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Schon im Vorjahr war Jens Voigt während der Tour schwer gestürzt © imago

Wieder mal stürzt Jens Voigt bei der Tour schwer. Statt aufzugeben, setzt Voigt dem Feld aber minderbemittelt hinterher.

Pau - Andy Schleck und Co. staunten nicht schlecht.

Als das Team Saxo Bank am Ruhetag der 97. Tour de France zur Trainingsfahrt aufbrach, war Jens Voigt wieder dabei.

Am ganzen Körper mit Prellungen und Hautabschürfungen übersät, aber trotzdem bester Laune stieg der 38-Jährige einen Tag nach seinem Horror-Sturz wieder auf sein Rad.

Der unermüdliche Kämpfer setzte seine persönliche Tour der Leiden fort.

"Kann doch nicht zwei Jahre in Folge aufgeben"

"Ich will nach Paris. Ich kann doch nicht zwei Jahre in Folge bei der Tour aufgeben", sagte Voigt. Schließlich habe er schon im letzten Jahr nach einem Sturz aussteigen müssen.

Da war es wieder, das Kämpferherz, das den allseits beliebten Mecklenburger in 13 Tour-Jahren so ausgezeichnet hat. Aufgeben ist für ihn kein Thema, dabei hat es Voigt mal wieder schwer erwischt.

Hautabschürfungen und Prellungen am linken Knöchel, an den Knien, an der Hüfte, an den Ellbogen und an der Schulter. Dazu musste sein linker Ellbogen mit fünf Stichen genäht werden. 256736 (DIASHOW: Die Etappenprofile)

"Rippenbrüche überbewertet"

Am schlimmsten schmerzen die Rippen, aber auch das nimmt der frühere Gewinner der Deutschland-Tour mit Humor:

"Die Rippen fühlen sich eklig an, wenn ich mich bewege. Ich will eigentlich gar nicht wissen, was damit ist. Ich weiß, dass es weh tut. Ob gebrochen oder nicht, ist da unerheblich. Rippenbrüche sind eh überbewertet."

Auf der Abfahrt vom Peyresourde hatte sich der Sturz am Dienstag ereignet, der Reifen des Vorderrades war geplatzt. 265539 (die Bilder)

Weiter auf quietschegelbem Jugend-Rad

"Ich hatte gerade noch Zeit zu denken 'Okay, das tut jetzt weh', dann lag ich auch schon da", schildert Voigt die Szene.

Was folgte, war eine weitere Episode aus Voigts verrücktem Radsport-Leben. Das Mitfahr-Angebot des Besenwagens schlug er dankend aus. (DATENCENTER: Die 16. Etappe)

Weil seine Rennmaschine hinüber und das Begleitfahrzeug weit voraus war, schnappte er sich das Rad eines Jugendfahrers und machte sich auf die Jagd nach dem enteilten Feld.

Gendarm bring Ersatzmaschine

"Hinter dem Feld fand irgendein Kinderprogramm der Tour statt. Ich habe dann von denen ein Rad bekommen, quietschegelb und viel zu klein. Damit bin ich 15 Kilometer gefahren, bis mir ein Gendarm mein Ersatzrad in die Hand gedrückt hat", berichtet Voigt.

Dann erst ging es dann über den Tourmalet und den Aubisque. Am Ende fuhr Voigt im Gruppetto nach Pau. Es sind diese Geschichten, die ihn auch in Frankreich zu einem Publikumsliebling machen.

Es ist sein unermüdlicher Einsatz, mit dem er in seiner Karriere schon zwei Etappen bei der Tour gewonnen hat und zweimal ins Gelbe Trikot gefahren ist.

Deja-vu der unangenehmen Art

Und Voigt kann wieder lachen, dabei war der Sturz ein Deja-vu der unangenehmen Art.

Am 21. Juli 2009, also fast exakt ein Jahr zuvor, war Voigt auf der Abfahrt des Kleinen Sankt Bernhard bei Tempo 80 zu Fall gekommen und hatte dabei Brüche an Jochbein und Kiefer sowie eine Gehirnerschütterung erlitten.

Wochenlang war der Altmeister daraufhin ausgefallen, aber so wollte er sich nicht von der Tour verabschieden.

"Will noch ein Jahr fahren"

Die Champs Elysees will er auf jeden Fall erreichen, und ein Abschied für immer, wie etwa beim einen Tag jüngeren Lance Armstrong, soll es auch nicht sein.

"Es ist kein Geheimnis, dass ich noch ein Jahr fahren will", sagt Voigt, dessen Vertrag ausläuft: "Mein erster Ansprechpartner ist Bjarne, aber in der Tour wird noch keine Entscheidung fallen."

Bis Paris gebe es schließlich noch einiges zu tun. Die Hoffnung auf einen Toursieg von Andy Schleck hat er noch nicht aufgegeben.

"Contador ist nicht so gut"

"Fakt ist, dass Alberto Contador nicht so gut ist, sonst hätte er längst fünf Minuten Vorsprung haben müssen. Er sieht auch nicht so stark aus", sagt Voigt und prophezeit einen harten Kampf bis Paris.

Dort wird auch seine Höllenfahrt - egal, was kommt - enden. (DATENCENTER: Die Gesamtwertung)

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