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Cadel Evans gewann in diesem Jahr den belgischen Klassiker La Fleche Wallonne © getty

Diesmal verhindert ein Ellbogenbruch einen möglichen Tour-Erfolg des BMC-Fahrers. Aber Evans hat mittlerweile Freude am Leiden.

Gap - Eigentlich sollte sich im September alles ändern für Cadel Evans.

Der Australier war Rad-Weltmeister und fühlte sich auf der Sonnenseite des Lebens.

Vergessen waren all die zweiten Plätze, vergessen war all das Pech, das ihm im Peloton zum Spitznamen Mr. Unglücksrabe verholfen hatte. Evans war endlich ein Siegfahrer.

Doch das Pech holte den früheren Mountainbiker am Dienstag auf der neunten Etappe der Tour de France wieder ein - nur knapp zehn Monate nach seinem goldenen Herbst von Mendrisio (DATENCENTER: 9. Etappe) .

Mit einem zwei Tage zuvor erlittenen Ellbogenbruch quälte er sich vergebens die steilen Anstiege der Alpen hinauf. Er verlor mehr als acht Minuten auf Andy Schleck und damit auch sein Gelbes Trikot.

Verletzung geheimgehalten

Dabei hatte Evans alles versucht, um das begehrte Trikot nicht nach einem Tag schon wieder abgeben zu müssen.

Der Teamarzt kümmerte sich den ganzen Ruhetag um den Bruch. Aus der Verletzung wurde ein Staatsgeheimnis gemacht, damit die Konkurrenz ja nichts erfährt. Nicht einmal die eigenen Teamkollegen wussten Bescheid.

"Ich leide jeden Tag auf dem Rad, aber es bereitet mir Freude", sagte Evans, der die Tour am Mittwoch trotz des Bruchs fortsetzte. Das klingt masochistisch und vor allem unglaubwürdig.

Doch schaut man sich die Karriere des sensiblen Allrounders an, findet man so viele Geschichten über Pleiten, Pech und Pannen, dass Evans' Aussage einfach die Wahrheit sein muss.

Bruchpilot bei Telekom

Das Unglück nahm 2003 seinen Lauf. Mit großen Hoffnungen hatte ihn das Team Telekom verpflichtet, doch bei den Fernmeldern galt er bald als Bruchpilot.

Dreimal stürzte Evans, dreimal brach er sich das Schlüsselbein. Im Nachhinein vielleicht Glück im Unglück, entging er dadurch doch angeblich den Dopingpraktiken im Team.

"Ich war nur ein kleines Licht und in nichts einbezogen. Ich reiste immer allein zu den Rennen", sagt Evans über die damalige Zeit.

Der ewige Zweite

Nach dem Weggang von Telekom ging es zunächst etwas bergauf. 2006 gewann Evans überraschend die Tour de Romandie, doch nur ein Jahr später begann er seinen Ruf als ewiger Zweiter zu verfestigen.

Er verlor die Tour de France um winzige 23 Sekunden gegen Alberto Contador.

2008 eroberte er endlich das Gelbe Trikot und verteidigte seinen Vorsprung von gerade mal einer Sekunde verbissen über fünf Etappen 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile).

Am Ende der Rundfahrt blieb ihm wieder nur Platz zwei. Dieses Mal lag Evans 58 Sekunden hinter Carlos Sastre.

Tiefpunkt bei der Vuelta

Seinen absoluten Tiefpunkt erlebte Evans im vergangenen Jahr bei der Vuelta.

Der 33-Jährige lag nur sieben Sekunden hinter Spitzenreiter Alejandro Valverde und bot in den Bergen Spaniens eine starke Leistung.

Auf einer Bergetappe ereilte ihn jedoch mitten im Anstieg ein Defekt.

Das Teamfahrzeug steckte im Stau der enthusiastischen Fans, das neutrale Materialmotorrad hatte kein passendes Rad.

Goldener Herbst

Evans stand schimpfend und leicht deplatziert in der Prärie und wartete auf ein neues Hinterrad.

Er verlor fast anderthalb Minuten auf Valverde und die Rundfahrt. "Das war einfach nur lächerlich und ich konnte überhaupt nichts tun. So etwas habe ich bei einer großen Rundfahrt noch nicht erlebt", klagte Evans nach der Etappe.

Evans wurde Dritter der Vuelta und hatte nahezu den Rückstand, den er durch die Panne kassiert hatte. Nur eine Woche später wendete sich das Blatt und Evans wurde Weltmeister.

Ein Abgesang auf den ewigen Unglücksraben erfolgte. Wohl zu verfrüht. Den Cadel im Glück gab es nur im vergangenen September.

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