vergrößernverkleinern
Sylvain Chavanel gewann 2008 seine erste Etappe bei der Tour de France © getty

Der Franzose profitiert von einem schweren Sturz auf der 2. Etappe und sichert sich durch den Tagessieg das Gelbe Trikot.

Spa - Die 97. Frankreich-Rundfahrt als "Tour de Carambolage":

Zahlreiche Massenstürze in den verregneten Ardennen haben auf der zweiten Etappe259421(die Bilder) für dramatische Rennszenen gesorgt und den Vorjahreszweiten Andy Schleck fast um alle Chancen auf den Gesamtsieg gebracht (DATENCENTER: Die Ergebnisse der 2. Etappe).

Nur eine furiose Aufholjagd im Windschatten von "Lokomotive" Jens Voigt und eine faires Warten des Pelotons auf den ihn brachte den Luxemburger, der bei einem Sturz Verletzungen am Arm erlitt, zurück ins Feld der Topfavoriten.

Alleingang ab dem letzten Anstieg

Den Sieg auf der zweiten Etappe über 201 km von Brüssel nach Spa und damit auch das Gelbe Trikot sicherte sich der Franzose Sylvain Chavanel, der nach einer 190 km langen Flucht im belgischen Kurort unweit der Formel-1-Rennstrecke im Alleingang triumphierte.

Der 31 Jahre alte Quick-Step-Profi sorgte nicht nur für den ersten Sieg der Grande Nation bei der 97. Tour, er ist auch der erste Franzose in Gelb seit Roman Feillu vor zwei Jahren (DATENCENTER: Die Gesamtwertung)..

Vier Minuten Rückstand

Doch angesichts der erneuten Stürze rückte das Sportliche fast schon in den Hintergrund. Rund 30 Kilomter vor dem Ziel hatte ein Sturz des Italieners Gavazzi einen Massencrash ausgelöst 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile).

Dabei kam auch Schleck zu Fall. Als der Saxo-Bank-Profi schmerzverzerrt wieder auf das Rad stieg, hatte er über vier Minuten Rückstand, ehe angeführt durch Voigt die Aufholjagd begann.

Peloton wartet auf Schleck

Schleck profitierte aber auch von einer fairen Geste des Pelotons, das angesichts der gefährlichen Rennsituation das Tempo herausnahm und so für einen Zusammenschluss sorgte.

Denn auch das Hauptfeld hatte sich geteilt.

So waren Lance Armstrong und Alberto Contador urplötzlich auch in der zweiten Gruppe, die sich gut eine Minute hinter der Gruppe um dem bisherigen Gesamtersten Fabian Cancellara befand (Alle Radsport-News).

Keine Brüche bei Schleck

"Das ist irreal. Ein Sturz nach dem anderen - ich denke, heute ist jeder gestürzt. Es war sehr gefährlich", sagte Armstrong, der selbst zu Fall kam und sich an der Hüfte verletzte. Der Texaner hatte aber Glück im Unglück.

Bei Schleck sah es zunächst deutlich schlimmer aus, der Luxemburger musste nach der Etappe sofort zum Röntgen ins Krankenhaus. Die Untersuchung ergab, dass Schleck keine Brüche erlitten hat.

Er kam mit Blutergüssen und Hautabschürfungen vergleichsweise glimpflich davon. Insgesamt 70 Fahrer waren in das Sturz-Festival verwickelt, Schleck war sogar zweimal zu Fall gekommen.

Kein Streik des Hauptfeldes

"Das war kein Streik. Andy Schleck hatte einen Wahnsinnssturz. Davon wollten wir nicht profitieren. Durch den Regen war es verdammt rutschig", sagte Milram-Kapitän Linus Gerdemann.

Sein Teamchef Gerry van Geewen hatte für die Aktion aber kein Verständnis und reagierte ein wenig verärgert.

Keine Sprintentscheidung

Das Hauptfeld, das 3:56 Minuten hinter Chavanel Spa erreichte, verzichtete angesichts der vielen Stürze auch auf eine Sprintentscheidung und fuhr geschlossen über die Ziellinie.

Die Plätze zwei und drei für den Franzosen Maxime Bouet und Milram-Profi Fabian Wegmann hatten demnach auch keine Bedeutung.

Der Schweizer Cancellara musste die Führung an Nutznießer Chavanel abtreten. Im Gesamtklassement ist Cancellara nun 2:57 Minuten zurück Zweiter, weitere zehn Sekunden zurück folgt Tony Martin.

Burghardt unter den Ausreißern

Der Massensturz 30 Kilometer vor dem Ziel war aber nicht der einzige Zwischenfall. Zuvor hatten schon bei Kilometer 50 mehrere Fahrer Bekanntschaft mit dem Asphalt gemacht, darunter auch der Erfurter Sebastian Lang.

Die zweite Etappe war lange Zeit von einer achtköpfigen Ausreißergruppe dominiert worden, der auch Marcus Burghardt angehört hatte, ehe sie am vorletzten Anstieg auseinanderfiel. Einzig Chavanel wurde vom Feld nicht geschluckt.

Womöglich erhält Burghardt am Dienstag (ab 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) eine weitere Chance auf seinen zweiten Tour-Etappensieg nach 2008, wenn es über das Kopfsteinpflaster in der "Hölle des Nordens" geht.

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel