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Mark Cavendish gewann im letzten Jahr sechs Etappen bei der Tour de France © getty

Der Brite zeigt sich nach seinem ersten Etappensieg bei der Tour selbstkritisch. Greipel hat bei Columbia wohl keine Zukunft.

Gueugnon - Der "Bad Boy" kann auch anders. Kaum hatte Mark Cavendish seinen ersten Etappensieg (260688die Bilder) bei der 97. Tour de France eingefahren, zeigte er ein ganz neues Gesicht.

"Viele Leute sehen mich kontrovers. Es gibt kein Rauch ohne Feuer, und ich habe auch Öl ins Feuer gegossen", sagte der Brite und gab sich ganz demütig (DATENCENTER: Die Ergebnisse der 5. Etappe).

So wie bei seinem Sieg in Montargis hatte Frankreich den zur Arroganz neigenden Cavendish noch nie erlebt. Es war wohl einer der emotionalsten Siege nach einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen.

"Wenn du auf einer Wolke schwebst, ist alles einfach. Aber wenn du runterfällst, ist der Aufprall hart", beschrieb Cavendish seine durcheinandergeratene Gefühlswelt.

Verpatzter Tour-Auftakt

Als großer Favorit im Kampf um Tagessiege und Grünes Trikot war der sechsmalige Etappengewinner des Vorjahres zum Tour-Start nach Rotterdam gekommen.

Was folgte, war das Spiegelbild des bisherigen Jahres 2010. In Brüssel zettelte Cavendish einen Massensturz an, in Reims nahm er noch vor dem Zielstrich frustriert die Beine hoch, was ihm innerhalb des Teams keine Freunde bescherte 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile) .

Führung steht zu Cavendish

"Die Saison war bislang sehr hart für mich. Aber ich habe beeindruckende Leute um mich herum", sagte Cavendish und sprach damit Teamchef Bob Stapleton, Sportdirektor Rolf Aldag und seinen Lehrmeister Erik Zabel an (DATENCENTER: Die Gesamtwertung).

Das Trio hatte an Cavendish festgehalten, obwohl der teaminterne Rivale Andre Greipel in dieser Sa `Bad Boy" Cavendish zeigt sein zweites Gesichtison deutlich besser in Form schien.

Die Bilanz von 13:4 Siegen zugunsten des Deutschen spricht jedenfalls Bände.

Greipel vor dem Abschied

So sind die Signale klar, dass Greipel beim Columbia-Team nie mehr als die zweite Geige sein wird (Alle Radsport-News) .

"Es ist logisch, dass er mit anderen Teams redet und auslotet, wie weit er kommen kann. Er hat die freie Wahl", sagte Aldag, und auch Stapleton macht nicht den Eindruck, als wolle er um den gebürtigen Rostocker, dessen Vertrag ausläuft, kämpfen:

"Er ist ein großer Star geworden. Er hat sich das Recht verdient, die volle Unterstützung eines Teams zu bekommen. Wenn Andre gehen will, ist das in Ordnung."

Stapleton ist begeistert

Stapleton ist ein großer Fan von Cavendish, und das sagt er auch offen.

"Mark ist einer der aufregendsten Fahrer und Persönlichkeiten. Er ist spontan, kontrovers und nicht langweilig", sagt der milliardenschwere Unternehmer, der in höchsten Tönen von "King Cav" schwärmt.

"Es ist angenehm, wenn mal einer nicht nur das sagt, was alle erwarten. Er soll so bleiben, wie er ist. Das Bad-Boy-Image ist eine Interpretation, wir kennen aber auch ein anderes Bild."

Grünes Trikot bleibt das Ziel

So sieht es auch Linus Gerdemann, der einst mit Cavendish zusammen gefahren war. "Ich komme mit ihm gut aus.

Sicher versprüht er eine gewisse Arroganz, aber bei den Anschuldigungen ist auch häufig eine Portion Neid dabei", sagt der Milram-Kapitän.

Elf Tour-Etappensiege hat Cavendish seit 2008 nun schon eingefahren. "Ich habe hier noch weitere Chancen", kündigt er an. Auch das Grüne Trikot hat der amerikanische Rennstall noch nicht abgeschrieben, obwohl der Rückstand zum Norweger Thor Hushovd recht groß ist.

Jeder Sprinter müsse erstmal nach Paris kommen, sagt Aldag, man werde jedenfalls weiter alles versuchen.

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