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Mark Cavendish feierte bereits seinen 13. Etappensieg auf der Tour © getty

Der Sprinter feiert auf der 11. Etappe seinen dritten Tagessieg. Sein Anfahrer sorgt mit einem Kopfstoß für Aufregung.

Bourg-les-Valence - Die Bestmarke von Mentor Erik Zabel übertroffen, aber den wichtigsten Helfer verloren:

Nach einem Wild-West-Sprint mit grenzwertigen Kopf- und Ellbogenstößen hat die Jury der Tour de France den Tempomacher des erneut überlegenen Siegers Mark Cavendish aus dem Peloton geworfen und damit hitzige Diskussionen ausgelöst.

Der Australier Mark Renshaw, kongenialer Partner des Sprintkönigs, wurde wegen inkorrekter Fahrweise für den Rest der Rundfahrt disqualifiziert.

Der 13. Tour-Etappensieg des schnellen Briten Cavendish, der damit seinen Lehrmeister Zabel um einen Erfolg übertraf, blieb aber unangetastet.

Kein Verständnis bei Aldag

Doch beim Team Columbia schäumte Sportdirektor Rolf Aldag vor Wut. "Wir betreiben hier Profisport und dann kommen solche amateurhaften Entscheidungen zustande. Wenn sie uns nicht leiden können oder Mark zu schnell ist, dann sollen sie es sagen. Dann könnte ich damit leben", sagte Aldag.

"Vor vier Tagen haut hier einer dem anderen mit dem Vorderrad den Kopf ein und bekommt nur eine Geldstrafe von 300 Euro. Wo ist denn da die Verhältnismäßigkeit?", fuhr der ehemalige Profi fort.

Renshaw ist raus

Einen Einspruch mache keinen Sinn mehr, meinte Aldag und verwies auf vergangenes Jahr, als Cavendish auf einer Etappe disqualifiziert worden war.

Für die Jury war indes die Situation klar. "Renshaw ist raus. Wir haben uns das Video angesehen und es war eklatant. Das ist Radsport und kein Faustkampf. Das gesamte Feld hätte stürzen können", sagte Jean-Francois Pescheux, technischer Direktor der Tour. 263792(DIASHOW: Die 11. Etappe)

Petacchi und Farrar auf den Plätzen

Cavendishs Freude über seinen 13. Tour-Etappensieg währte somit nur kurz. Dabei hatte er einen Sprint wie zu besten Zeiten hingelegt.

Nach der Kopfstoß-Attacke von Renshaw gegen den Neuseeländer Julian Dean hatte Cavendish die 184,5 km lange Etappe von Sisteron nach Bourg-les-Valence überlegen vor dem Italiener Alessandro Petacchi und Tyler Farrar aus den USA gewonnen.

Aldag: "Ein Sprint ist kein Kindergeburtstag"

"Ich dachte, ich wäre eingeklemmt, aber Mark hat mich rausgeboxt", sagte Cavendish nach dem Finale furioso.

Und Aldag legte weiter nach. "Das ist ein Sprint und kein Kindergeburtstag. Renshaw hatte keine andere Wahl. Es war nicht korrekt von Dean, dass er ihn ins Gitter abdrängen wollte", sagte er.

Zabel gratuliert

Zuvor hatte Erik Zabel den dritten Sieg seines Schützlings noch bejubelt.

"Chapeau. Das war ein super Sprint", sagte der überglückliche Zabel. "Da schlagen immer zwei Herzen in der Brust. Wenn so ein Junge aus einer neuen Generation kommt, ist das toll. Auf der anderen Seite ist es nicht schön, einen Platz in der Rangliste zu verlieren."

Cavendish machte auch im Kampf um das Grüne Trikot Boden gut und liegt nun 29 Punkte hinter dem Führenden Petacchi auf Platz vier der Sonderwertung. `

Keine Änderungen in der Gesamtwertung

In der Gesamtwertung gab es auf den vorderen Plätzen keine Veränderungen. Der Luxemburger Schleck liegt weiter 41 Sekunden vor dem Spanier Alberto Contador.

Dessen Landsmann Samuel Sanchez ist mit einem Rückstand von 2:45 Minuten Dritter.

Grünes Trikot noch weit weg

Zwar liegt Cavendish nun nach Siegen vor Zabel, doch in Sachen Grünes Trikot steht es weiterhin 6:0 für den gebürtigen Berliner.

Bis Cavendish erstmals in dem begehrten Trikot über die Champs Elysees rollen kann, dürfte noch ein wenig Zeit vergehen.

Der 25-Jährige dürfte wohl nur bei einer Aufgabe von Petacchi und dem Norweger Thor Hushovd noch eine Chance auf Grün haben.

"Cav ist einfach der Stärkste"

Für Teamkollege Tony Martin ist aber nichts unmöglich.

"Cav ist einfach der Stärkste. Er hatte am Anfang ein paar mentale Probleme, aber mit seinem ersten Sieg war das Ding gegessen", sagte Martin.

Wichtige Tipps von Zabel

Außergewöhnlich ist Cavendishs Siegstatistik allemal. Nur drei Tour-Teilnahmen benötigte der oft zur Arroganz neigende Brite, um die Zabel-Marke zu knacken.

Der Altmeister brauchte im Team Telekom von 1995 bis 2002, ehe er seine zwölf Siege beisammen hatte.

Doch Zabel spielt bei jedem Sieg von Cavendish eine ganz entscheidende Rolle. Der 40-Jährige inspiziert jede Sprintankunft persönlich vor Ort und gibt dann seine gewonnenen Kentnisse per Funk in den Mannschaftswagen durch.

Dadurch weiß der Columbia-Zug stets, wo es gefährlich werden kann.

Wieder Chancen für Ausreißer

Am Freitag bietet sich wieder eine Chance für Ausreißer. Die Etappe weist fünf kleinere Bergwertungen auf und führt über 210,5 km von Bourg-de-Peage nach Mende.

Auf dem kurzen aber steilen Schlussanstieg müssen die Favoriten allerdings wachsam fahren, um nicht unnötig Zeit zu verlieren.

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