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Lance Armstrong fährt 2010 seine dreizehnte und letzte Tour © getty

Neben Floyd Landis erhebt nun auch Greg LeMond schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong. Dem droht eine Befragung unter Eid.

Gueugnon - Lance Armstrong wird die dunklen Schatten seiner Vergangenheit nicht los und steht erneut im Mittelpunkt massiver Doping-Anschuldigungen.

Der dreimalige Toursieger Greg LeMond bezichtigte den Texaner erstmals öffentlich des EPO-Dopings, und auch Floyd Landis setzte mit neuen Vorwürfen seinen persönlichen Rachefeldzug gegen Armstrong und Co. fort. (Alle Radsport-News)

Unterdessen wurde der ebenfalls schwer belastete Teamchef Johan Bruyneel bereits vom belgischen Radsport-Verband verhört - Armstrongs Mentor stritt alles ab.

'Komm, jeder nimmt doch EPO'

"Ich habe Lance mal erzählt, hätte ich Epo genommen, dann hätte ich wohl mit acht Minuten anstatt mit acht Sekunden Vorsprung die Tour 1990 gewonnen. Daraufhin sagte Armstrong: 'Komm, jeder nimmt doch EPO'. So war das Gespräch mit Armstrong", sagte LeMond der "ARD".

Der frühere Tour-Champion hatte sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als Armstrong-Kritiker hervorgetan, in dieser Deutlichkeit aber noch nie.

So gestaltet sich die dreizehnte und letzte Tour de France (260688die Bilder) alles andere als ruhig für Armstrong.

Kaum ein Tag ohne neue Anschuldigungen

Es vergeht kaum ein Tag ohne neue Anschuldigungen und pikante Details. Und mittendrin ist erneut Landis, der bereits im Mai mit seinem Doping-Geständnis ein kleines Erdbeben in der Radsport-Welt ausgelöst hatte.

Zum Tour-Start in Rotterdam hatte der frühere Radprofi, dem der Toursieg 2006 nach einer positiven Dopingkontrolle aberkannt worden war, in einem Bericht des Wall Street Journals über systematisches Blutdoping bei US-Postal berichtet.

EPO, Bluttransfusionen und Testosteron seien an der Tagesordnung gewesen. Sogar Rennräder sollen für die Beschaffung von unerlaubten Mitteln verkauft worden sein.

"Mr. Armstrong, ich beschuldige Sie"

Am Donnerstag zitierte nun die "ARD" aus E-Mails, die direkt von Landis an Armstrong gerichtet waren.

"Mr. Armstrong, ich sage Ihnen in aller Deutlichkeit, dass ich Sie und unsere früheren Mannschaftskameraden beschuldige, Blutdoping betrieben und Dopingmittel genommen zu haben, so dass Sie dreimal die Tour de France gewinnen konnten", hieß es in einer E-Mail.

Ferner berichtete Landis nun, wie Armstrong ihm erklärt habe, warum Bluttransfusionen nötig seien, weil der neue Epo-Test so lästig sei.

Armstrong bezichtigt Landis der "glatten Lüge"

Nachdem Armstrong mehrmals die Glaubwürdigkeit von Landis infrage gestellt hatte, richtete dieser eine weitere Email an Armstrong: "Bitte hören Sie mit Ihren Drohungen auf und erstatten Sie stattdessen Strafanzeige. Die Anschuldigungen sind begründet. Das Publikum wurde betrogen."

Angesprochen auf die Vorwürfe hatte Armstrong stets nach dem selben Schema reagiert und den alten Teamkollegen diskreditiert.

"Landis' Glaubwürdigkeit ist wie eine Tüte saure Milch. Wenn man den ersten Schluck genommen hat, weiß man, dass der Rest auch schlecht ist", hatte Armstrong zum Tour-Auftakt gesagt und die Anschuldigungen als "glatte Lüge" abgetan.

"Landis hat Angst, dass er in die Hölle kommt"

Dopingexperte Werner Franke schenkt den Aussagen von Landis dagegen Glauben.

"Floyd Landis hat Angst, dass er in die Hölle kommt. Deshalb fängt er jetzt an, alles hervorzuholen. Das ist ja eine strenge Sekte, in der er ist", meinte der Heidelberger Molekularbiologe, der nicht fassen kann, dass Armstrong immer noch fahren darf.

Wie auch immer die Wahrheit aussieht, auf Armstrong könnten noch weitaus anstrengendere Tage zukommen als in den Bergen von Frankreich. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Wie Jones ins Gefängnis?

In den USA wird bereits seit einigen Wochen gegen Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung ermittelt. Chefermittler Jeff Novitzky hat sich gar der Sache angenommen.

Wenn es ganz dick kommt, muss Armstrong unter Eid vor Gericht aussagen. Sollte er dann nachweislich lügen, droht eine Haftstrafe wie bei Sprinterin Marion Jones.

Aussagen musste Landis noch nicht, sein Mentor Bruyneel indes schon. Bei der mündlichen Anhörung vor dem belgischen Radsport-Verband hat der 45-Jährige alle Vorwürfe abgestritten.

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