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Armstrong kam mit rund zwei Minuten Rückstand auf Schleck ins Ziel © getty

Auf der Kopfsteinpflaster-Etappe fährt Andy Schleck einen Vorsprung auf Armstrong und Contador heraus. Sein Bruder stürzt schwer.

Arenberg - In der "Hölle des Nordens" haben Lance Armstrong und Tony Martin ein böses Erwachen erlebt, Fabian Cancellara und Mitfavorit Andy Schleck waren dagegen die großen Gewinner.

Beim Showdown auf dem gefürchteten Kopfsteinpflaster wurde das Gesamtklassement der Tour de France komplett über den Haufen geworfen (DATENCENTER: Die Gesamtwertung).

Während Roubaix-König Fabian Cancellara beim Tagessieg des Norwegers Thor Hushovd das Gelbe Trikot auf der dritten Etappe über 213 km von Wanze nach Arenberg vom Franzosen Sylvain Chavanel zurückholte und sich Schleck im Windschatten eine hervorragende Ausgangsposition im Kampf um den Gesamtsieg verschaffte, verloren viele Stars eine Menge Zeit (DATENCENTER: Die Ergebnisse der 3. Etappe).

Armstrong verliert Zeit

Allen voran Martin, der 27 km vor dem Ziel schwer stürzte und 2:25 Minuten verlor. Zugleich musste er das Weiße Trikot des besten Jungprofis an Geraint Thomas abgeben.

Armstrong büßte nach einem Plattfuß 2:08 Minuten auf die Spitze ein 259753(die Bilder).

Toursieger Alberto Contador schlug sich dagegen mit einem Rückstand von 1:13 Minuten noch achtbar.

Verdacht auf Schlüsselbeinbruch bei Fränk

So wurde Schleck innerhalb von 24 Stunden vom großen Pechvogel zum strahlenden Gewinner. Hatte der Luxemburger in den Ardennen nach zwei Stürzen bereits das Tour-Aus vor Augen, liegt er nun in der Gesamtwertung als Sechster plötzlich 31 Sekunden vor Contador.

"Die Tour wurde heute nicht entschieden. Viele haben gesagt, dass ich Kopfsteinpflaster nicht fahren kann. Heute habe ich die richtige Antwort gegeben", sagte Andy Schleck, dessen Bruder Frank mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch ausschied 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile).

Zwei Defekte bei Chavanel

Das Gelbe Trikot hat wieder Cancellara auf seinen Schultern. Der Schweizer führt nun 23 Sekunden vor dem Briten Geraint Thomas und 39 Sekunden vor Weltmeister Cadel Evans.

Der Schweizer profitierte davon, dass der Franzose Sylvain Chavanel nach zwei Defekten über vier Minuten verlor.

Stürze von Martin und Fränk Schleck

Armstrong hatte im Vorfeld der Etappe ein Blutbad prophezeit. Viele Stürze überschatteten das Rennen über die alten Heerstraßen Napoleons, wo im Frühjahr beim Klassiker Paris-Roubaix stets Radsport-Schlachten ausgetragen werden.

Anders sah es auch diesmal nicht aus. 27 km vor dem Ziel ging es zur Sache. Und bei der viertletzten Kopfsteinpflaster-Passage kam es gleich zum Sturz von Martin und Frank Schleck.

Contador hält sich beachtlich

Danach glich das Rennen einem Ausscheidungsfahren, das am Ende sechs Fahrer an

der Spitze sah. Sprintstärkster war dabei der Norweger Hushovd, der vor Thomas und Evans gewann.

Contador meisterte die kniffligen Stellen für seine Verhältnisse beachtlich. Der Spanier, der noch nie auf Kopfsteinpflaster ein Rennen gefahren war, hatte im Frühjahr extra Nachhilfe-Unterricht beim früheren Paris-Roubaix-Sieger Peter van Petegem genommen, was sich auszahlte.

Kluge in Ausreißergruppe

Im ersten Teil des Rennens hatte eine siebenköpfige Ausreißergruppe bei Kilometer 173,5 als erstes französischen Boden erreicht.

Den Flüchtlingen, die kurz nach dem Ziel das Weite gesucht hatten, gehörte auch Tour-Debütant Roger Kluge (Cottbus) an. Das Kraftpaket vom Team Milram hatte allein schon wegen seiner Statur ein besonderes Augenmerk auf die Kopfsteinpflaster-Etappe gelegt.

Vandevelde und Terpstra geben auf

Als um 12.41 Uhr in Wanze der Startschuss erfolgte, waren Milram-Profi Niki Terpstra (Niederlande) und der Amerikaner Christian Vandevelde nicht mehr dabei (Alle Radsport-News).

Terpstra verzichtete wegen Fiebers auf einen Start. Vandevelde, ein Anwärter auf eine Platzierung unter den Top 10, hatte am Montag bei einem Sturz zwei Rippen gebrochen.

Der Niederländer Robert Gesink und Tyler Farrar bissen dagegen die Zähne zusammen. Gesink hatte am Montag die linke Elle gebrochen, Farrar ging trotz eines gebrochenen Handgelenks auf die Kopfsteinpflaster-Etappe.

Ausruhen nach dem Kopfsteinpflaster

Nach den kräftezehrenden Tagen in den Ardennen und Nordfrankreich kann das Peloton am Mittwoch (ab 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) eine kleine Verschnaufpause einlegen.

Auf der lediglich 153,5 km langen Etappe von Cambrai nach Reims geht es fast ausschließlich über flaches Terrain, sodass die Sprinter zum Zuge kommen dürften.

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