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Lance Armstrong belegte bei der Tour 2009 Platz drei © imago

Lance Armstrong erlebt ein Waterloo. Evans erobert Gelb. Sieger Andy Schleck schickt eine Kampfansage an Contador.

Morzine-Avoriaz - Sein gequältes Lächeln und das zerfetzte Trikot standen sinnbildlich für Lance Armstrongs Kapitulation.

"Die Tour ist aus", sagte der Rekordchampion nach der bittersten Niederlage seiner Karriere mit leiser Stimme.

Ganze 11:45 Minuten hinter Tagessieger Andy Schleck - eine halbe Ewigkeit im Radsport - war Armstrong zuvor auf der achten Etappe der Tour de France an der Skistation Morzine-Avoriaz geschlagen und gedemütigt über den Zielstrich getrudelt.

"Das war ein schwarzer Tag. Es hat sehr weh getan", so der Texaner weiter.

Armstrong ratlos

Auf der ersten Hochgebirgsetappe erlebte der einstige Patron in 1796 Meter Höhe sein Waterloo 262374(DIASHOW: Die Bilder der 8. Etappe).

"Ich konnte am vorletzten Berg nicht mithalten", sagte Armstrong. Natürlich war der 38-Jährige im Ziel der gefragteste Fahrer.

Hunderte Fans und Journalisten umzingelten den tief frustrierten Armstrong - sie alle wollten eine Erklärung für das schier Unfassbare. Doch der RadioShack-Kapitän suchte selbst nach Antworten.

Schleck moralischer Sieger

In der Gesamtwertung liegt der Texaner 13:26 Minuten hinter dem neuen Spitzenreiter Cadel Evans auf Platz 39.

Zweiter ist Andy Schleck, der mit seinem Etappensieg vor Samuel Sanchez zehn Sekunden auf den Vorjahressieger und neuen Gesamtdritten Alberto Contador gewann und der moralische Sieger war. "Ich fühlte mich richtig gut und wollte attackieren", sagte Schleck.

Im Vorjahr hatte der 25-jährige Luxemburger in Paris noch neben Contador auf Platz zwei gestanden.

Schadenfreude über Armstrongs Desaster wollte bei Schleck nicht aufkommen. "Es tut mir leid für ihn. Er hatte sich auf seiner letzten Tour viel vorgenommen. Ich habe großen Respekt vor ihm", meinte der Luxemburger.

Dreimal gestürzt

Für das Podium oder gar das Gelbe Trikot wird es für Armstrong, dessen letzte Frankreich-Rundfahrt von ständigen Doping-Anschuldigungen begleitet wird, nie mehr reichen.

Auf den 189 km von Station des Rousses nach Morzine-Avoriaz wurde der Texaner gleich dreimal vom Rad geholt. Ähnlich mitgenommen wie seine Startnummer 21 nach all den Stürzen glichen auch die Gesichtszüge des 38-Jährigen im Ziel.

Kampfeswille gebrochen

"Rien ne va plus" - Nichts geht mehr, hieß es für Armstrong bereits am vorletzten Anstieg.

38,6 km vor dem Ziel musste der RadioShack-Kapitän abreißen lassen. Als Armstrong auf dem vorletzten Gipfel nach einem Sturz eines Euskaltel-Fahrers nochmal absteigen musste, kletterte er fast lethargisch wieder auf sein Rad.

Der Kampfeswille, der den Texaner all die Jahre ausgezeichnet hatte, war endgültig gebrochen.

Nie dagewesenes Waterloo

Armstrong schüttelte nur noch mit dem Kopf und lächelte gequält.

Ein derartiges Waterloo war ihm in seiner zweiten Karriere seit 1999 nicht wiederfahren. Im vergangenen Jahr hatte Armstrong in Le Grand Bornand mal 2:18 Minuten auf Contador verloren.

Martin weit zurück

Gleiches gilt für die deutsche Hoffnung Tony Martin, der die hohen Erwartungen nicht erfüllte und weit zurückfiel.

"Ich muss jetzt genau analysieren, wo ich in der Vorbereitung Fehler gemacht habe. Ich hatte schon die ganze Tour über schwere Beine", räumte Martin ein.

Kurze Verschnaufpause

Zumindest sportlich erhält Armstrong am Montag eine Verschnaufpause. Nach zwei Kletterpartien in den Alpen steht der erste von zwei Ruhetagen an.

Die Tour wird am Dienstag mit einer weiteren Bergetappe über 204,5 km von Morzine nach St. Jean de Maurienne (ab 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) fortgesetzt. . 32 km vor dem Ziel muss der Col de la Madeleine, ein Berg der höchsten Kategorie, überquert werden.

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