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Jan Ullrich wurde kurz vor der Tour de France 2006 vom Rennen ausgeschlossen © getty

Jan Ullrichs langjähriger Betreuer gesteht, die Reisen des suspekten Telekom-Fahrers zum Dopingarzt Fuentes organisiert zu haben.

Montargis - Vier Jahre nach dem Fuentes-Skandal hat Rudy Pevenage sein Schweigen gebrochen.

Der Mentor von Jan Ullrich gestand in einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe", Reisen für seinen Schützling zum spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes organisiert zu haben.

Pevenage bestritt aber, jemals Dopingmittel beschafft zu haben.

Allerdings ließ der Belgier durchblicken, dass Ullrich bei seinem Tour-Sieg 1997 möglicherweise gedopt gewesen sein könnte.

Der frühere Telekom-Profi Bjarne Riis hatte bereits 2007 gestanden, bei seinem Sieg 1996 Epo genutzt zu haben (DATENCENTER: Die Tour-Gesamtwertung).

Pevenage stellt Kontakt her

Pevenage betonte nun, dass das Team Telekom nach 1998 komplett sauber fuhr. "Nach dem Festina-Skandal haben wir alles gestoppt", sagte Pevenage.

Doch langsam merkte man, dass man insbesondere italienischen und spanischen Mannschaften hinterherfuhr.

Folglich stellte Pevenage Kontakt zu Fuentes her. "Ich habe nie verbotene Substanzen ge- oder verkauft. Ich habe nur die Reisen von Jan nach Madrid zu Fuentes organsiert", sagte der ehemalige Sportliche Leiter des Teams Telekom.

"Fuentes' Telefon war angezapft"

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im Januar vergangenen Jahres, der sich auf Ermittlungen des Bundeskriminalamts bezog, war Ullrich zwischen 2003 und 2006 insgesamt 24-mal bei Fuentes.

Pevenage behauptete, dass man ihm nur durch eine Unachtsamkeit auf die Schliche gekommen sei. Nach Ullrichs Etappensieg beim Giro d'Italia 2006 habe er sein eigenes Handy benutzt, um Fuentes von dem Erfolg zu berichten.

Zuvor hatte der Belgier stets eine Prepaid-Karte für diese Anrufe verwendet: "Fuentes' Telefon war angezapft und meine Nummer erschien. Somit waren wir enttarnt." 228201(DIASHOW: Kuriose Doping-Ausreden)

Ullrich suspendiert

Zwei Montate später wurde Ullrich wie der Italiener Ivan Basso und zahlreiche andere Radprofis von seinem Team kurz vor Beginn der Tour de France suspendiert.

Ullrich schweigt bis heute zu den Vorwürfen, obwohl ein DNA-Abgleich inzwischen ergab, dass sein Blut bei Fuentes gelagert war. Pevenage ist verbittert, dass es durch die Affäre Ullrich am härtesten getroffen habe.

"Ich habe viele Fahrer gesehen, die bei Fuentes waren und trotzdem noch ihren Mund aufreißen, um große Lehren von sich zu geben. Es wäre besser, wenn sie ihren Mund schließen." Fuentes sei zudem nicht der einzige Mediziner der Epoche gewesen.

Kritik von Voigt

Jens Voigt kritisierte das Nachtreten von Pevenage. "Hinterher in der Schmollecke stehen und andere beschuldigen, geht nicht. Entweder soll er klare Sachen auf den Tisch legen und Ross und Reiter nennen oder den Mund halten", sagte der Berliner.

Rolf Aldag sagte, die Aussagen werfen ein entsprechendes Bild auf die damalige Zeit, wovon aber niemand überrascht sein dürfte.

Seine Karriere beendete Ullrich im Februar 2007, doch der Justizmarathon ist damit noch nicht vorbei. Derzeit prüft der Internationale Sportgerichtshof CAS einen Einspruch des Weltverbandes UCI und von Antidoping-Schweiz gegen Swiss Olympic.

"So ist das Ende früher gekommen"

Das Olympische Komitee der Eidgenossen hatte das Verfahren gegen Ullrich eingestellt, weil es nach Ullrichs Verbandsaustritt 2006 keine Disziplinargewalt mehr habe.

Laut Pevenage habe Ullrich ohnehin vorgehabt, seine Karriere 2006 zu beenden. Bei der Deutschland-Tour sollte er seine große Abschiedsrunde drehen: "So ist das Ende ein bisschen früher gekommen."

Gegen Pevenage, der Ullrich noch von Zeit zu Zeit sehe, ist noch ein Verfahren der belgischen Justiz anhängig. Man habe sein Haus zweimal durchsucht, aber nichts gefunden.

Mit der deutschen Staatsanwaltschaft hatte er einen Kompromiss geschlossen und 25.000 Euro für behinderte Kinder gespendet.

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