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Lance Armstrong gewann mit seinem Team RadioShack die Teamwertung der Tour 2010 © getty

Auf der letzten Etappe sorgt der Tour-Rekordsieger für einen Eklat. Nun wartet ein Chef-Dopingermittler aus den USA auf ihn.

Paris - Ohne große Show geht es nicht.

Nach seinem sportlichen Desaster sorgte Lance Armstrong vor der letzten Etappe der Tour de France 2010 noch einmal für einen Eklat.

Der Rekordsieger und seine Teamkollegen erschienen zum neutralen Start in Longjumeau in Sondertrikots von Armstrongs Krebsstiftung "Livestrong". (Alle Radsport-News)

Erst als die Jury mit einer Disqualifikation drohte, hatten die Fahrer ein Einsehen und wechselten die Kleidung. Laut Reglement dürfen die Fahrer nur das offiziell angemeldete Trikot ihres Teams tragen. 267253(die Bilder)

Doping in USA nicht strafbar

Armstrongs Kalkül war längst aufgegangen, alle Kameras waren auf ihn gerichtet.

Das wird sich auch nach dem diesmal endgültigen Adieu zur Tour nicht ändern.

Nach der letzten Ehrenrunde auf den Champs Elysees wartet der wohl härteste Gegner seines Lebens auf ihn, denn Chefermittler Jeff Novitzky sehnt im fernen Amerika das Ende der Tour herbei.

Doping ist in den USA nicht strafbar, doch er will Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung im früheren Team US Postal auf der Anklagebank sehen.

Staranwalt Daly engagiert

Armstrong spielt noch den Gelassenen. "Ich vertraue hundertprozentig darauf, dass sich alles zu meiner Zufriedenheit klärt", sagt der 38-Jährige und schweift in patriotischen Pathos ab:

"Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann jemanden nicht für etwas bestrafen, was er nicht getan hat."

Dennoch hat der Texaner Staranwalt Brian Daly engagiert.

Man müsse sich eben schützen, lässt er verlauten. Zumal sich Armstrong zuletzt in Widersprüchen verstrickte.

Respekt vor Novitzky ist groß

Er beteuerte, keine Anteile an der Firma "Tailwind Sports", in deren Besitz der Rennstall US Postal war, gehabt zu haben.

2005 hatte er während einer Gerichtsverhandlung gesagt, ihm gehörten zehn Prozent von "Tailwind Sports".

Der Respekt oder auch die Angst vor Novtizky, einem kahlköpfigen Zwei-Meter-Mann, ist offenbar groß.

Dass der Fahnder einst Sportstars wie Sprinterin Marion Jones oder Baseball-Ikone Barry Bonds auf die Schliche kam, dürfte auch Armstrong beeindrucken.

Auch LeMond sagt aus

Bereits in wenigen Tagen sollen die ersten Zeugen in San Francisco vor einer Grand Jury aussagen. Darunter auch Armstrongs Chef-Kritiker Greg LeMond.

Im Laufe der Tour wechselte der einstige Patron sogar seine Verteidigungstaktik.

Statt den Anschuldigungen von Floyd Landis aggressiv entgegenzutreten, war auf einmal von Kooperation mit den Ermittlern die Rede.

Armstrong dürfte es nicht gefallen haben, dass sein früherer Teamkollege Landis, der den Stein mit seinem Geständnis im Mai ins Rollen gebracht hatte, die Vorwürfe am Wochenende erstmals im US-Fernsehen wiederholte.

Ohne Chance auf den Tour-Sieg

Von seinem achten Tour-Sieg war Armstrong in diesem Jahr ungefähr so weit entfernt wie von seiner Heimat Texas. (DATENCENTER: Die Gesamtwertung)

Der einstige Patron zollte offenbar dem hohen Alter Tribut und bestritt das zweite Drittel der Rundfahrt mehr oder weniger als Hobbyradler.

In seiner einstigen Parade-Disziplin Zeitfahren rollte Armstrong am Samstag mit über sieben Minuten Rückstand auf Sieger Fabian Cancellara über den Zielstrich.

"Ab jetzt wartet das Privatleben auf mich. Wenn mich einer sucht, findet er mich am Strand", sagte Armstrong.

"Zum ersten Mal leiden sehen"

Sein zehnjähriger Sohn Luke begleitete den berühmten Papa in den letzten Tour-Tagen.

Für den letzten Artikel des Tour-Organs "L'Equipe" brauchte der Filius nicht einmal Französischkenntnisse. "Endstrong" prangte in großen Lettern auf Seite fünf. Dass er eine Tour zu viel gefahren ist, merkte Armstrong schon in den Alpen.

"Ich habe ihn das erste Mal leiden sehen. Wir werden halt alle nicht jünger. Aber Chapeau, wie er nach der Pause zurückgekommen ist", sagte die deutsche Hoffnung Tony Martin.

Sieg in der Mannschaftswertung

Jens Voigt meinte: "Er war ja der König der Könige. Er hat vermutlich unterschätzt, dass sich die jungen Fahrer wie Alberto Contador in seiner Abwesenheit weiterentwickelt haben."

Ohne einen ersten Platz wollte sich der "Boss" jedoch nicht von der Tour verabschieden, mit der ihn seit seinem ersten Sieg 1999 eine Hassliebe verband.

In Paris stand er auf dem obersten Treppchen, allerdings nicht allein. Mit seinem Team RadioShack hatte Armstrong die Mannschaftswertung gewonnen.

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