Erasmusbrücke von Rotterdam runter (Sa., ab 16 Uhr im LIVE-TICKER).

Zwei Finger zum "Victory" gespreizt, ein Handküsschen hier, ein Lächeln da.

Dabei steht der überführte Dopingsünder wie kein Zweiter für die Rückkehr der alten Garde zur Frankreich-Rundfahrt (Alle Radsport-News).

Die euphorisierte Radsport-Nation Niederlande und die Tour-Organisation ASO stören sich nicht an der dunklen Vergangenheit des Kasachen oder an der von Ivan Basso, der ebenfalls wieder dabei ist.

Prudhomme bittet um Akzeptanz

"Die Rückkehrer haben ihre Strafe verbüßt. Ich hoffe, dass sie akzeptiert werden", sagt Tour-Direktor Christian Prudhomme.

Im vergangenen Jahr sah Prudhomme das noch etwas anders. Das Team Liquigas wurde mit sanftem Druck gebeten, Basso nicht zu nominieren.

Winokurow war zu Beginn der Rundfahrt noch gesperrt, nachdem er 2007 als Fremdblutdoper enttarnt worden war und die Große Schleife unter Schimpf und Schande verlassen musste.

"Ich will darüber nicht mehr reden"

Auf Fragen nach seiner Vergangenheit reagiert "Wino" mitunter allergisch und wittert Verschwörungen.

"Ich will darüber nicht mehr reden. Ich habe doch meine zwei Jahre abgesessen. Das muss reichen", sagt der frühere T-Mobile-Profi.

Prudhomme nimmt den Edelhelfer von Alberto Contador in Schutz. "Die Medien haben eine andere Sichtweise der Dinge als die Fahrer", sagt der Franzose.

Selbstheilungsprozess bei Basso

Man solle jemanden nicht härter bestrafen als einen Kriminellen.

Basso setzt sich mit seiner Vergangenheit etwas offener auseinander. Im Rahmen der Fuentes-Affäre gestand er einst tränenreich, sein Blut bei dem spanischen Dopingarzt deponiert zu haben.

Natürlich habe er es nie zurückführen lassen. Die Tour sieht Basso sozusagen als Teil seines Selbstheilungsprozesses: "Ich habe meine Würde wiedergefunden."

Basso findet zu alter Stärke

2004 und 2005 stand Basso neben Lance Armstrong auf dem Podium der Tour. 2006 sollte er der Sieger sein, ein spektakulärer Zweikampf mit Jan Ullrich sollte es werden.

Doch kurz vor dem Start platzte die Fuentes-Bombe, Basso sagte der Großen Schleife für vier Jahre unfreiwillig adieu.

In diesem Jahr fand er endgültig zu alter Stärke zurück. Den Giro d'Italia gewann der 32-Jährige souverän und war dabei deutlich stärker als bei seinem ersten Sieg 2006.

"Ich kann gewinnen"

Er trainiere härter als früher, sagt Basso dazu. Manchmal bis zu neun Stunden am Tag. Regelmäßig lädt er Journalisten ins Trainingslager ein, um ihnen zu zeigen, wie hart er arbeitet. Im Internet kann man sich seine Trainingspläne und Blutwerte ansehen.

Wird es konkret, flüchtet sich allerdings auch Basso immer wieder in hohle Phrasen. "Ich habe die Geschichte beendet. Jetzt schreibe ich eine andere", sagt der Italiener.

Basso ist mit dem klaren Ziel Gesamtsieg zur Tour gekommen. "Ich kann gewinnen, ich habe es in meinem Herzen", sagt er.

Zuletzt hatte Marco Pantani es vermocht, in einem Jahr den Giro und die Tour zu gewinnen. Das war 1998. Die Blütezeit der dunklen Epoche des Radsports.

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