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Lance Armstrong und Floyd Landis waren von 2002 bis 2004 Teamkollegen bei US Postal © getty

Floyd Landis erneuert vor dem Tour-Auftakt seine Doping-Vorwürfe. Lance Armstrong kontert die Anschuldigungen mit derben Worten.

Los Angeles - Ausgerechnet zum Auftakt der Tour de France hat Floyd Landis in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" seine Anschuldigungen zum systematischen Doping im Radsport bekräftigt.

Landis wirft seinem ehemaligen Arbeitgeber US Postal in einem weiteren Artikel sogar vor, das Team hätte den Fahrern neue Rennräder des Radlieferanten Trek vorenthalten und verkauft, um das Doping-Programm des Rennstalls zu finanzieren.

Während des Rennens Paris-Nizza 2004 brach der Rahmen von Landis' Rad. Auf Nachfrage bei Teamchef Johan Bruyneel soll dieser Landis gesagt haben, es könne nicht ständig neue Räder für alle Fahrer geben.

60 Räder offenbar "gespart"

Laut "Wall Street Journal" habe Landis daraufhin einige Zeit später selbst beim Radhersteller nachgefragt, der ihm im Gespräch versichert habe, es sei genug Material für ungefähr 120 Räder geliefert worden. (Alle Radsport-News)

Nach eigener Rechnung sei Landis darauf gekommen, dass dem Team ungefähr 60 Rennräder fehlten.

Bis zu 20.000 Dollar für ein Rad

David Clinger, ehemaliger Teamkollege von Landis, bestätigte den Verdacht: "Sie verkaufen die Räder online. Wenn Lance das Rad gefahren hat, bekommen sie 10.000 oder 20.000 Dollar dafür."

Später soll Teamchef Bruyneel Landis am Telefon sogar erklärt haben, das Geld aus den Materialverkäufen sei für die Finanzierung des Dopings bestimmt.

Erneute Vorwürfe gegen Armstrong

Beide Texte erschienen nur Stunden vor dem Prolog der Frankreich-Rundfahrt ( ab 16 Uhr im LIVE-TICKER) auf der Webseite des Journals.

Der Bericht mit der Überschrift "Blutsbrüder" ("Blood Brothers") basiert auf einem exklusiven Interview mit Dopingsünder Landis. Sechs Wochen nach seinem umfassenden Doping-Geständnis wiederholte der 34-Jährige auch die Vorwürfe gegen sein ehemaliges Team US Postal sowie Radsport-Superstar Lance Armstrong. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Detaillierte Beschreibungen

Zudem gab Landis erneut zu, sich einer ganzen Reihe von verbotenen Substanzen bedient zu haben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

So detailliert wie nie beschrieb Landis, wie Armstrong, andere Teammitglieder und er selbst während der Frankreich-Rundfahrt 2004 leistungssteigernde Bluttransfusionenen bekamen.

Armstrong holte sich in dem Jahr den sechsten von insgesamt sieben Tour-Titeln.

"Wie eine Tüte saure Milch"

Der siebenmalige Toursieger reagierte prompt auf die erneuten Vorwürfe. In einem offiziellen Statement von Armstrong heißt es: "Der Artikel im Wall Street Journal ist voller falscher Anschuldigungen. Hier werden unhaltbare Vorwürfe wiederholt."

Zudem würde Landis noch neue Dinge erfinden, so Armstrong weiter. "Landis Glaubwürdigkeit ist wie eine Tüte saurer Milch. Hat man den ersten Schluck genommen, weiß man, dass der Rest auch schlecht ist", ätzt der "Tourminator".

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