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Lance Armstrong belegt vor der elften Etappe nur Rang 31 der Gesamtwertung © imago

Ständig kommen neue, unerfreuliche Details über Armstrong ans Licht. Der Texaner zweifelt die Zuständigkeit der Behörden an.

Bourg-les-Valence - Es hätte doch alles so schön sein können.

Eine dreiwöchige Jubelfahrt über die Landstraßen Frankreichs, ein letztes Mal das Gelbe Trikot in Paris und zum Abschluss ein Gala-Dinner mit seinem Freund Nicolas Sarkozy samt Gattin.

So oder zumindest so ähnlich hatte sich Lance Armstrong den Abschied von der großen Radsport-Bühne vorgestellt.

So wie es sich nach Armstrongs Selbstverständnis schließlich auch gehört für den Rekordsieger der Tour de France.

Sportlich ist die Torur für Armstrong gelaufen

Die Realität gestaltet sich für den 38-Jährigen freilich weitaus unerfreulicher. Sportlich hat Armstrong nach dem Desaster in den Alpen nichts mehr zu melden.

Auf Platz 31 reiht sich der Texaner zwischen einem Belgier namens Johan van Summeren und dem unbekannten Weißrussen Konstantin Siwzow ein. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Und die Schlagzeilen, die er noch produziert, auf die könnte er gerne verzichten.

Brisante Emails zwischen Landis und Verbruggen

Kein Tag vergeht ohne neue, für Armstrong unberuhigende Details rund um die große Dopingaffäre des früheren US-Postal-Teams.

So auch am Donnerstag.

Beim morgendlichen Blick ins Internet bekam der allseits vernetzte Texaner den kompletten Email-Verkehr zwischen dem geständigen Dopingsünder Floyd Landis (Armstrong: "Er ist wie eine Tüte saure Milch") und dem früheren UCI-Chef Hein Verbruggen brühwarm geliefert.

Die E-Mails birgen eine gewisse Brisanz, zumal der Niederländer Verbruggen bis 2005 den Radsport-Weltverband angeführt hatte.(Alle Radsport-News)

Wurde Armstrong positiv auf Epo getestet?

In dieser Zeit waren auch zwei Spenden Armstrongs in Höhe von insgesamt 125.000 Dollar eingegangen.

Landis hatte bei seiner Doping-Beichte Mitte Mai behauptet, dass Armstrong ihm im Jahr 2002 erzählt habe, dass er positiv auf Epo getestet worden sein soll.

Er habe dann ein "finanzielles Abkommen" mit dem damaligen UCI-Chef Verbruggen getroffen, um den Test verschwinden zu lassen.

Landis fordert Verbruggen zur Zeugenaussage auf

Landis forderte Verbruggen im Zuge der Dopingermittlungen um das frühere US-Postal-Team zu einer Zeugenaussage auf.

"Ich möchte Ihnen gratulieren, dass Sie seit 69 Jahren leben, ohne jemals gelogen zu haben. Für diese Ehrlichkeit verdienen Sie das Gelbe Trikot. Ich würde es Ihnen gerne hier in den USA überreichen, wenn sie als Zeuge vor der Grand Jury stehen, die dann feststellen kann, ob Sie jemals gelogen haben", schrieb der geständige Dopingsünder in einer E-Mail an Verbruggen.

Eine Aussage vor der Grand Jury - nichts fürchten Armstrong und dessen Entourage in diesen Tagen mehr. Schließlich könnte eine Falschaussage unangenehme Folgen haben.

Sprintkönigin Marion Jones hat dies einst ins Gefängnis gebracht.

Armstrong zweifelt Zuständigkeit der US-Behörden an

So verwundert es nicht, dass Armstrong die Zuständigkeit der US-Behörden in den Doping-Ermittlungen in Frage stellt.

"Wenn ein Athlet gegen die Regeln verstoßen haben soll, dann haben wir dafür einen Weltverband. Ich habe 500 Dopingkontrollen abgegeben. Die USADA (amerikanische Anti-Doping-Agentur) arbeitet damit, die UCI (Weltverband) und die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) auch. Ich habe kein Problem damit, mich den Regeln unterzuordnen", sagte Armstrong.

Dass sich nun nun die US-Behörden unter Führung von Chefermittler Jeff Novitzky der Sache angenommen haben kann Armstrong nicht verstehen.

"Die Glaubwürdigkeit von Floyd Landis ist seit Jahren dahin. Würden die amerikanischen Bürger es für gutheißen, dass ihre Steuergelder dafür genutzt werden? Das müssen sie entscheiden. Ich glaube nicht, dass die Regierung einen Fall basierend auf Landis aufbaut", ergänzt der 38-Jährige.

Angst vor einer "Hexenjagd"

Der Texaner betonte, dass er bei einer "glaubwürdigen und fairen Untersuchung" auch zu einer Zusammenarbeit bereit.

"Ich werde mich aber nicht an einer Hexenjagd beteiligen", sagte der RadioShack-Kapitän.

Nicht anderes muss Armstrong derzeit aber durchmachen. Und auf den Straßen feiert auch keiner mehr den Amerikaner.

Längst erfreuen sich die undankbaren Franzosen am Zweikampf zwischen Andy Schleck und Alberto Contador.

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