vergrößernverkleinern
Floyd Landis (r.) fuhr von 2002 bis 2004 mit Armstrong bei US Postal © getty

Floyd Landis bekräftigt im US-TV seine Vorwürfe. Er sei Zeuge von mehreren Bluttransfusionen und EPO-Einnahmen gewesen.

Von Martin Hoffmann

München - Floyd Landis hat seine Anschuldigungen gegen Tour-de-France-Rekordsieger Lance Armstrong in einem TV-Interview bekräftigt.

Der US-Amerikaner sagte im Gespräch mit dem TV-Sender "ABC" auch erstmals in aller Deutlichkeit, dass er mehrmals Augenzeuge von Armstrongs Doping gewesen sei.

"Ohne ins Detail gehen zu wollen: Ja, ich habe gesehen, dass Armstrong Drogen genommen hat", erklärte Landis, der sich vor zwei Monaten selbst als Dopingsünder bekannt hatte.

Der nachträglich disqualifizierte Tour-Sieger von 2006 habe Armstrong mehrmals bei nicht erlaubten Bluttransfusionen und bei der Einnahme von EPO gesehen (Alle Radsport-News).

Armstrong-Anwalt weist Vorwürfe zurück

Armstrongs Anwalt Tim Herman wies Landis' Anschuldigungen erneut zurück: "Landis ist ein bekennender Eidbrecher und ein Lügner. Es ist wie Lance gesagt hat: Wenn man einmal von saurer Milch gekostet hat, muss man nicht den ganzen Karton austrinken, um zu merken, dass alles sauer ist."

Wegen Landis' Aussagen sind dennoch US-Behörden aktiv geworden.

Für die Lebens- und Arzneimittelaufsicht ermittelt Jeff Novitzky, der einst Sprint-Star Marion Jones in der Balco-Affäre hinter Gitter gebracht hatte.

Es gibt bereits Vorladungen für Ex-Kollegen Armstrongs und Landis' - unter anderem Tyler Hamilton.

"Eine Hexenjagd"

Laut Herman hat sich aber noch kein Strafverfolger an seinen Klienten gewandt: "Er ist nicht vorgeladen worden und auch in keiner Weise kontaktiert."

Armstrong würde bei "berechtigten und fairen Untersuchungen" mit den Behörden kooperieren, "aber er beteiligt sich nicht an einer Hexenjagd. Und das hat bisher alle Anzeichen einer Hexenjagd."

"Den Weihnachtsmann gibt es nicht"

Landis sieht die Sache aus einem anderen Blickwinkel: "Irgendwann ist es an der Zeit, den Kindern zu sagen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Ich hasse es, der Typ zu sein, der es sagt, aber es ist alles einfach nicht wahr."

Der Kronzeuge ließ in seinem Interview auch mit seiner Antwort auf die Frage, ob er Armstrong als Betrüger bezeichnen würde, tief blicken:

"Das kommt auf die Definition von Betrüger an: Schauen Sie, hätte er die Tour nicht gewonnen, hätte ein anderer Gedopter die Tour gewonnen - bei jeder einzelnen Tour."

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel