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Im letzten Jahr trug Tony Martin elf Tage lang das weiße Trikot des besten Jung-Profis © imago

Der Columbia-Profi wird beim Prolog in Rotterdam Zweiter. Schneller ist nur der Topfavorit. Armstrong fährt überraschend stark.

Rotterdam - Nur der Weltmeister war eine Nummer zu groß. Tony Martin ist bei der Tour de France knapp am Gelben Trikot vorbeigefahren.

Der Hoffnungsträger des deutschen Radsports musste sich beim 8,9 km langen Prolog in Rotterdam in 10:10 Minuten mit dem zweiten Platz hinter Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara begnügen und verpasste damit am "deutschen Feiertag" den nächsten Paukenschlag nur knapp (Alle Radsport-News).

Zeitgleich zum WM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien durfte Martin mehr als drei Stunden vom ersten deutschen Gelben Trikot seit Stefan Schumacher vor zwei Jahren träumen, ehe Cancellara die Bestzeit um zehn Sekunden übertraf.

Als "Trostpreis" erhielt Martin allerdings das weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis.

Armstrong vor Contador

Den dritten Platz belegte der Brite David Millar (+0:20).

Der siebenmalige Tourchampion Lance Armstrong fuhr 22 Sekunden zurück auf einen beachtlichen vierten Platz und lag dabei sogar noch vor Toursieger Alberto Contador, der mit einer Zeit von 10:27 Sechster wurde 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile).

"Bin nicht unzufrieden"

"Fabian hat gezeigt, dass er der beste Prologfahrer der Welt ist. Ich bin nicht unzufrieden. Es herrschten gleiche Bedingungen", sagte Martin nach dem Rennen:

"Ob ich in den nächsten Tagen noch eine Chance auf das Gelbe Trikot bekomme, weiß ich nicht. Meine Aufgabe liegt nun darin, Mark Cavendish zu unterstützen".

Vorhersage erfüllt sich nicht

Martin war bereits um 16.25 Uhr als elfter Starter auf die Strecke gegangen.

Die Hoffnungen auf eine trockene Piste erfüllten sich aber nicht.

"Wir haben drei Tage lang die Wetterkarten studiert und jetzt ist es komplett anders als die Vorhersage", klagte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag und auch Martin war zunächst nicht ganz zufrieden:

"Die Strecke war teilweise nass und teilweise trocken. Ich konnte nicht einschätzen, wie schnell ich die Kurven angehen kann und bin deshalb vorsichtiger gefahren, damit ich nicht stürze. Mit ein wenig mehr Risiko wäre ich sicher noch schneller gewesen."

Wiggins und Schleck abgeschlagen

Doch das Wetter wurde nicht besser - im Gegenteil. Und so musste Martin im Zielbereich lange warten, während sich ein Rivale nach dem anderen an der Zeit des gebürtigen Cottbusers die Zähne ausbiss.

Der britische Bahn-Olympiasieger Bradley Wiggins war gar 46 Sekunden langsamer. Auch Andreas Klöden (0:26) und der Kasache Alexander Winokurow (0:28), der drei Jahre nach seinem Doping-Skandal ein Tour-Comeback gab, kam an die Zeit Martins nicht heran.

Der Vorjahreszweite Andy Schleck kassierte fast eine Minute.

Landis belastet Armstrong

Als Drittletzter kurbelte Armstrong über die Strecke, aber auch der Amerikaner kam nicht an die Zeit heran - zwölf Sekunden langsamer als Martin.

Der 38-Jährige hatte zuvor einen stressigen Tag hinter sich, nachdem sein Ex-Teamkollege Floyd Landis die Doping-Anschuldigungen mit weiteren pikanten Details erneuert hatte.

Dass er am Ende fünf Sekunden schneller als Contador war, dürfte aber ein kleiner Triumph für Armstrong gewesen sein.

Bestzeit hält drei Stunden

Um 19.31 Uhr, also mehr als drei Stunden nach Martins Start, ging Cancellara auf die Strecke.

Der Regen hatte inzwischen aufgehört, sodass in etwa Chancengleichheit zu Martin herrschte.

So riskierte der Olympiasieger von Peking alles und holte sich zum vierten Mal nach 2004, 2007 und 2009 das Gelbe Trikot zum Auftakt.

Martin verpasst Schumacher-Nachfolge

Martin wäre der 22. Deutsche im Gelben Trikot gewesen. Letztmals hatte in Schumacher bei der Tour 2008 - ebenfalls nach einem Sieg im Zeitfahren - ein Deutscher die Führung bei der Frankreich-Rundfahrt inne.

Wenige Monate später war der Rad-Schumi allerdings als Dopingsünder überführt.

Dopingkontrolle der besonderen Art

Für Martin stand nach dem starken Auftritt eine Dopingkontrolle der besonderen Art auf dem Programm.

Das Rad des Wahl-Schweizers musste zum Scannen, schließlich untersucht der Radsport-Weltverband UCI erstmals die Räder auf technische Hilfsmittel.

"Ich habe kein Problem mit dem Scanner. Jeder soll die gleichen Chancen haben und die Leute sollen sehen, dass ich nicht betrüge", sagte Martin.

Gute Chancen für Cancellara

Cancellara hat nun gute Chancen, auch am Sonntag das Gelbe Trikot zu verteidigen.

Auf der 223,5 km langen Etappe von Rotterdam nach Brüssel (ab 16 Uhr im LIVE-TICKER) wird mit einer Massenankunft gerechnet - die dann wohl die Sprinter unter sich ausmachen werden.

Zeitgutschriften wird es dabei allerdings nicht geben.

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