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Tony Martin gewann bei der Rad-WM 2009 Bronze im Zeitfahren © getty

Tony Martin verpasst beim Tour-Prolog nur knapp das Gelbe Trikot. Der deutsche Hoffnungsträger hat aber schon neue Ziele.

Brüssel - Tony Martin zitterte, hoffte und bangte fast drei Stunden auf dem "heißen Stuhl", doch am Ende gab es statt des Gelben Trikots nur ein Küsschen von Freundin Nina.

Fabian Cancellara erwies sich im Prolog der Tour de France mal wieder als Maß aller Dinge.

Er schnappte Martin das begehrte Leibchen in Rotterdam als vorletzter Starter um zehn Sekunden vor der Nase weg. (Alle Radsport-News)

"In den ersten Minuten war ich sehr enttäuscht, denn ich hatte eine realistische Chance auf Gelb", sagte Martin.

Mit seiner Herzensdame auf dem Schoß harrte er stundenlang auf dem Stuhl des Führenden aus. "Doch Fabian ist eben der beste Prologfahrer der Welt, deshalb bin ich zufrieden mit dem zweiten Platz."

WM-Triumph als Ablenkung

In der nervenaufreibenden Warterei suchte Martin Ablenkung am Fernseher und verfolgte das Viertelfinale der Fußball-WM zwischen Deutschland und Argentinien.

"Als ich von der Dopingkontrolle kam, stand es 3:0. Da war ich richtig verblüfft", sagte Martin und dachte gleich wieder wehmütig an das verpasste Leibchen:

"Ich in Gelb und Deutschland im Halbfinale. Das wäre ein guter Deal gewesen. "

Platzregen durchkreuzt Taktik

Dabei hatte das Columbia-Team hoch gepokert und Martin früh starten lassen, um dem für den Abend angekündigten Regen zu entgehen. Martin und Sportdirektor Rolf Aldag staunten dann auch nicht schlecht, als zwei Stunden vor dem Start ein Platzregen erster Güte einsetzte.

"Wir haben drei Tage lang die Wetterkarten studiert und dann kam es komplett anders", sagte Aldag und blickte ungläubig in den trüben Himmel über Rotterdam.

Den Unterschied machte das Wetter am Ende nicht, auch bei Cancellara waren die Straßen nass.

"Es waren faire Bedingungen. Daran hat es mit Sicherheit nicht gelegen", sagte Martin. "Wäre ich ein wenig mehr Risiko gegangen, wäre ich sicherlich schneller gewesen."

Ziel statt Krankenhaus

Nun geht der 25-Jährige wie im Vorjahr als Träger des Weißen Trikots in die erste Tour-Woche. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Als Zweiter der Gesamtwertung ist der Traum von Gelb noch nicht geplatzt, doch Martin sieht sich als Teamplayer. Er werde sich in die Hierarchie einfügen und für Sprinter Mark Cavendish arbeiten.

Die Etappen der ersten Woche, auf denen unter anderem das Kopfsteinpflaster der Frühjahrsklassiker auf dem Programm steht, flößen dem gebürtigen Cottbuser Respekt ein. "In Belgien und Nord-Frankreich liegt das Augenmerk darauf, am Ende der Etappe im Ziel und nicht im Krankenhaus anzukommen", sagte Martin.

Nächster Angriff in den Alpen?

Erreicht der Youngster das Ziel, soll der erneute Angriff auf Gelb folgen. Am kommenden Wochenende stehen die ersten Alpenetappen auf dem Programm. Die Anstiege sind nicht steil und dürften Martin liegen, ob Cancellara folgen kann, ist zumindest fraglich.

Klappt es nicht, will sich Martin voll auf das lange Zeitfahren am vorletzten Tag konzentrieren. "Da muss der Sieg das Ziel sein, da kann man nach den letzten Resultaten nichts anderes erwarten", sagte er.

Nur eines will er da nicht wieder erleben. Stundenlang warten und am Ende doch nur Zweiter sein.

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