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Auf den Toursieg vergattert: Andy Schleck © imago

Nach seinem Husarenstück träumt der Luxemburger vom ersten Toursieg - und mit ihm ein ganzes Land. Auch Riis jubelt.

Morzine - Einen schöneren Ruhetag hätten Andy Schleck und sein Teamchef Bjarne Riis kaum haben können.

Kletterkönig Schleck ist nach seinem Sieg in Morzine-Avoriaz plötzlich in aller Munde und darf vom Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt träumen.

Und sein Teamchef Bjarne Riis, 1996 Gewinner der großen Schleife, hatte am Montag allen Grund, die Korken knallen zu lassen.

Der Däne hat für die kommenden zwei Jahre zwei Geldgeber für sein Team gefunden, das nur noch bis zum Saisonende von Saxo Bank finanziell getragen wird.

"In der besten Form meiner Karriere"

"Ich möchte in Paris ganz oben auf dem Podium stehen. Das war mein größter Sieg. Ich bin in der besten Form meiner Karriere", sagte der jüngere der beiden Schleck-Brüder vor der 10. Etappe am Dienstag (ab 14.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Am Sonntag hatte er seinen größten Widersacher und Toursieger Alberto Contador auf den Rampen zur Skistation stehen gelassen.

"Nun weiß ich definitiv, wozu ich hier bei der Tour de France in der Lage bin und was mein Ziel sein muss", meinte Schleck. 262374(DIASHOW: Die Bilder der 8. Etappe)

Nur 20 Sekunden hinter Evans

Das kann nur der Toursieg sein. 20 Sekunden liegt der Vorjahreszweite in der Gesamtwertung hinter Weltmeister Cadel Evans, aber 41 vor Contador.

"Ich hätte vielleicht das Gelbe Trikot holen können, doch das kann auch noch warten. Ziel ist es, es in Paris zu haben. Schritt für Schritt gehen wir unseren Weg weiter."

So hat Schleck die große Chance, in die Fußstapfen von Charly Gaul zu treten. Der "Engel der Berge" hatte 1958 als letzter Luxemburger die Tour gewonnen.

Zeitfahren als Schwachpunkt

Größtes Hindernis auf dem Weg dahin dürfte das letzte Zeitfahren in Bordeaux sein.

"Wenn ich eine realistische Chance auf den Sieg haben will, muss ich in Bordeaux im Gelben Trikot von der Startrampe rollen", sagt Schleck, der im Zeitfahren noch nie zu überzeugen wusste.

Und er ergänzt: "Ob mein Vorsprung allerdings eine Minute oder zehn Minuten betragen muss, steht noch in den Sternen."

Peloton lässt Chance ungenutzt

Dass Andy Schleck die Tour nicht schon in den Ardennen verlor, hatte er der Bummelfahrt des Pelotons zu verdanken.

Denn als er sich nach seiner Sturzserie wieder aufs Rad gesetzt hatte, waren die Rivalen fast schon vier Minuten voraus.

Aus dem Pech des Saxo-Bank-Profis wollte das Peloton aber kein Kapital schlagen und wartete.

Stürze in den Ardennen

Die Stürze in den Ardennen war der Höhepunkt einer nicht enden wollenden Pechsträhne.

Bereits im Training vor der Tour war er gestürzt, beim nur 8,9 km langen Prolog zog eine große Regenwolke auf, als er losfuhr. Schleck büßte fast 50 Sekunden auf Contador ein.

Ohnehin stand die Saison bis dahin unter keinem guten Stern. Im Dezember wurde er von einem Auto erfasst, im Frühjahr warfen ihn Erkältungen und ein Magen-Darm-Virus zurück.

So steht anno 2010 nur ein Sieg bei den luxemburgischen Zeitfahrmeisterschaften zu Buche.

Wende auf Kopfsteinpflaster

Auf der Kopfsteinpflaster-Etappe in den Ardennen wendete sich dann das Blatt, und spätestens nach den ersten Bergetappen ist Schleck der Mann, den es zu schlagen gilt.

So fehlt dem Youngster eigentlich nur Bruder Frank zum perfekten Glück.

Das kongeniale Duo war auf der Arenberg-Etappe auseinandergerissen worden, als der Tour-de-Suisse-Sieger nach einem Sturz einen dreifachen Schlüsselbeinbruch erlitt.

Eine neue Situation für Andy, treten die beiden doch sonst nur im Paket auf.

Riis verpasst Maulkorb

Im Paket werden sie auch nächstes Jahr für den neuen Rennstall aus Luxemburg fahren. Der Wechsel soll bereits in trockenen Tüchern sein.

Bis zum Ende der Tour hat Teamchef Riis aber allen Fahrern diesbezüglich einen Maulkorb verpasst.

"Wir sind hier, um die Tour zu gewinnen", sagt der Däne. Den Namen des neuen Hauptsponsor konnte er aus "Business-Gründen" noch nicht nennen.

Neuer Sponsor nicht überraschend

Die Bekanntgabe eines neuen Sponsors kam ein wenig überraschend.

Zuletzt hatte alles noch darauf hingedeutet, dass Riis keinen Nachfolger für den bisherigen Geldgeber Saxo Bank, der zum Saisonende aussteigt, finden würde.

"Das Wichtigste ist, dass es weitergeht und wir es auf ein Level zum besten Team der Welt bringen können", ergänzte Riis.

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