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Linus Gerdemann (r.) und Gerald Ciolek stehen vor einer ungewissen Zukunft © getty

Das Team Milram steht vor dem Aus, Nordmilch wird das Sponsoring definitiv einstellen. Der Teamchef gibt die Hoffnung aber nicht auf.

St. Jean de Maurienne - Das "Gnadengesuch" wurde abgelehnt, dem Team Milram hilft nur noch ein kleines Wunder.

Als Teamchef Gerry van Gerwen am Dienstag nach seiner Stippvisite beim alten Geldgeber in Bremen zurück bei der Tour de France eintraf, stand er mit leeren Händen da.

Die Nordmilch AG wird definitiv das Sponsoring zum Jahresende einstellen.

"Der Standpunkt von Nordmilch ist klar. Sie machen nicht weiter. Das haben sie bereits vor einem Jahr gesagt, dabei bleibt es", sagte van Gerwen.

Gespräche bis tief in die Nacht

Bis tief in die Nacht dauerten die Gespräche an - am Ende ohne Erfolg.

"Die Situation ist nicht besser geworden, aber auch nicht schlechter. Bis nächsten Mittwoch wird es eng", ergänzte van Gerwen, der sich an das Prinzip Hoffnung klammert.

Am zweiten Ruhetag in Pau (21. Juli) will er für Klarheit sorgen.

Van Gerwen gibt die Hoffnung nicht auf

Bis dahin stünden ein paar Gespräche mit potenziellen Sponsoren noch an. "Wir arbeiten und kämpfen dafür, dass es weitergeht. Manchmal bringt die Zeit eine Lösung", so der Niederländer:

"Ich bleibe aber bei meiner Aussage, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es nicht weitergeht."

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bereitet vielleicht die Situation bei Bjarne Riis, der auf den letzten Drücker zwei Co-Sponsoren (einer davon ist Sungard) fand und damit für zwei Jahre Planungssicherheit hat.

Milram-Fahrer "im Schaufenster"

Für die Milram-Fahrer um Kapitän Linus Gerdemann ist aber spätestens seit Dienstag klar, dass sie nun ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen müssen.

Bei der Tour radeln sie quasi im Schaufenster und müssen sich für neue Verträge empfehlen. "Jeder versucht sich zu präsentieren und will einen Vertrag ergattern", beschreibt Gerdemann die derzeitige Situation.

Gespräche hätte es aber so oder so gegeben, ergänzt Gerdemann und Fabian Wegmann pflichtet ihm bei: "Eigentlich ist es egal, ob es weitergeht oder nicht. Unsere Verträge laufen eh aus und man führt Verhandlungen. Es liegt in der Natur des Radsports, dass ein Team nicht ewig existiert wie beispielsweise im Fußball."

Sorgen macht er sich nicht, Sorgen müssten sich auch nicht seine Teamkollegen bei der Tour machen: "Für die Fahrer, die hier sind, dürfte es kein allzu großes Problem sein, ein neues Team zu finden.

Ein Team haben Gerdemann und Wegmann noch nicht.

Columbia legt Ciolek den roten Teppich aus

Sprinter Gerald Ciolek ist da in einer komfortableren Situation. Sein alter Rennstall Columbia hat dem 23-Jährigen schon den roten Teppich für eine Rückkehr ausgelegt. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Einziges Problem: Ciolek müsste sich bei der Tour damit abfinden, dass er hinter Cavendish nur die Nummer zwei ist.

"So wie es Andre Greipel dieses Jahr widerfahren ist, könnte ich mich schwer damit arrangieren. Ich bin aber eh nicht der Sprinter, der 25 Rennen im Jahr gewinnt. Ich habe meine Qualitäten und kann auch große Rennen gewinnen."

Erstmals seit 20 Jahren kein deutsches Team?

Sollte das Milram-Wunder ausbleiben, stünde Deutschland erstmals seit 20 Jahren ohne ein Team der ersten Radsport-Liga da.

"Für den deutschen Radsport ist die Situation schon dramatisch", sagt Wegmann und Ciolek ergänzt: "In vier Jahren von einer Radsport-Nation mit drei großen Teams zur Nullnummer, das ist schon traurig."

Insbesondere für den Nachwuchs dürfte der Weg in die Rad-Elite nun schwer werden.

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