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Der Deutsche Linus Gerdemann wechselte 2009 vom Team Columbia zu Milram © getty

Kein Etappensieg und dazu eine peinliche Vorstellung vom Team Milram. Der deutsche Radsport steht vor einer düsteren Zukunft.

Paris - Kein Etappensieg und keine Top-Ten-Platzierung, dazu eine peinliche Abschiedsvorstellung des Teams Milram:

Der deutsche Radsport hat bei der 97. Tour de France ein schwaches Bild abgegeben und steht vor einer düsteren Zukunft. (Alle Radsport-News)

Angesichts des bevorstehenden Endes der Milram-Mannschaft wird es 2011 erstmals nach 20 Jahren kein deutsches Team bei der Tour geben.

"Ich habe den Eindruck, dass wir zurück in der Steinzeit sind. Das ist ein unschöner Zustand. Das ist traurig und schade", resümierte Altmeister Jens Voigt.

Klöden am besten platziert

Mit "Zurück in die Steinzeit" ließen sich auch der Großteil der Leistungen deutscher Fahrer beschreiben. Das Gesamtklassement war bereits nach dem ersten Berg in den Alpen für deutsche Fahrer passe. (DATENCENTER: Die Gesamtwertung)

So war der in die Jahre gekommene Armstrong-Helfer Andreas Klöden als Gesamt-14. noch am besten platziert.

Auf den Flachetappen sprintete Gerald Ciolek dem britischen Superstar Mark Cavendish weit hinterher. Erstmals seit fünf Jahren gab es keinen deutschen Tagessieg.

Von Gerdemann nichts zu sehen

Die deutschen Hoffnungen Tony Martin und Linus Gerdemann blieben hinter den Erwartungen zurück.

Konnte Martin wenigstens noch mit zweiten Plätzen im Prolog und im abschließenden Zeitfahren sowie aufopferungsvollen Helferdiensten für Cavendish überzeugen, war von Gerdemann in den drei Wochen überhaupt nichts zu sehen.

"Linus ist ein super Kerl, ein guter Redner und ein schöner Junge, aber ein bisschen gehört auch der sportliche Erfolg dazu", bemängelte Teamchef Gerry van Gerwen.

Milram: Letzter in der Teamwertung

Der Niederländer war tief enttäuscht über die blutleere Vorstellung seiner Mannschaft. Attraktiv und spektakulär sollten seine Milchmänner fahren, die Realität sah anders aus.

"Dass wir nicht die Tour gewinnen, war klar. Dass wir nicht in der Gesamtwertung vorne sind, auch. Aber trotzdem waren die Erwartungen viel, viel höher", sagte van Gerwen.

Mal mit bösen, mal mit lieben Worten habe er es versucht, aber am Ende war alles vergebens. Der 22. und letzte Platz in der Teamwertung spricht Bände.

Bis heute keine Geldgeber

So lieferte die Mannschaft alles andere als Argumente für potenzielle Sponsoren, in das Team einzusteigen.

Bis heute hat van Gerwen keinen neuen Geldgeber gefunden, er will weitersuchen, notfalls auch 2011.

Seine Fahrer stehen dagegen längst in Verhandlungen mit anderen Teams. Ciolek steht offenbar vor einer Rückkehr zu Columbia, Gerdemann und Fabian Wegmann sind beim neuen Rennstall aus Luxemburg im Gespräch.

Voigt stellt sich in den Dienst von Schleck

Dort könnten sie auf Voigt treffen. Der 38-Jährige will in der nächsten Woche seine Zukunftspläne lüften.

"Ich werde noch mindestens eine Saison fahren, danach sehen wir von Jahr zu Jahr weiter", sagte Voigt, der sich als einer der wenigen Fahrer erneut eine Bestnote verdiente.

Aufopferungsvoll hat er sich in den Dienst von Schleck gestellt. Unvergessen ist auch sein Kämpferherz, dass er nach seinem schweren Sturz bei Tempo 70 auf der 16. Etappe an den Tag legte.

Trotz seiner schweren Verletzungen hatte er das Angebot des Besenwagens dankend ausgeschlagen.

Voigt und Martin eine Bereicherung

Da seine Rennmaschine hinüber und das Begleitfahrzeug weit voraus war, schnappte er sich das Rad eines Jugendfahrers ("Das war quietschegelb und viel zu klein") und machte sich auf die Jagd nach dem enteilten Feld.

Voigt war mal wieder eine Bereicherung, Martin war es unter dem Strich bei Columbia auch, wenngleich er seine hochgesteckten Ziele nicht erreichte.

"Ich habe in der Vorbereitung Fehler gemacht", gestand Martin ein: "Mein langfristiges Ziel für die nächsten vier, fünf Jahre bleibt es aber, unter die besten Fünf zu fahren."

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