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Milram-Profi Niki Tersptra musste nach der zweiten Tour-Etappe aufgeben © imago

Die 8. Etappe hat es in sich. Erstmals wartet ein Berg der ersten Kategorie auf die Fahrer. Die Favoriten müssen sich zeigen.

Morzine - Für das Team Milram läuft die Zeit ab.

Nach bislang vergeblicher Sponsorensuche bleibt dem letzten verbliebenen deutschen ProTour-Rennstall offenbar nur noch ein "Gnadengesuch" beim bisherigen Geldgeber Nordmilch, doch seine wenigen Stars stehen längst schon auf dem Einkaufszettel der Konkurrenz.

Das Columbia-Team hält Gerald Ciolek die Tür zu einer Rückkehr offen und Linus Gerdemann steht offenbar auf der Wunschliste des neuen luxemburgischen Rennstalls um die Brüder Andy und Frank Schleck.

Gespräch mit Nordmilch

"Aktuell habe ich kein Blatt, wo eine Unterschrift draufsteht", sagte Teamchef Gerry van Gerwen und klammert sich an das Prinzip Hoffnung. Am zweiten Ruhetag in Pau (21. Juli) soll Klarheit herrschen, bis dahin stünden noch viel Gespräche an.

Eins davon soll mit dem bisherigen Sponsor Nordmilch am Montag stattfinden. "Der Einzige, der uns kurzfristig helfen kann, ist Milram", sagt van Gerwen. Mehr kann und will er nicht sagen, um die Gespräche nicht zu gefährden.

Rückstufung auf ProContinental-Ebene möglich

Dass das Bremer Unternehmen Nordmilch aber weiterhin als Hauptsponsor mit rund acht Millionen Euro auftritt, scheint unwahrscheinlich.

Realistischer ist, dass die Mannschaft auf ProContinental-Ebene weiter existiert und sich dann mit Mannschaften wie dem deutschen Emporkömmling NetApp messen muss.

Aldag hält Ciolek die Tür offen

Seine Stars wird van Gerwen dann ziehen lassen müssen. Für Sprinter Gerald Ciolek steht die Tür für eine Rückkehr zu Columbia jedenfalls offen.

"Er ist bei uns jederzeit willkommen", sagte Sportdirektor Rolf Aldag und ergänzte: "Wenn er kein Team hat, dann muss er kommen und sprechen. Dann reden wir über seine sportlichen Aussichten und Ziele."

Nachfolger von Greipel

Ciolek hatte den T-Mobile-Nachfolgerennstall vor zwei Jahren verlassen, um bei Milram Sprintkapitän zu werden.

Den großen Durchbruch schaffte er bei der Dortmunder Mannschaft aber nicht. Bei einem Wechsel zu Columbia könnte er womöglich die Rolle von Andre Greipel einnehmen. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Der nach Siegen erfolgreichste Radprofi des Jahres wird das Team wohl verlassen, da er an dem britischen Topstar Mark Cavendish nicht vorbeikommt.

Gerdemann-Rückkehr unwahrscheinlich

Eine Rückkehr von Gerdemann ("Ist normal, dass man zu dieser Zeit Gespräche führt") zu Columbia ist dagegen unwahrscheinlich.

Vor zwei Jahren wollte er unbedingt zu Milram, dafür musste van Gerwen sogar eine Ablösesumme zahlen.

"Wir sind damals nicht im Streit auseinander gegangen. Er wollte gehen und wir haben eine vernünftige Lösung gefunden", meinte Aldag.

Man respektiere Gerdemann, aber die Ausrichtung des Teams sei nun eine andere. "Wir setzen unser Vertrauen in Tony Martin", so Aldag weiter.

Holczer macht wenig Hoffnung

Eineinhalb Wochen bleiben van Gerwen noch, das Unmögliche möglich zu machen. Ex-Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer kann dem Niederländer nur wenig Hoffnung machen.

"D-Day ist der erste oder zweite Tag in der Tour. Wenn du bis dahin keinen Sponsor hast, verlierst du die Fahrer", sagt der Herrenberger, dem vor zwei Jahren ein ähnliches Schicksal ereilte.

Van Gerwen bleibt optimistisch

Erfahrungen, die nun van Gerwen macht.

"Es gibt viele Gespräche. Termine werden immer wieder verschoben. Das ist alles nicht einfach", klagt der Niederländer, der stets Optimismus verbreitet hatte. In einem so großen Land wie Deutschland müsse sich doch ein Sponsor finden.

Die Realität sieht anders aus. Nach 20 Jahren, die vom Radsport-Boom um Jan Ullrich und Erik Zabel getragen wurden, hätte Deutschland kein erstklassiges Team mehr.

"Die Topathleten werden sich durchsetzen, aber der Nachwuchs hat es dann schwer. Es werden gute Rennfahrer auf der Strecke bleiben", prophezeit Aldag.

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