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Team Milram übernahm 2006 die ProTour-Lizenz vom Team Domina Vacanze © AFP

Alle Bemühungen von Gerry van Gerwen sind erfolglos: Der Milram-Chef steht ohne Sponsoren da. Doch der Niederländer kämpft.

Tarbes - Der deutsche Radsport steht endgültig vor einem Scherbenhaufen: Beim Team Milram ist der Abschied auf Raten eingeleitet.

Der letzte verbliebene deutsche ProTour-Rennstall hat keinen neuen Geldgeber für die kommende Saison gefunden, trotzdem klammert sich Teamchef Gerry van Gerwen an das Prinzip Hoffnung.

Der Niederländer will die Suche nach "Mister X mit dem Geldkoffer" nicht aufgeben und notfalls bis weit in das Jahr 2011 fortsetzen.

Auf der Suche sind auch seine bei der Tour de France bislang so wenig überzeugenden Fahrer um Kapitän Linus Gerdemann - und zwar nach neuen Rennställen. 256736(Tour 2010: Die Etappenprofile)

Van Gerwen mit Durchhalteparolen

"Ich habe bis heute keinen Sponsor gefunden", verkündete van Gerwen auf einer Pressekonferenz in Tarbes, während zur gleichen Zeit der bisherige Geldgeber Nordmilch seinen kompletten Rückzug aus dem Radsport ankündigte.

"Die Lage ist nicht ideal, aber auch nicht unmöglich", wiederholte der Teamchef seine Durchhalteparolen.

Er werde trotzdem bis zum 15. August die 200.000 Euro teure Lizenz beim Radsport-Weltverband UCI für die erste oder zweite Division beantragen und gleichzeitig weiter Ausschau nach einem Sponsor haben.

Radsport ohne deutsche Beteiligung?

"Ich kann es nicht riskieren, dass ich dann einen Sponsor habe, aber keine Lizenz", sagte van Gerwen.

Bis zum 1. Oktober muss er dann aber sein Team der UCI melden, ansonsten findet die höchste Klasse im Radsport ohne deutsche Beteiligung statt.

Das hatte es letztmals vor 20 Jahren gegeben, ehe der Boom um Jan Ullrich, Erik Zabel und das Team Telekom begann.

"Das ist fatal. Man kommt ins Grübeln, wie es mit dem deutschen Radsport weitergeht. Wir wollten hier was aufbauen, und nun gibt es kein ProTour-Team mehr."

Selbstloser Gerdemann

"Ich mache mir weniger Sorgen um meine Zukunft als um die Zukunft des Radsports daheim", behauptete Gerdemann ganz selbstlos.

Schließlich hätten er und seine Kollegen bei der Tour keine Probleme, bei einem anderen Team unterzukommen.

Gerdemann wird mit dem neuen luxemburgischen Rennstall um den Tour-Zweiten Andy Schleck in Verbindung gebracht, ähnlich wie sein Münsteraner Kollege Fabian Wegmann. Sprinter Gerald Ciolek steht womöglich vor einer Rückkehr zum Team Columbia.

Van Gerwen kämpft weiter

Der Ausverkauf bei Milram hat längst begonnen. Van Gerwen ("Ich kann keinem einen neuen Vertrag anbieten") kann und muss damit leben.

Der Niederländer will aber weiter kämpfen, notfalls ein Jahr Auszeit nehmen und weiter nach einem Sponsor suchen. "Es wird kein Bus und kein LKW verkauft", sagt van Gerwen.

Auch die Teamärzte und Mechaniker sollen neue Vertragsangebote für das nächste Jahr erhalten: "Oder wir helfen ihnen, einen neuen Rennstall zu finden." Deutschland sei doch ein Kernland, da müsse sich doch jemand finden, so van Gerwen.

Lieblose Presseerklärung von Nordmilch

Ende April habe er bereits mit einem Sponsor Übereinkunft für weitere vier bis fünf Jahre erzielt gehabt.

Sogar das neue Trikot sei schon entworfen worden, ehe der Deal in letzter Sekunde platzte. Aktuell sei er noch mit zwei Kandidaten in Gesprächen. Eine Entscheidung falle im September.

Zuvor hatte van Gerwen nochmal ein Gnadengesuch bei Nordmilch gestartet, mehr als warme Worte in Bremen aber nicht erhalten. "Bei aller Verbundenheit mit dem Radsport war das Sponsoring von Anfang an mit klaren Marketingzielen verbunden", hieß es in einer lieblosen Presseerklärung.

Die Ziele seien erreicht worden. Das Engagement habe jährlich Mediagegenwerte zwischen 50 und 60 Millionen erzielt und den Bekanntheitsgrad in Deutschland auf über 90 Prozent gesteigert.

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