Lance Armstrongs Chancen, zum achten Mal die Tour zu gewinnen, platzen wie eine Seifenblase. Das Rad der Zeit nagt an ihm.

Das Trikot weit offen, die Begleiter um sich herum und ein fast zum Schmerz verzogenes Gesicht:

So erlebten die TV-Zuschauer und die vielen Fans am Straßenrand den mühsamen Aufstieg des Lance Armstrong hoch zur Ski-Station Avioraz.

Der US-Amerikaner, der zum achten Mal die Tour de France gewinnen wollte, erlebte auf der achten Etappe einen rabenschwarzen Tag.

Armstrong verlor nicht nur 11:45 Minuten auf den Sieger Andy Schleck, sondern auch jegliche Hoffnung auf den Gesamtsieg: "Es hat sehr weh getan", sagte er hinterher.

[image id="fdbdc540-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Das vor gut einem Jahr begonnene Comeback des Radsport-Heros ist damit endgültig zum Scheitern verurteilt.

Armstrong kann mit 38 Jahren das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen. Er erlebte auf der achten Etappe der "Großen Schleife" die Götterdämmerung.

So wie es vor 33 Jahren ein Eddy Merckx und derzeit auch ein Michael Schumacher in der Formel 1 durchmachen.

Merckx war schon der Kaiser, als er mit 32 Jahren 1977 zur Tour antrat. Der große Belgier galt als Favorit. Aber auf der 17. Etappe hoch ins Radsport-Mekka Alpe d'Huez war es mit der Herrlichkeit vorbei.

Zuvor die Schlappen im Zeitfahren gegen den deutschen Jungstar Didi Thurau, in Alpe 'Huez waren ein Hennie Kuiper und ein Lucien van Impe schneller.

Merckx quälte sich die 14 Kilometer den Berg hoch, dass selbst gestandenen Radsport-Journalisten die Tränen in den Augen standen.

Nichts von dem Glanz der vergangenen Tage, nichts vom Kannibalen - nur noch ein Häufchen Elend. Merckx hatte die Natur herausgefordert und hatte den Kampf verloren. Er erlebte die Götterdämmerung.

Sieben Mal wurde Michael Schumacher Formel-1-Weltmeister. Zu Saisonbeginn hatte der jetzt 41-jährige Deutsche ein weltweit beachtetes Comeback gefeiert.

Doch was zur großen Demonstration seiner Stärke werden sollte, wurde in den bisherigen zehn WM-Läufen eher zum Debakel.

Diskussionen über die mangelnde Power der Mercedes, die Reifen, die Balance und andere technische Details des Silberpfeils beherrschten die Szene. An ihm konnte es doch nicht liegen, da kann es nur das technische Paket sein.

Begründungen für das durchwachsene Comeback gibt es immer. So auch jüngst nach dem missglückten Qualifying beim England-GP in Silverstone, wo sich Schumi auf Rang neun rettete, aber meist im Schatten seines Teamkollegen Nico Rosberg.

So erklärte Schumacher vor der Kamera: "Wir sind mit Benzin immer schneller als ohne Benzin." - Ach was!

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel