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Alexander Winokurow begann seinen Karriere 1998 beim französischen Rennstall Casino © getty

Der Kasache ist es leid, sich "rechtfertigen zu müssen" und erwartet eine "zweite Chance". Der Etappensieg ist eine Genugtuung.

Ax-3-Domaines - Hatte Alexander Winokurow noch mit großen Gesten seinen Etappensieg in Revel gefeiert, wurde der kasachische Volksheld bei Fragen zu seiner dunklen Vergangenheit umso kleinlauter.

"Ich bin es leid, mich rechtfertigen zu müssen. Ich weiß nicht, warum meine Person derart negativ gesehen wird", sagte der 36-Jährige und blieb auch 1089 Tage nach seinem Doping-Rauswurf bei der Tour de France Antworten schuldig. (DATENCENTER: Die 13. Etappe) .

"Ich lege meine Hand aufs Herz, ich bin zu 100 Prozent sauber. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Autofahrer, die den Fühererschein entzogen bekommen, sitzen auch nach einer Weile wieder hinter dem Steuer", betonte Winokurow, der sich stets als ungerecht verurteilt sah.

"Schönster Sieg meiner Karriere"

Die Genugtuung stand ihm jedenfalls ins Gesicht geschrieben. Mit Schimpf und Schande war er 2007 aus dem Land getrieben worden.

Schlagzeilen wie "Wino ermordet die Tour" bestimmten damals die französischen Blätter, nachdem der frühere T-Mobile-Profi zweimal positiv auf Fremdblut-Doping getestet worden war 256736(DIASHOW: Die Etappenprofile).

"Überhaupt schon am Start zu stehen, war ein Sieg für mich. Dass ich nun auch noch eine Etappe gewonnen habe, ist umso schöner. Das war einer der schönsten Siege in meiner Karriere."

Keine Pfiffe

Mit den Fans hat er inzwischen seinen Frieden geschlossen.

Pfiffe, wie vor gut drei Monaten bei seinem Sieg beim Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich, musste er diesmal nicht über sich ergehen lassen 264134(DIASHOW: Die 13. Etappe).

"Die positive Reaktion des Publikums war wichtig für mich", ergänzte Winokurow, dessen Resozialisierung offenbar abgeschlossen ist (DATENCENTER: Die Gesamtwertung).

Auch Tourchef Christian Prudhomme hegt keine Vorbehalte mehr: "Er hat seine Strafe erhalten, also darf er auch wieder starten."

Vierter Etappensieg für "Wino"

Zum vierten Mal nach Gap (2003), Briancon und Paris (beide 2005) gewann Winokurow eine Tour-Etappe.

Die zwei Siege von 2007 wurden ihm ja bekanntlich aberkannt. Aber der Erfolg nun sei die Belohnung gewesen. Belohnung für die harte Arbeit, die er während seiner Zwei-Jahres-Sperre verrichtet habe.

"Ich hätte aufgeben können, aber ich habe mich auf meine Rückkehr konzentriert. Seit 2007 habe ich für diesen Moment gelebt", so der Astana-Profi weiter.

Viele offene Fragen

Winokurow ist wieder richtig schnell unterwegs. Verdächtig schnell, würden die Kritiker behaupten, die dem Kasachen nicht über den Weg trauen.

Zu viele Fragen blieben offen, wie schon nach seinem Triumph in Lüttich.

Damals hatte Winokurows Trainingslager auf Teneriffa, wo "Dottore Epo" Michele Ferrari und der spanische Dopingarzt Eufemiano Fuentes weiter ihr Unwesen treiben sollen, im Mittelpunkt des fast 30-minütigen Kreuzverhörs vor der Weltpresse gestanden.

Wie gut für den Olympia-Zweiten von 2000, dass bei der Tour nicht mehr als eine Handvoll Fragen erlaubt sind.

Contador im Mittelpunkt

Fragen wird er in den nächsten Tagen aber wohl eh weniger beantworten müssen.

Denn in den Pyrenäen (So., ab 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) rückt wieder sein Astana-Kollege und Tour-Topfavorit Alberto Contador in den Mittelpunkt.

Der Spanier hatte Winokurow auf der 12. Etappe noch den ersehnten Etappensieg zunichte gemacht, als er beim Anstieg in Mende attackiert hatte und mit dem späteren Sieger Joaquin Rodriguez einen Kilometer vor dem Ziel vorbeigezogen war.

Duo will für Furore Sorgen

Probleme mit Contador gebe es keine. Er habe ihn während der Sperre nie niederträchtig behandelt, sondern an ihn gedacht.

So war der zweimalige Toursieger, dessen Kürzel AC auch schon in den Fuentes-Akten zu lesen waren, ehe sie wie von Geisterhand wieder verschwanden, erster Gratulant von Winokurow im Ziel.

Das Duo dürfte wohl auch in Zukunft bei Astana für Furore sorgen. Mindestens ein Jahr wolle er noch weitermachen, sagte Winokurow.

Contador steht unterdessen vor einer Verlängerung seines Vertrages für zwei bis drei Jahre.

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