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Mark Cavendish gewann 2009 bei der Tour de France sechs Etappen © getty

Der Columbia-Sprinter sorgt mehr durch Skandale, denn durch sportliche Erfolge für Aufmerksamkeit. Von den Kritikern hagelt es Häme.

Spa - Der schnellste Sprinter der Welt entwickelt sich zum Bruchpiloten.

Radsport-Rüpel Mark Cavendish stand auch bei der ersten Sprintankunft der Tour de France im Mittelpunkt der Diskussionen, nachdem der Brite durch einen kapitalen Fahrfehler erneut einen Sturz verursacht hatte.

Erst vor drei Wochen hatte eine Kamikaze-Aktion des Superstars Heinrich Haussler die Tour-Teilnahme gekostet. Cavendish unterschätzte im Finale von Brüssel gut zwei Kilometer vor dem Ziel eine Kurve und räumte vier Fahrer von der Straße 250046(Die Bilder).

Doch der Columbia-Star war sich keiner Schuld bewusst. "Das ist Radsport. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber mir geht es gut", sagte Cavendish.

Ab aufs Rad und weiter

Unverletzt setzte sich der 25-Jährige wieder auf sein Rad, zuckte mit den Schultern und grinste wie ein Lausbube, dem durchaus bewusst ist, dass er gerade etwas ausgefressen hat.

Cavendishs Plan, mit einem Etappensieg seine zahlreicher werdenden Kritiker zum Schweigen zu bringen, ging gründlich daneben 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile).

Aldag nimmt Cavendish in Schutz

Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag nahm seinen schnellsten Mann in Schutz: "Sprint ist kein Kindergarten. Cav weiß, dass er noch Chancen bekommen wird. Das wird ihn also mental nicht umbringen."

Der einstige Tour-Dritte Jean-Francois Bernard sah das völlig anders: "Er spielt schon wieder die Hauptrolle in einem Sturz. Der kümmert sich um nichts."

Vergleich mit Abduschaparow

Das Tour-Organ "L'Equipe" ging mit dem Briten ebenfalls hart ins Gericht. "Cavendish, der Pyromane", titelte das Blatt: "Er ist der Abduschaparow dieses Jahrzehnts." (Alle Radsport-News)

Der Usbeke Dschamolidin Abduschaparow - Branchenname "Der Schaukelstuhl" - zog in den 90er Jahren mit waghalsigen Sprints oft den Ärger des Pelotons auf sich.

Skandale statt Siege

Der im Vorjahr mit sechs Tour-Etappensiegen zum Superstar aufgestiegene Cavendish ist mit nur drei Saisonerfolgen weit von seiner Bestform entfernt. Zudem sorgt er immer wieder für Skandale.

Bei der Tour de Romandie wurde der "ManXpress" nach einer obszönen Geste aus dem Rennen genommen, bei der Tour de Suisse rammte er Haussler förmlich von der Straße.

Verachtung für Greipel

Cavendish machte dafür eher als Großmaul von sich reden. Seinen erfolgreichen Teamkollegen Andre Greipel belegte er mit deutlichen Worten. "Selbst in schlechter Form bin ich immer noch besser als er", tönte Cavendish.

Seine Abneigung gegen Greipel dürfte unter anderem dazu geführt haben, dass der Deutsche bei der Tour nicht dabei ist.

Greipel siegt in Österreich

Sportchef Aldag bleibt eine neue Sprinterdiskussion wohl nur erspart, weil Cavendishs Anfahrer Mark Renshaw in Brüssel noch auf Platz zwei landete.

Der im Tour-Team unerwünschte Greipel fuhr am selben Tag in Österreich seinen 13. Saisonsieg ein und setzte damit ein klares Zeichen. Wäre er nominiert worden, hätte der gebürtige Rostocker bei einem Sturz für Cavendish in die Bresche springen können.

Nicht mehr der einzige Sprinterzug

Die Leichtigkeit, mit der Cavendish im vergangenen Jahr seine Erfolge feierte, ist ihm jedenfalls abhanden gekommen. Hinzu kommt, dass Columbia nicht mehr das einzige Team ist, das einen Sprinterzug aufbaut.

"Letztes Jahr war es noch einfach. Da waren wir die einzigen, da hieß es drei, zwei, eins, Cav gewinnt", sagte Aldag.

Garmin und Lampre ziehen mit

In diesem Jahr haben vor allem auch Garmin mit Tyler Farrar und Lampre mit Etappensieger Alessandro Petacchi die Stärke, einen eigenen Zug aufzubauen.

Zudem mischen Gerald Ciolek (Milram), Robbie McEwen (Katjuscha) und Thor Hushovd (Cervelo) in den Sprints mit.

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