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Lance Armstrong gewann von 1999 bis 2005 durchgehend die Tour de France © imago

Der Amerikaner kassiert auf dem Weg zum achten Toursieg einen Rückschlag. In den Alpen will der RadioShack-Kapitän angreifen.

Reims - Nicht einmal eine ruhige Nacht war dem großen Verlierer vergönnt.

Als Lance Armstrong nach einem "frustrierenden Tag" auf der Kopfsteinpflaster-Etappe der 97. Tour de France 259753(die Bilder) zur Ruhe kommen wollte, wurde es in den Nebenzimmern des Novotels Valenciennes laut.

Das Rabobank-Team war im gleichen Quartier untergebracht, und bei den Niederländern gab es nach dem Einzug der Oranje-Kicker ins WM-Finale von Südafrika einiges zu feiern.

Mal Hammer, mal Nagel

Zum Feiern war Armstrong freilich nicht zumute, nachdem er auf Napoleons Feldwegen nach einem Plattfuß mehr als zwei Minuten eingebüßt hatte.

"Manchmal ist man der Hammer, manchmal der Nagel. Diesmal war ich der Nagel. Das ist enttäuschend", bilanzierte der Texaner, der den Traum vom achten Toursieg aber noch lange nicht aufgegeben hat: "Ich habe noch 20 Tage, um wieder der Hammer zu werden. Ich werde jetzt nicht nach Hause fahren."

Der vermeintliche Profiteur verliert Zeit

Mit einem Vorsprung auf die beiden Bergspezialisten Alberto Contador und Andy Schleck wollte Armstrong ab Samstag in die Alpen gehen, nun ist er wieder in der ungeliebten Rolle des Jägers.

"Jeder hat gedacht, dass die Kletterer Zeit verlieren. Der Kerl, der profitieren sollte, ist nun hinten", sagte der 38-Jährige, der durch den technischen Defekt 2:08 Minuten auf Schleck und 55 Sekunden auf Contador verlor.

Evans mit bester Ausgangsposition

Nachdem das Gesamtklassement einmal komplett durcheinandergeschüttelt wurde, hat nun Weltmeister Cadel Evans vor den ersten Bergankünften die beste Ausgangsposition.

Der Australier ist 39 Sekunden hinter dem Gesamtersten Fabian Cancellara Dritter, dahinter folgen Andy Schleck (1:09) und Contador (1:40) (DATENCENTER: Die Gesamtwertung).

Contador zuversichtlich in die Berge

Insbesondere Contador, dem viele Experten einen schweren Gang durch die "Hölle des Nordens" prophezeit hatten, war bester Laune. "Ich habe ein bisschen Zeit auf Armstrong gewonnen, aber nicht nur auf ihn. Ich kann zufrieden sein", sagte der Spanier.

Nachdem er die schweren Etappen mit Regen, Wind und Kopfsteinpflaster überstanden hat, kann der Astana-Kapitän zuversichtlich in die Berge gehen. Als bester Kletterer und starker Zeitfahrer sind die Chancen auf seinen dritten Toursieg nach 2007 und 2009 besser denn je (Alle Radsport-News).

Vom Pechvogel zum Sieger

Andy Schleck wandelte sich derweil innerhalb von 24 Stunden vom Pechvogel zum strahlenden Sieger. Hatte er nach zwei Stürzen in den Ardennen das Tour-Aus bereits vor Augen, steht er nun bestens da.

Allerdings muss er auf dem beschwerlichen Weg nach Paris auf seinen Bruder und Edelhelfer Frank verzichten. Der Tour-de-Suisse-Sieger erlitt bei einem Sturz am Dienstag einen dreifachen Schlüsselbeinbruch.

Angriff in den Bergen

Am Samstag geht das Peloton auf der siebten Etappe mit dem Schlussanstieg zur 1168 m hoch gelegenen Station des Rousses erstmals in die Berge. Einen Tag später wartet dann die Kletterpartie nach Morzine-Avoriaz 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile).

Spätestens dann wird sich zeigen, was die Sekundenjagd in Belgien und Nordfrankreich wert war. "In den Bergen werde ich alles versuchen", kündigt Armstrong an.

Die Rolle des Nagels will er jedenfalls nicht mehr einnehmen.

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